Ein Blumen-Abo direkt aus dem Soldiner Kiez: Die Sträuße von „Wilde Schönheit“ wachsen im Gemeinschaftsgarten Elisabeet, werden dort gebunden und anschließend mit dem Lastenrad zu Menschen in der Nachbarschaft im Wedding und in anderen Teilen Berlins gebracht. Was in der Vase landet, entscheidet dabei der Garten: Es kommt darauf an, was gerade blüht.

An diesem Vormittag Ende August stehe ich mitten in dieser kleinen Blumenwerkstatt im Freien. Es riecht wunderbar nach Apfelminze und Zitronenbasilikum. Auf dem Bindetisch stehen Vasen voller frisch geschnittener Blumen, daneben liegen Gartenscheren und Papier. Zinnien, verschiedene Dahlien, Schafgarbe, Amaranth, Leberbalsam und Nelken warten darauf, zu Sträußen zusammengestellt zu werden. Ein paar Meter weiter wachsen die nächsten Blumen bereits im Beet.
Und die kleine Blumenwerkstatt bleibt an diesem Tag nicht lange am selben Ort. Die Sonne wandert über das Elisabeet. Immer wieder werden Eimer, fertige Sträuße und schließlich auch der Bindetisch ein Stück weitergeschoben. Die Schnittblumen sollen möglichst im Schatten bleiben, damit sie bis zur Auslieferung frisch bleiben.
Seit Mai 2025 gibt es „Wilde Schönheit“ im Elisabeet. Angefangen hat das Projekt mit einem fünf Quadratmeter großen Beet. Heute wachsen dort auf rund 200 Quadratmetern Schnittblumen für das saisonale Abo – mitten im Soldiner Kiez.

Wie „Wilde Schönheit“ entstanden ist
Verantwortlich für den Blumengarten und das Abo ist Gesa Titgemeyer. Sie kam zunächst als Bundesfreiwillige ins Elisabeet. Danach wollte sie bleiben. Deshalb entwickelte sie die Idee für das Blumenprojekt. „Ich habe vorher nie einen Garten gehabt. Als ich als Bufti im Elisabeet war, dachte ich, dass es hier doch ein Blumen-Abo geben könnte. Letztes Jahr haben wir dann einen Probelauf gemacht“, sagt Gesa.
Aus dem ersten kleinen Beet ist inzwischen ein großer Blumengarten geworden. Das Blumenprojekt ist dabei selbst nur ein Teil des deutlich größeren Gemeinschaftsgartens auf dem Gelände des Elisabeth-II-Friedhofs. Der Elisabeet-Garten mit etwa 500 Quadratmetern Anbaufläche war früher eine Kompostfläche des Friedhofs. Heute werden hier Gemüse und Blumen angebaut, außerdem gibt es Freizeit- und Erholungsbereiche. Das Elisabeet entstand ab 2020. Auch Gemüse aus dem Elisabeet wird übrigens per Abo verteilt – über eine solidarische Landwirtschaft.
Auf den übrigen Flächen des Elisabeets soll künftig noch mehr Raum für die Natur entstehen. Welche Lebensräume für Tiere und Pflanzen geplant sind, steht im Beitrag „Mehr Wildnis auf dem Friedhof: Was im Elisabeet entstehen soll“.
Das Konzept von „Wilde Schönheit“ lässt sich schon am Eingang des Gartens nachlesen: „Hier wachsen Blumen regional, saisonal und gesund ohne Kunstdünger, unnötiges Plastik und langen Transportweg.“ Die Blumen für die Sträuße werden direkt im Kiez angebaut.
Was gerade im Garten blüht
Zwischen Duftwicken, Cosmeen und Löwenmäulchen wachsen Rittersporn, Sonnenblumen, Margeriten und Strohblumen. Auch Rote Melde gehört zur Pflanzenvielfalt im Elisabeet. Doch nicht alles blüht zur selben Zeit, weshalb sich die Sträuße auch bei jedem Liefertermin verändern.
Für die Lieferung Ende August werden unter anderem Zinnien, verschiedene Dahlien, Schafgarbe, Amaranth, Leberbalsam und Nelken geschnitten. Dazu kommen Kräuter wie Apfelminze und Zitronenbasilikum. Gerade die Kräuter machen sich nicht nur optisch bemerkbar. Die fertigen Sträuße riechen nach Garten und ein wenig nach Spätsommer – intensiv nach Minze und Basilikum.
So entsteht ein Strauß
Auf dem Bindetisch werden die frisch geschnittenen Blumen zusammengestellt. Dabei entsteht kein Strauß nach einem festen Muster. Jeder Strauß ist ein Unikat. Beim Binden wird Gesa an diesem Tag von zwei Freiwilligen unterstützt.

