Friseursalon Ute Lehmann. Verständlich, eindeutig, klar steht der Firmenname in der Oudenarder Straße 23 am Geschäft. Inhaberin Ute Lehmann schneidet seit 40 Jahren den Leuten im Kiez die Haare. In den letzten Jahren immer öfter 10-Finger-Schüttelfrisuren, wie die Meisterin bedauernd sagt. Aber was soll’s? Der Salon ist eben eine unaufgeregte Institution, die einfach dazugehört.

Ein Berufsleben lang auf den Beinen. Ute Lehmann startete 1972 eine Ausbildung zur Friseurin. Machte mit 24 Jahren ihren Meister. Übernahm vor 40 Jahren ein Geschäft in der Reinickendorfer Straße und wechselte wegen einer Sanierung in die Oudenarder Straße. „In der langen Zeit waren manche als Babys in meinem Laden, die jetzt selber Kinder haben“, blickt die Kiezfriseurin zurück.
Dass ihr Geschäft so lange gut lief, hat etwas mit der Verwurzelung im Kiez zu tun. Anders ausgedrückt: Es liegt an den Stammkunden. Manche von ihnen wohnen jetzt in der nahegelegenen altersgerechten Wohnanlage. Wie treu die Stammkunden sind, das zeigt sich, wenn bei Bauarbeiten die Telefonkabel des Friseursalons beschädigt werden und niemand mehr anrufen kann. Die Kunden kommen dann einfach persönlich vorbei. Dass das Schweigen des Telefons auch bedeuten könnte, dass die heute 68-jährige Ute Lehmann aufgehört hat, auf diesen Gedanken scheint niemand zu kommen.

Auch Ute Lehmann denkt nicht ans Aufhören. Dabei könnte sie in Rente gehen. Andererseits: Dass sie noch 10 oder 20 Jahre weitermacht, kann sie nicht versprechen. „Das Alter ist ungewiss und unberechenbar, ich kann nicht sagen, ich mache noch fünf Jahre weiter“, erklärt Ute Lehmann: „Ich entscheide von Jahr zu Jahr.“ Und das klingt so, als ob sie lieber später als früher Schluss machen wolle. „Meine Arbeit ist mein Hobby“, sagt sie fröhlich. Sie komme auch nach 40 Jahren noch immer gern in ihren Friseursalon. „Ich wollte etwas für meine Kunden tun“, beschreibt sie ihre Motivation.
Von der Dauerwelle zur Zehn-Finger-Schüttelfrisur
Und da bringt es der Lauf der Zeit mit sich, dass dieses Tun für die Kunden heute etwas anderes ist als vor vier Jahrzehnten. Der Kiez habe sich verändert, sei internationaler geworden, in den letzten Jahren seien viele Studenten hergezogen. Die Veränderung merke sie daran, dass immer öfter Frisuren verlangt werden, die sie als Zehn-Finger-Schüttelfrisur bezeichnet. Das Wort erklärt sich so: Wenn der Träger mit den seinen Händen, also mit zehn Fingern, einmal über den Kopf fahre und dann das Haupt schüttele und gleichzeitig der Schnitt auf diese Art des Haarstylings ausgerichtet sei, dann sei das eben eine Zehn-Finger-Schüttelfrisur. Nur noch selten, wenn Hochzeiten anstehen, komme ein Wunsch nach einer „richtigen Frisur“. Die „Dauerwelle habe ich noch von der Pike auf gelernt“, erzählt sie. Aber offenbar ist das ein Können, das nicht mehr so gefragt ist.

Doch den Spaß an ihrer Arbeit lässt sie sich von diesen Entwicklungen nicht nehmen. Friseurin sein, das ist ihr Traum gewesen. Und offenbar geblieben. Ihr Berufswunsch stand für sie schon früh fest. Verwandte, die damals in dieser Branche arbeiteten, rieten Ute Lehmanns Mutter, ihrer minderjährigen Tochter den Ausbildungswunsch auszureden. „Aber für mich war klar: Friseurin ist der beste Beruf der Welt“, sagt Ute Lehmann noch heute entschieden.
Und deshalb war es vielleicht nicht nur eine Feier ihres 40-jährigen Bestehens, als sie am 2. Mai Freunde und Kunden zu einem Sektfrühstück einlud. Es war gewiss ein kleines Stück weit auch die Feier, ihr Berufsleben das richtige getan zu haben. Für sich und für den Kiez.


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