Schon seit 2016 begleitet Michael Becker die Entwicklung des Gemeinschaftsgartens Niemandsland an der Bernauer Straße mit dem Fotoapparat. Die geplante Ausstellung mit seinen Fotos in der Waschküche findet wegen Corona anders, als digitale Vernissage, statt.
Seit 2018 plante ich die Präsentation über das Niemandsland in den Jahren 2016 bis 2019 in der Waschküche. Zeit und Ort schienen ideal. An Corona war da noch nicht zu denken. Die Waschküche in der Feldstraße 10 stand kurz vor Fertigstellung ihres Umbaus. Der war durch ihre Umwidmung 2018 vom Waschsalon der degewo zum Kulturraum notwendig geworden.

Niemandsland-Garten und Waschküche
Beides bedeutet mir viel: die Waschküche als Ort und die Ausstellung als Anlass. Die Fotoausstellung über den Niemandsland-Garten zeigt für mich auch die gesellschaftliche Überwindung der Grenze am ehemaligen Mauerstreifen. Die Waschküche, damaliger Waschsalon der Degewo, war vor Jahren für mich alten Ostberliner zu meiner späten, aber ersten beruflichen Pforte in das ehemalige Westberlin geworden. Durch sie fand ich zufällig den gemeinnützigen Träger Schildkröte, der 1989 kurz vor dem Mauerfall in Kreuzberg gegründet worden war. Bei der Schildkröte war man an meinen Fotos interessiert.
Die Entwicklung im Jahr 2020 mit ihren zwei Wellen der Pandemie ist bekannt. Sie versenkten das Präsenzboot meiner Ausstellung für dieses Jahr. Da half das Quartiersmanagement Ackerstraße, das die Ausstellung förderte, dankbarerweise mit einer Idee. Es setzte mitten im zweiten Lockdown für den 16. Dezember eine Online-Konferenz an. Damit schuf es eine Möglichkeit, die Ausstellung für die maßgeblichen Akteure des Ackerkiezes trotz allem zu eröffnen.
Eine ungewöhnliche Vernissage
Die Gemeinde der Versöhnung ist der Träger der Waschküche und war bei der ungewöhnlichen Vernissage dabei. Pfarrer Thomas Jeutner gratulierte zur Ausstellung und stellte meine Anliegen vor. Dem Gemeinschaftsgarten neben der Kapelle der Versöhnung widmete er dabei viel Aufmerksamkeit. Abschließend trug er für die Teilnehmer der Konferenz zur Gitarre eine bekannte Melodie mit eigenen Versen vor, die das erfolgreiche Wirken des scheidenden Quartiersmanagements würdigten.

Die Koordinatorin des Netzwerkes Waschküche, Heike Mohaupt-Wonnemann, organisierte mit der Konferenzschaltung die Übertragung der Ausstellungseröffnung aus der Waschküche ins Brunnenviertel. Mit Lockerung der gegenwärtigen Beschränkungen ist die Öffnung der Ausstellung 2021 auch für den Publikumsverkehr vorgesehen. Ein Hinweis für den Besuch: Die Tafeln sind übrigens chronologisch als Rundgang vom Eingang zum separaten Ausgang angeordnet.
Infos zur Waschküche in der Feldstraße gibt es jetzt auch online unter www.waschkueche-brunnenviertel.de.
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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Fit für den Frühling“ enthalten, das im März 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Heft: Fit für den Frühling“ gesammelt und verlinkt.

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