Sind die Blumen zusammengestellt, werden die Sträuße gebunden und anschließend in Papier eingeschlagen. Beim Zusammenstellen und Binden spielt an diesem Tag auch das Wetter eine Rolle. Die Sonne wandert über den Garten, und mit ihr muss die Blumenwerkstatt wandern. Immer wieder werden die frisch geschnittenen Blumen und die fertigen Sträuße aus der Sonne in den Schatten gestellt. Irgendwann helfe auch ich dabei, die fertigen Sträuße vor der Sonne zu schützen. Die Blumen sollen schließlich frisch bleiben, bis sie auf dem Weg zu ihren Abonnentinnen und Abonnenten sind.


Zwei Sträuße im Monat
Das Prinzip des Blumen-Abos ist einfach: Zweimal im Monat gibt es einen saisonalen Strauß aus dem Elisabeet. Wer die Sträuße selbst im Garten abholt, zahlt 40 Euro im Monat. Für 60 Euro werden die Blumen mit dem Lastenrad geliefert. Die Lieferung findet immer dienstags statt.
Sieben Menschen haben derzeit ein Abo. Insgesamt können bis zu 20 Abonnentinnen und Abonnenten aufgenommen werden. Die aktuelle Saison läuft noch bis Ende Oktober. Wer „Wilde Schönheit“ ausprobieren möchte, kann bis zum Ende dieser Saison ein Probe-Abo abschließen. Danach geht es weiter: Die nächste Saison startet Mitte Juni 2027.

Vom Garten aufs Lastenrad
Sind die Sträuße fertig, verlassen sie den Garten im Lastenrad. Die Blumen wachsen im Soldiner Kiez, werden dort gebunden und anschließend zu Menschen im Wedding sowie in den Süden und Westen Berlins gebracht. In Papier eingeschlagen liegen die fertigen Sträuße im Lastenrad. Der Weg vom Beet bis zur Vase bleibt damit ungewöhnlich kurz.

Wer im Soldiner Kiez wohnt und ein bisschen Glück hat, bekommt die Blumen manchmal auch einfach geschenkt. Das geschieht im Rahmen einer Förderung durch das Quartiersmanagement Soldiner Straße. Damit erreichen die Blumen aus dem Elisabeet auch Menschen im Kiez, die kein Abo haben.
Mitmachen und ausprobieren
Das Projekt „Wilde Schönheit“ ist Teil des Gemeinschaftsgartens Elisabeet. Wer den Garten kennenlernen und selbst mitmachen möchte, kann zu den regelmäßigen Mitmachtagen kommen. Sie finden jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr statt. Mitgearbeitet werden kann sowohl im Blumengarten als auch im Gemüsegarten.
Am 13. September gibt es beim Tag des Friedhofs außerdem einen Workshop zum Blumenbinden mit Gesa Titgemeyer. Wer sich für das Probe-Abo oder den Workshop interessiert, kann sich unter elisabeet@himmelbeet.de melden.
So bleiben die Sträuße länger frisch
Laut Gesa Titgemeyer halten die bunten Sträuße aus dem Gemeinschaftsgarten etwa eine Woche. Dafür sollte das Wasser täglich gewechselt und die Stiele etwa alle zwei Tage neu angeschnitten werden.
Ich habe es selbst ausprobiert: Es funktioniert.


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