Für mehr Barrierefreiheit im Kiez

Carmen Olivar lebt im Brunnenviertel und möchte, dass die Infrastruktur für mehr – oder besser alle – Anwohner nutzbar wird. Sie wünscht sich mehr Barrierefreiheit.

Carmen Olivar in ihrem Rollstuhl. Foto: privat, Montage: Hensel
Carmen Olivar in ihrem Rollstuhl. Foto: privat, Montage: Hensel

Neurale Muskelatrophie – das ist (m)eine vererbte Muskelerkrankung. Mein E-Rollstuhl kam 2006 in mein Leben. Bis dahin war ich gehend und glaubte, dass in unserem Land gut für Behinderte gesorgt ist und wir gute Gesetze haben. Vorher nahm ich die Barrieren gar nicht wahr, weil es einfach noch nicht mein Thema war.

So musste ich mich durch den Paragrafendschungel durcharbeiten und stieß nicht nur auf Barrieren an Gebäuden, Gehwegkanten und Arztpraxen, sondern auch auf Barrieren in den Köpfen mancher Gesunder. Oft habe ich erlebt, dass selbst im Gesundheitswesen Menschen arbeiten, die mit den täglichen Hürden für Behinderte überfordert sind oder sich derer nicht bewusst sind und so ganz rasch selbst zu Hürden für Betroffene werden können. Dies haben mir einige Behinderte in Gesprächen auch so berichtet.

Positives erlebe ich in meinem Alltag oft. Menschen halten mir die Tür auf oder holen mir im Supermarkt Waren aus den höheren Regalen herunter. Man muss nur den Mut haben, sie um Hilfe zu bitten. Dies konnte ich nicht sofort, es war ein wichtiger Lernprozess für mich. Es freut mich auch stets, dass Menschen von sich aus Hilfe anbieten – und je nach Situation nehme ich diese an oder lehne sie ab. Stets bin ich voller Dankbarkeit und wir lächeln einander an oder kommen sogar in ein interessantes Gespräch.

Da ich beide Seiten kenne, die der Gehenden und die der Gehbehinderten, ist es mir ein großes Anliegen, alle für die Sache zu sensibilisieren und zusammenzubringen. Meine Ideen sind persönliche Gesprächsrunden oder gemeinsame Spaziergänge und Fahrten, um so zusammen den Kiez zu erschließen und zu schauen und zu erläutern, was alles eine Barriere für Geh-Eingeschränkte und Rollstuhlfahrer darstellen kann. Die Erkenntnisse können in den diversen Nachbarschaftstreffs im Kiez mitgeteilt werden. Auch hier kommen stets anregende und hilfreiche Gespräche und Hilfsangebote zustande.

Kontakt für Austausch

Wer sich zum Thema Barrierefreiheit austauschen möchte, kann mich auf Instagram kontaktieren: www.instagram.com/Cita__Art. Ich bin außerdem Dienstag bis Freitag immer von 10 bis 13 Uhr im Olof-Palme-Stadtteilzentrum in der Demminer Straße 28. Mittwochs bin ich zwischen 16 und 18 Uhr im Nachbarschaftstreff Waschküche, Feldstraße 10, anzutreffen. Über meinen Alltag schreibe ich auf meiner Webseite https://meinalltag.beepworld.de.

Gut zu wissen

Barrierefreiheit gemäß laut Behindertengleichstellungsgesetz, Paragaph 4:
Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. (…)

Text: Carmen Olivar, Foto: privat

📍 Kiez: ,

Kommentar

  1. Avatar von Ralph-Joachim Edler von Görbitz

    Ich kenne Carmen auch schon sehr lange. Sie tut viel für sich und andere und steht immer mit Rat und Tat zur Seite.

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