Den Mauerpark direkt an der Grenze zum Brunnenviertel gibt es seit 30 Jahren. Bis zu einem Gebietstausch vor einigen Jahren war der halbe heutige Park Teil des Wedding. Heute gehört der ganze Park zum Bezirk Pankow. Bernd Krüger vom Freunden des Mauerpark e.V. schreibt aus Anlass des Parkgeburtstags über Etappen, Phasen, Abschnitte, über 30 Jahren Leidenschaft und Lebenskraft.

Ruhig ist der Mauerpark, selbstverständlich liegt er da und bietet Platz und freies Gefühl, bevor man in den Berliner Alltag eintaucht. Lebendig ist der Park, wenn die Gäste aus allen Richtungen am Sonntag die Kreativität und das Getümmel suchen.
Alles das war undenkbar an diesem Ort, der noch vor 35 Jahren unbetretbar ummauert, ein Teil des Grenzbereichs der geteilten Stadt Berlin war. Erst am 9. November 1989 brach hier Normalität des Unvorstellbaren ein, als die ersten Menschen aus den umliegenden Kiezen begannen, sich die Fläche zu erobern und Bäume pflanzten im April 1990. Und bald darauf die Idee einer Jugendfarm in einer großen Parkanlage wünschten und dafür politisch kämpften.
Der Mauerpark ist nicht einfach gewachsen mit vielen engagierten Menschen, er wurde zum Wachsen gebracht. Wie viele Eltern hatte der Mauerpark und was ist aus ihrem Kind geworden? Eine Geschichte der Widersprüche und des Streits. Erst das Vorhaben eines Autobahnzubringers, dann die Gegenwehr der Anwohnerschaft zusammen mit dem Bezirk Prenzlauer Berg, die Park-Idee mit einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Walter Göritz, das Senatsvorhaben eines Erinnerungsparks im Rahmen von Olympia und letztendlich ein Stück Landschaftskunst von Prof. Gustav Lange.

So wurde nach kurzer Planungs- und Bauzeit der Mauerpark am 9.11.1994 eingeweiht. Wachsen musste der Park dann aber erst noch, sowohl die Bäume, die Kräuterwiesen als auch der ganze Park als Verbindung zwischen West und Ost. Wiederum Gegenwehr gab es seit 1999, weil er vom Senat als nicht mehr fertigzustellen beschlossen wurde. Unglaubliche 20 Jahre später, in denen die Freunde des Mauerparks e.V. und die Bürgervereine im Gleimviertel und Brunnenviertel immer treibende Kräfte waren.
Im Jahr 2020 war der Park dann endlich auf die versprochene Größe gewachsen. Als wäre es dem Park als Erbe von den Eltern vorbestimmt, gibt es so nicht nur den einen Mauerpark, sondern für jede und jeden eine ganz eigene Geschichte und viele Seiten des Parks, eher verbindend als trennend. Bis zum Jahr 2026 werden alle Flächen des Mauerparks grundsaniert, 100 Bäume werden neu gepflanzt, die Schaukeln oben am Hang neu gebaut. Feiern können wir unseren gemeinsamen Weg, den Mauerpark als lebendes, blühendes soziales Kunstwerk zum Wachsen gebracht zu haben jeden Tag.
Der Geburtstag des Mauerparks ist am 9. November. An dem Tag eröffnet um 16 Uhr im Vereinsheim der Freunde des Mauerparks (früher: Blumen-Wunder) eine Fotoausstellung zur Parkgeschichte. Der Fotograf ist anwesend und erzählt die Geschichten hinter seinen Fotos. Mehr dazu steht auf www.mauerpark.info und auf dem Instagram-Kanal www.instagram.com/mauerpark.
Text: Bernd Krüger, Freunden des Mauerpark e.V., Fotos: Alexander Puell, Rolf Zöllner
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Dieser Beiträge ist auch im Kiezmagazin „Schaufenster in den Kiez“ enthalten, das im September 2024 erschienen ist. Weitere Texte aus dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Ein Schaufenster in den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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