Mit dem Rollstuhl: Andere Wege finden

Im brunnen-Magazin und auf diesem Blog informieren wir in einer Serie über Barrieren, die Menschen im Kiez das Leben erschweren. Außerdem geben wir Tipps und Hinweise für eine barrierefreie und barrierearme Gestaltung. Talani M. Puwalla aus dem Brunnenviertel hat ein Gedicht darüber geschrieben, wie sie sich als Rollstuhl-Fahrerin fühlt.

Hier suchen Kinder im Olof-Palme-Zentrum ihre Wege mit einem Rollstuhl beim Projekt "Roll den Kiez". Foto: Hensel
Hier suchen Kinder im Olof-Palme-Zentrum ihre Wege mit einem Rollstuhl beim Projekt „Roll den Kiez“. Foto: Hensel

(Über)sehen

Als ich einmal zu Hause saß
Habe ich mich gefragt
Was der Rollstuhl eigentlich mit mir macht
Obwohl ich schon so oft
Darüber hatte nachgedacht

Er schenkt mir Freiheit
Obwohl er mir ein Stück Freiheit klaut
Lässt mich unabhängig sein
Obwohl ich ihn ständig brauch‘

Es ergibt nicht unbedingt einen Sinn
Aber macht mich stärker
Und schwächer
Als ich eigentlich bin

Lässt mich unsichtbar werden
Indem er alle Blicke auf sich zieht
Öffnet mir Türen
Indem er andere verschließt

So zwingt er mich dazu
Meine Ängste zu überwinden
Andere Wege zu finden
Die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen
Ich sehe das
Was Andere übersehen

Wenn irgendeine Barriere
Mich daran hindert
Weiterzugehen
Bitte ich Passanten um Hilfe
Einige gehen weiter
Doch die meisten bleiben stehen

Ich bin jedes Mal erfreut
Und überrascht

Denn

Es wäre sicher einfacher gewesen
Weiterzugehen
Doch sie taten es nicht
Sie blieben stehen
Und sahen das
Was andere übersehen

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin erschienen. Er ist im Heft enthalten, das im zweiten Quartal 2016 erschienen ist. Weitere Texte aus dieser Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Barrieren im Kiez verlinkt.

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