Bundestagswahl: Wer sind die Wähler im Wedding?

Es gibt Zahlen, die erzählen von Wahrscheinlichkeiten, Prognosen und Stimmungsbildern. Aber es gibt zur Bundestagswahl 2025 jetzt schon Zahlen, die gesichert sind. Die sogenannten Wahlstrukturdaten. Sie verraten nicht, welche Partei gewinnen wird, erzählen aber etwas über die Menschen, die wählen dürfen. In diesem Text steht, was diese Daten über Wedding und Gesundbrunnen erzählen.

Am 23. Februar ist Wahlsonntag. Ein Vergleich der sogenannten Wahlstrukturdaten zeigt, wer wählen darf. Wahlstrukturdaten sind im Grunde eine Zählung der Bevölkerung nach Alter oder Bürgergeldbezug. Hier ein Vergleich eines solchen Blicks auf die Menschen in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen von heute mit dem von vor rund zehn Jahren.

Zahl der Wähler bleibt gleich

Kommt es Ihnen morgens in der U-Bahn immer so voll vor. Kein Wunder. Im Bezirk Mitte ist die Zahl der Einwohner von knapp 340.000 auf beinahe 400.000 gestiegen. Auch in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen leben deutlich mehr Menschen als vor gut zehn Jahren. Heute sind es fast 180.000. Vor einem Jahrzehnt waren es nur 166.000. Das ist ein Anstieg um 8,5 Prozent. Das ist viel. Auch wenn die Zahlen ebenso bedeuten, dass in anderen Ortsteilen im Bezirk Mitte der Bevölkerungsanstieg stärker war.

Doch die Zahl der Wahlberechtigten ist gleich geblieben. Die Zahl der Menschen mit deutschen Pass und einem Alter von 18+ liegt im Bezirk Mitte leicht über 200.000 Menschen. So viele waren es auch vor zehn Jahren. Mitte ist also gewachsen durch Menschen, die kein Wahlrecht haben.

Grafik: Andrei Schnell

Weniger Menschen beziehen Bürgergeld

Ob die 200.000 Wahlberechtigten die selben sind wie vor zehn Jahren, lässt sich nicht sagen. Auf den ersten Blick: vermutlich nicht. Denn entweder hat die Jobwelle der letzten Jahre tatsächlich auch die Armen erfasst. Oder der Wedding und der Gesundbrunnen verlieren ihre Fähigkeit, Zufluchtsorte für Arme zu sein. Die Zahlen können in viele Richtungen interpretiert werden. Aber tatsächlich ist der Anteil der Bürgergeldempfänger (früher Hartz-IV) bei den unter 65-Jährigen von beinahe 40 Prozent auf heute 25 Prozent gesunken. Wer nicht Rentner ist, der hat heute offenbar eher einen Job, von dem er und seine Kinder leben können. Gerade mit Blick auf Kinderarmut wäre das eine erfreuliche Entwicklung – solange hinter ihr nicht lediglich Mietsteigerungen stecken (und Arme sich den Wedding/Gesundbrunnen bloß nicht leisten können).

Keine Überalterung

Das von einigen Leuten als Schreckgespenst beschriebene Phänomen, nachdem in Deutschland der Anteil der Rentner zunimmt (als ob es ein Übel wäre, das viele Menschen lange leben), verfehlt die Lage sowohl im Bezirk Mitte als auch in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen. Der Anteil der Kinder, Erwachsenen und Rentner bleibt gleich. Wie heute lag vor zehn Jahren der Anteil der Menschen über 65 Jahren bei rund 13 Prozent. Auch der Anteil der Kinder ist ungefähr gleich geblieben und pendelt zwischen 16 und 17 Prozent. Wer mitgezählt hat, kommt entsprechend auf einen Anteil von rund 70 Prozent bei Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren.

Zahl der Nicht-Wahlberechtigten steigt

Die Wahlstrukturdaten messen die Zahl der Menschen mit rechtlichem Status „Ausländer“. Der ist bedeutsam, weil Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft nicht wählen dürfen. EU-Bürger, aus Russland und den USA Eingewanderte, Menschen aus der Türkei oder der arabischen Welt haben bei der Bundestagswahl unabhängig davon, wie lange sie hier wohnen, kein Wahlrecht.

Die Zahl der Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist in den letzten zehn Jahren in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen gewachsen. Von 33 Prozent auf heute 39 Prozent. Die Zahlen sind mit Alt-Mitte und mit Moabit vergleichbar. Da gleichzeitig die Zahl der Bürgergeldempfänger gesunken ist, hat also keine – wie so oft an die Wand gemalte – Einwanderung in die Sozialsysteme stattgefunden. Und im teuren Alt-Mitte leben nur etwas weniger Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft als im (bislang noch) preiswerten Wedding.

Wahlkampf für wen?

Wer sich bei der Fußballweltmeisterschaft vor dem Fernseher als Bundestrainer auf dem Sofa versucht hat, hat nun Gelegenheit, sich als Wahlkampfmanager auf dem Sofa auszuprobieren. Die Zahlen, welche Zielgruppen im Wedding und in Gesundbrunnen leben, liegen auf dem Tisch.

Notiz am Ende: Die Zahlen stammen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

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