In der Kirche St. Afra im Brunnenviertel steht eine ganz besondere Orgel, wegen der jedes Jahr Organisten aus mehreren Ländern nach Wedding kommen. Bei den 10. Internationalen Hill-Orgel-Tagen wird das Instrument von Musikern aus England, Schweden, der Ukraine und Österreich gespielt. Das kleine Musikfestival findet vom 19. bis 22. August in der Graunstraße 31 statt.

Eine Orgel mit besonderem Klang
Besonders ist die Hill-Orgel wegen ihrer Geschichte und ihrer Bauweise. Was die Organisten an ihr schätzen und auch manche Musikliebhaber im Publikum beeindruckt, ist ihr besonderer Klang. Er entsteht durch den ungewöhnlichen Aufbau: Die Pfeifen stehen an drei verschiedenen Stellen in der Kirche, zwei Werke sogar in Schwellkästen. Dadurch kann der Organist mit unterschiedlichen Klangräumen und Klangrichtungen arbeiten. Die Orgel bietet eine enorme Bandbreite – von sehr kräftigen bis zu ausgesprochen zarten Klangfarben. Diese Vielfalt macht Konzerte in St. Afra zu besonderen Erlebnissen.
Für den Besuch der Orgeltage muss man die Geschichte des Instruments nicht unbedingt kennen. Wer sie aber im Kopf hat, versteht den Stolz auf die Orgel und den Wunsch, sie regelmäßig zu spielen und ihr sogar ein kleines Festival zu widmen.

Von England nach Berlin
Die Orgel stammt von der britischen Firma William Hill & Son. Sie wurde 1869 ursprünglich für die St. Paul’s Church in Burton gebaut. Knapp 30 Jahre später erlebte das Instrument seinen ersten Umzug in die Trinity Methodist Hall der gleichen Stadt. Diese musste 2011 mangels Gottesdienstbesuchern und Gemeindemitgliedern schließen. Die Orgel wurde versteigert und für einen symbolischen Preis von 1.000 Pfund vom Institut St. Philipp Neri für die Kirche St. Afra erworben.
Der günstige Kaufpreis wurde durch die nötige Restaurierung des Instruments um ein Vielfaches übertroffen. Am Ende kostete die Aufarbeitung in Tschechien rund 300.000 Euro. Seit 2015 wird die Hill-Orgel im Brunnenviertel wieder gespielt. Sie gilt als die größte historische englische Orgel dieser Art in Deutschland.
Wer das besondere Instrument einmal klingen hören möchte, hat bei den 10. Internationalen Hill-Orgel-Tagen die nächste Gelegenheit dazu.
Termine der Internationalen Hill-Orgel-Tage 2026
- 19. August (Mittwoch), 20 Uhr: Peter Wright, England
- 20. August (Donnerstag), 20 Uhr: Prof. Hans-Ola Ericsson, Schweden
- 21. August (Freitag), 20 Uhr: Dariia Lytvishko, Ukraine/Wien
- 22. August (Samstag), 12 Uhr: Jonas Wilfert, St. Afra, Berlin + Michael Raschle (Sprecher)


Die Konzerte im Überblick
Die 10. Hill-Orgel-Tage werden am Mittwoch, 19. August, von Peter Wright, einem der profiliertesten britischen Organisten, eröffnet. Wright war über 30 Jahre lang Organist und Director of Music an der Southwark Cathedral. Passend zur englischen Orgel wird er vorrangig englische Musik aus verschiedenen Epochen präsentieren.
Das zweite Konzert des Musikfests gestaltet am Donnerstag, 20. August, Hans-Ola Ericsson. Der Konzertorganist und Komponist hat sich international einen hohen Ruf erarbeitet. Neben Musik aus seiner skandinavischen Heimat wird er auch Werke von Bach und aus Frankreich erklingen lassen, darunter Musik seines ehemaligen Lehrers Olivier Messiaen.
Dariia Lytvishko ist eine der aufstrebenden Orgelkünstlerinnen der jüngeren Generation und begeistert ihre Zuhörer mit virtuoser, mitreißender Musikalität und Frische. An der Hill-Orgel wird sie am Freitag, 21. August, unter anderem Werke von Mendelssohn, Saint-Saëns und Vierne spielen.
Das diesjährige Abschlusskonzert am Samstag, 22. August, widmet sich dem Leben des Propheten Elias. Texte aus dem Alten Testament werden mit Orgelimprovisationen verknüpft, wodurch eine Art Kammerspiel mit großem Spannungsbogen entsteht. Die klanglichen Möglichkeiten der Hill-Orgel werden dabei in besonderem Maße ausgeschöpft. Es spielt Jonas Wilfert, der Organist der St. Afra-Kirche. Unterstützt wird er von dem Sprecher Michael Raschle.
Gut zu wissen
Die Internationalen Hill-Orgel-Tage werden vom Freundeskreis St. Philipp Neri e.V. organisiert. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei. Es wird um Spenden gebeten.

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