Mein Lichtblick für die Zukunft

Edith Mohsen erzählt, warum sie als Bundesfreiwillige im Brunnenviertel e.V. arbeitet und was sie dort genau macht. Außerdem erfahren Interessierte, wie man sich für eine solche Stelle bewerben kann.

Edith Mohsen beim Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße 28. Foto: Brunnenviertel e.V.
Edith Mohsen beim Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße 28. Foto: Brunnenviertel e.V.

Zuallererst möchte Ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Edith Mohsen, ich bin 56 Jahre alt und absolviere seit August 2023 einen Bundesfreiwilligendienst beim Brunnenviertel e.V. Ich komme aus Baden-Württemberg und nach meinem Realschulabschluss an einer Berufsschule für Wirtschaft habe ich Bürokauffrau in einem Zahntechniklabor in Stuttgart gelernt. Anschließend arbeitete ich zwei Jahre lang, bis dann das erste von meinen fünf Kindern auf die Welt kam. Ab da stand Familie für mich an erster Stelle.

Aus privaten Gründen lebten meine Familie und ich einige Jahre im Libanon. Im Februar 2020 zogen wir nach Berlin. Warum ausgerechnet Berlin? Weil meine beiden ältesten Söhne bereits vor einigen Jahren angefangen hatten, hier zu studieren. Dieses Mal wusste ich sofort, dass ich auf keinen Fall weiterhin nur Hausmütterchen sein wollte, schließlich waren die Kinder zu dem Zeitpunkt schon ziemlich groß.
30 Jahre aus dem Beruf raus, natürlich war mir klar, dass ich wahrscheinlich nicht mehr in meinen Beruf zurückkehren konnte. Nachdem ich ein knappes halbes Jahr in Berlin war, bekam ich das Angebot für eine Arbeitsgelegenheit vom Jobcenter: vier Stunden Tätigkeit im Umweltbüro Berlin-Brandenburg (UBB). Das war perfekt für mich, ein erster Schritt in Richtung Wiedereinstieg. Als meine Zeit dort zu Ende ging, habe ich mir natürlich überlegt, wie es weitergehen könnte. Im UBB hatten wir einen Bundesfreiwilligen, und ich dachte mir, das ist doch auch eine Option. Eine sinnvolle Tätigkeit, um mich weiter zu orientieren (zum Bundesfreiwilligendienst siehe Infokasten).

Die nächste große Frage war, in welchem Bereich ich meinen Bundesfreiwilligendienst machen würde. Also habe ich mich im Internet auf die Suche nach Angeboten gemacht. Es gibt verschiedene Portale wie zum Beispiel www.bundesfreiwilligendienst.de, die Seite vom Bund für Umwelt- und Naturschutz
(www.bund.net), www.ein-jahr-freiwillig.de und viele andere. Dabei bin ich auf www.club-dialog.de gestoßen. Club Dialog e.V. unterbreitet Angebote (vor allem für russischsprachige Einwanderer:innen) wie soziale Beratungen oder Beratungen für Beruf und Schule. Da ich auch arabisch sprechen kann, ging meine Bewerbung an den Brunnenviertel e.V. Dort war ein Platz ausgeschrieben, für den Arabischkenntnisse von Vorteil waren. Nach einem Kennenlerngespräch wurde ich dann auch sofort genommen.

Der Brunnenviertel e.V. ist gemeinnützig, ein Stadtteilverein für Menschen, die im Brunnenviertel leben und etwas bewegen wollen. Der Verein ist seit dem Jahr 2000 im Viertel tätig. Er hat zahlreiche Kooperationspartner und Förderer, arbeitet überkonfessionell, interkulturell und generationsübergreifend. Der Verein fördert außerdem bürgerschaftliches Engagement der Anwohner:innen. Momentan findet dienstags von 14 bis 16 Uhr ein Nachbarschaftscafé sowie von 17 bis 19 Uhr ein Nähkurs statt (mehr auf Seite 7).

Meine Aufgaben beim Verein sind sehr vielfältig: Ich mache zum Beispiel einen Deutschkurs für Geflüchtete (da helfen meine Arabischkenntnisse), übernehme Bürotätigkeiten, unterstütze bei Projekten, betreue das Nachbarschaftscafé, halte Kontakt zu anderen Vereinen und verteile Flyer. Was mir besonders an meinem Bundesfreiwilligendienst gefällt, ist die unkomplizierte Zusammenarbeit mit meiner Einsatzstellenbetreuerin und der Kontakt zu den vielen Menschen, die ich dort kennenlerne. Kommt doch mal vorbei!

So funktioniert der Bundesfreiwilligendienst

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist eine Option für alle Menschen, die sich sinnvoll beschäftigen wollen. Wer sich beruflich umorientieren möchte, für den ist das eine Möglichkeit, auch für Immigrant:innen, die ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten. Bürgergeld-Empfänger:innen können ebenfalls einen BFD absolvieren. Es gibt mehrere Bereiche, in denen man eingesetzt werden kann, wie Umwelt und Naturschutz, Kinder- und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Wohlfahrts-, Gesundheits-, und Altenpflege, Behindertenhilfe, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz. Der BFD hat eine Dienstdauer von mindestens sechs und längstens 24 Monaten.

Die Arbeitszeiten richten sich nach der Einsatzstelle. 20,5 Stunden pro Woche müssen es mindestens sein.
Es wird ein Taschengeld bezahlt, die Höchstgrenze dafür sind 453 Euro im Monat. Man ist während des Bundesfreiwilligendienstes sozialversicherungspflichtig. Weiterhin ist man verpflichtet, an Weiterbildungsseminaren teilzunehmen. Diese finden ganztags, tageweise oder eine Woche am Stück statt, je nach Einsatzstelle auch in anderen Städten. Die Themen sind ganz verschieden, beispielsweise kann man sich mit interkulturellen Kompetenzen, Werten oder Medienkompetenz beschäftigen. Mehr über den Bundesfreiwilligendienst steht auf der Internetseite www.bundesfreiwilligendienst.de.

Text: Edith Mohsen, Foto: Brunnenviertel e.V.

Edith Mohsen (links) und Dunja Berndt. Foto: Barbara Langer-Heiserholt
Edith Mohsen (links) und Dunja Berndt. Foto: Barbara Langer-Heiserholt

Staffelstab-Übergabe

Edith Mohsen betreut den Laden des Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße 28, unterstützt bei der Büroarbeit und bei Veranstaltungen. Sie ersetzt Dunja Berndt, die diese Aufgaben seit 2019 geleistet hatte und im Herbst 2023 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist. Dunja bleibt dem Verein aber erhalten und ist ab und zu weiterhin im Laden anzutreffen.

Text: Dunja Berndt, Foto: Barbara Langer-Heiserholt

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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Wer rastet… kommt weiter!“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Wer rastet… kommt weiter!“ gesammelt und verlinkt.

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