Die Freiluftausstellung „Berlin 1984, Stillstand + Provinz“ zeigt ein Westberlin, das zwar so eitel war, sich Westberlin zu nennen, aber in Wahrheit in Langeweile versank. Ralf Bäcker und Thomas Wilke zeigen im Silent Green Kulturquartier in der Gerichtstraße die Grauzeit der 1980er Jahre. Am Sonntag, 8. September, um 15 Uhr geht es los.

Rückblick auf die Zeit in Westberlin
„Von Subkultur und Rebellion war wenig zu sehen“, sagen Ralf Bäcker und Thomas Wilke. Wenn der Fotojournalist und der Kameramann in ihren Archiven nach Fotos und Filmen suchen, wirken die 1980er Jahre in Westberlin ganz anders als in manch einer rückblickenden Verklärung. Das Filmkollektiv hat nun mit ihren rund 40 Jahre alten Arbeiten eine Ausstellung im Silent Green zusammengestellt.
Am Sonntag, den 8. September, wird im Garten des Kunstquartiers um 15 Uhr die Freiluftausstellung mit den alten Werken eröffnet. „Berlin 1984, Stillstand + Provinz“ haben Ralf Bäcker und Thomas Wilke ihr Projekt genannt. Zu sehen sind großformatige Fotografien und auf einem LED-Screen läuft der ursprünglich auf 16 Millimeter gedrehte zehnminütige Film „Zurückbleiben!“ Ein Teil der Foto- und Filmaufnahmen entstand im Wedding.
Fotografen fingen das Stadtgefühl ein
„Die ehemalige Metropole war zurückgeblieben in ihrer eingebildeten Wichtigkeit“, urteilen Ralf Bäcker und Thomas Wilke über die 1980er Jahre. Ihre stillen und bewegten Aufnahmen zeigen Gleichgültigkeit, erstaunliches Spießertum und konservierte Nachkriegstristesse. Von Weltstadt sei weit und breit nichts zu spüren gewesen, so die Künstler. Die damals jungen Fotografen und Filmemacher waren von diesem Stadtgefühl künstlerisch fasziniert und hielten ihren Blick auf diese Jahre filmisch und fotografisch fest. Sie wirken wie eine Illustration des Satzes des Autors Peter Schneider: „In der Mitte der achtziger Jahre beschlich mich das Gefühl, dass die Geschichte aus Westberlin ausgewandert war.“
Thomas Wilke arbeitet seit 1985 als Kameramann für die Fernsehsender 3Sat, ZDF und ARD. Zuvor erlernte er sein Handwerk an der Staatlichen Fachschule für Optik und Fototechnik (SFOF) in Berlin. Die im Jahr 2000 geschlossene SFOF gilt als eine der ersten Filmschulen Deutschlands. Ralf Bäcker arbeitet heute als Fotojournalist.
Ausstellung im Garten des Kulturquartiers
Mit der Ausstellung verbinden die beiden Bildkünstler den Wunsch, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen über Fragen wie: Erkennen die Betrachter sich wieder? Hat sich in den vergangenen 40 Jahren überhaupt etwas verändert? Und wenn ja, zum Besseren? Die Künstler hoffen auf Antworten, Denkanstöße und Mitteilungen. Zu sehen sind die Fotos und der Film vom 8. September bis zum 15. September täglich von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt in den Garten des Kulturquartiers ist frei. Die beiden Künstler sind am Sonntag (8.9.) vor Ort.

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