Wenn interessante Menschen ins Brunnenviertel ziehen, dann ist das ganz sicher einen Artikel im Kiezmagazin wert, denn sie bringen neue Themen mit, neue Idee, neue Sichtweisen. Aber wie ist es, wenn jemand wegzieht? Manchmal ist das dann auch einen Artikel wert, findet die Bürgerredaktion. Und so verabschieden Barbara Langer-Heiserholt und Dominique Hensel mit diesem Text Cecilia Stickler.

Cecilia Stickler ist 1967 mit Anfang 20 aus Schweden nach Deutschland gekommen, vor zwölf Jahren zog sie von Frankfurt/Main an den Vinetaplatz. Ende März hat sie ihr erste Berliner Wahlheimat wieder verlassen – Richtung Zehlendorf. Sie ist eine nette Nachbarin gewesen, findet Barbara, die den Ersatzschlüssel gehütet und gern mit Cecilia Kaffee getrunken hat. Auch gegärtnert haben die beiden zusammen. Sie gehörten zu den ersten, die die Pflanzschalen am Vinetaplatz begrünten und pflegten.
Für ihr Engagement für den Kiez erhielt Cecilia zusammen mit den anderen Vinetaplatz-Kümmerern 2016 den Umweltpreis Mitte. Dabei ging es aber nicht nur ums Stadtgärtnern. Cecilia hat immer wieder gesagt, dass sie das Brunnenviertel mag, dass sie der herumliegende Müll aber sehr stört. Zeitweise ist sie deshalb mehrmals pro Woche mit Greifer und Mülltüte losgezogen, um ihre Nachbarschaft vom Müll zu befreien. Einige Male gab es auch Sammelaktionen mit mehreren Nachbarn, zum Beispiel zum World Cleanup Day.
Um ihr unmittelbares Umfeld im Brunnenviertel hat sich Cecilia immer gekümmert, Nachbarschaft hat sie gepflegt. So hat sie zweimal ein Nachbarschaftsfest im Innenhof ihres Hauses organisiert. „Das war eine gute Idee und das hat sie alles initiiert. Sie hat bei jedem Nachbarn geklingelt und hat eingeladen“, sagt Barbara.
Es ist kein Wunder, dass sich nun nach ihrem Wegzug viele Menschen noch mal persönlich von Cecilia verabschieden möchten. Die nette Schwedin war im Kiez aktiv und viele kannten sie deshalb. Sie ist Mitglied im Brunnenviertel e.V., war im Quartiersrat aktiv, machte bei der Sprach- und Lesewoche und auch beim Lebendigen Adventskalender mit, lud mehrfach im Dezember zum schwedischen Lucia-Lichterfest ein.
Wenn sie sich nicht gerade um ihre drei Enkelkinder gekümmert hat, dann hat sie in ihrem Blog „Nichts für Feiglinge“ vom Älterwerden berichtet oder im Kiezmagazin den einen oder anderen Artikel geschrieben, natürlich auf Deutsch. Sie hätte ihn als staatlich geprüfte Übersetzerin und Schwedin natürlich auch auf Schwedisch veröffentlichen können, aber das hätten dann wohl nur wenige Menschen im Kiez verstanden.
Die Pflanzschale von Cecilia hat erstmal Barbara übernommen. Doch das soll eigentlich nur vorrübergehend sein. Wer Interesse an einer Pflanzschalen-Patenschaft am Vinetaplatz hat, der kann sich per E-Mail unter verein@brunnenviertel.de beim Brunnenviertel e.V. melden und in Cecilias Fußstapfen treten.
Barbara sagt, dass sie mit Cecilia in Kontakt bleiben und sie auch besuchen möchte. Das berichten auch andere Menschen aus dem Kiez, auf den Wegzug angesprochen. Vielleicht gibt es ja doch noch ein kleines Abschiedsfest im Brunnenviertel. Am 13. Dezember ist wieder das schwedische Lichterfest, ein Mittwoch in diesem Jahr. Vielleicht kommt Cecilia ja auf einen Glögg ins Brunnenviertel, wenn man sie einlädt.
Text: Barbara Langer-Heiserholt und Dominique Hensel, Foto: Dominique Hensel
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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im Juni 2023 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Sommer unterm Baum“ gesammelt und verlinkt.

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