Das himmelbeet an der Gartenstraße im Gesundbrunnen beendet seine fünfte Gartensaison. Der Neuanfang war schwierig und dauerte länger als gedacht. Heute ist der Gemeinschaftsgarten auch ein Veranstaltungsort. Zum Saisonende zieht das Kollektiv Bilanz und blickt auf neue Vorhaben.
Es ist still im himmelbeet. Zwischen den Hochbeeten ist es auch Ende Oktober noch ziemlich grün. Eine Person sitzt an einem Biertisch und liest. Sonst ist niemand zu sehen. Auf einer Tafel werden Veranstaltungen angekündigt, darunter das inzwischen vergangene Herbstfest.

„Nach dem Umzug hat es drei Jahre gedauert, bis es wieder ein schöner Ort geworden ist“, sagt Irina Kohlmetz. Seit 2023 ist sie Geschäftsführerin der himmelbeet gGmbH, inzwischen leitet sie diese gemeinsam mit Val Mitrovic. Im Juni 2022 wurde der Gemeinschaftsgarten an der Gartenstraße eröffnet. Es war ein Neuanfang nach Jahren der Unsicherheit.
Eine lange Suche nach einem neuen Zuhause
Die Geschichte des himmelbeets begann 2012 mit der Idee, einen Dachgarten auf dem Schillerpark-Center anzulegen. Weil die Statik das nicht zuließ, entstand 2013 stattdessen ein Gemeinschaftsgarten an der Ruheplatzstraße, unmittelbar am Leopoldplatz. Dort entwickelte sich das himmelbeet zu einem beliebten Treffpunkt. Menschen gärtnerten gemeinsam, besuchten das Gartencafé oder kamen einfach vorbei.

Doch der Standort war von Anfang an nur eine Zwischennutzung. Auf der Fläche sollte später ein Fußball-Bildungszentrum entstehen. Das himmelbeet musste weichen. Die Suche nach einer Ersatzfläche zog sich über Jahre hin. Immer wieder wurden mögliche Standorte diskutiert und wieder verworfen. Unter anderem waren Flächen an der Schulstraße und am Mettmannplatz im Gespräch. Die Räumungsfrist wurde mehrfach verschoben.
Erst 2021 zeichnete sich eine Lösung ab: eine Fläche an der Gartenstraße nahe den Liesenbrücken. Ende des Jahres begann der Umzug, im Juni 2022 konnte das himmelbeet am neuen Standort eröffnen.
Doch damit war die Arbeit längst nicht getan. Hochbeete mussten aufgebaut und die Infrastruktur geschaffen werden. Lange fehlte beispielsweise ein Wasseranschluss, der für den Betrieb des Gartencafés genutzt werden konnte. Die Bundesfreiwilligen waren beim Aufbau eine wichtige Unterstützung. Besonders ein Bundesfreiwilliger mit handwerklichem Geschick half dabei, den neuen Garten herzurichten.
„Man muss wirklich hin wollen“
Der neue Standort unterscheidet sich deutlich vom alten. An der Ruheplatzstraße, gleich neben dem Leopoldplatz, kamen viele Menschen spontan vorbei. An der Gartenstraße ist das anders. Gegenüber liegt ein Friedhof, unmittelbare Nachbarn gibt es kaum. „Man kommt da nicht zufällig vorbei. Man muss wirklich hin wollen“, sagt Kohlmetz.
Schon vor dem Umzug hatte das Kollektiv befürchtet, dass dadurch weniger Menschen den Garten besuchen würden. Diese Sorge hat sich bestätigt. Noch immer begegnen dem Team Menschen, die früher regelmäßig im himmelbeet waren und erzählen, dass sie den neuen Standort bisher nicht besucht haben.
Dafür hat sich die Nutzung des Gartens verändert. Das himmelbeet ist stärker zum Veranstaltungsort geworden. Regelmäßig finden Jam-Sessions statt, freitags gibt es ein Sprachcafé. Auch Feste und andere Kulturveranstaltungen gehören zum Programm.

Gleichzeitig ist das himmelbeet ein Garten geblieben. Die zahlreichen Hochbeete werden überwiegend an Menschen verpachtet, die dort ihr eigenes Gemüse und andere Pflanzen anbauen. Daneben gibt es auch Gemeinschaftsbeete. Zum Garten gehören außerdem ein Caféwagen und eine Bühne. Sonntags können Interessierte beim MitMachTag bei der Gartenarbeit helfen und anschließend in der Gartensprechstunde Fragen rund ums Gärtnern stellen.
Zwei Gärten, viele Projekte
Zur himmelbeet gGmbH gehört neben dem Garten an der Gartenstraße auch das Elisabeet auf dem Elisabeth-II-Friedhof im Soldiner Kiez. Die beiden Orte haben unterschiedliche Schwerpunkte entwickelt: Während das himmelbeet stärker auf Veranstaltungen und Begegnungen ausgerichtet ist, steht beim Elisabeet die Natur im Mittelpunkt. Dort gibt es auch eine Solidarische Landwirtschaft, die Mitglieder mit Gemüsekisten versorgt.
Die Arbeit des Kollektivs reicht inzwischen weit über die beiden Gärten hinaus. Die gGmbH bringt ihre Erfahrungen mit urbanem Gärtnern und Klimaschutz in verschiedene Nachbarschaftsprojekte ein. Dazu gehörten „Klima im Kiez“ im Quartiersmanagementgebiet Soldiner Straße und die Mitorganisation der BruGA im Brunnenviertel.
Im September 2026 ist ein weiteres Projekt hinzugekommen: „Klima gemeinsam machen“. Es wird drei Jahre lang vom Quartiersmanagement Badstraße gefördert und gemeinsam mit dem Kiezverein Badstraße umgesetzt. Dabei sollen Klimaschutz und das soziale Miteinander im Kiez miteinander verbunden werden.
Inzwischen beschäftigt die himmelbeet gGmbH acht Menschen in Teilzeit. Hinzu kommen vier Bundesfreiwillige, jeweils zwei in den beiden Gärten. Die Finanzierung der gGmbH ist nach Angaben von Kohlmetz durch die eingeworbenen Projekte auch für 2027 gesichert.
Beide Gärten und auch die Projekte sind ein Gemeinschaftswerk Vieler. „Ohne die aktiven Pächter:innen der Hochbeete, die tollen Bundesfreiwilligen und andere Ehrenamtliche wäre das alles gar nicht möglich“, sagt Irina Kohlmetz.
Neue Ideen für die kommende Saison
Für die nächste Gartensaison hat das Kollektiv bereits Pläne. Vor allem ältere Menschen möchte das Team stärker ansprechen. Sie sind im himmelbeet nach Einschätzung des Kollektivs bislang unterrepräsentiert. Denkbar sind besondere Veranstaltungen für Seniorinnen und Senioren oder Patenschaften für einzelne Hochbeete. Auch Hitzeschutzinseln, die an heißen Sommertagen Erholung bieten, sind im Gespräch.
Verändert hat sich bereits das unmittelbare Umfeld des Gartens. Die neue Fußgängerzone vor dem himmelbeet ist inzwischen fertiggestellt. „Wir freuen uns wahnsinnig darüber, weil es dann ruhiger wird“, sagt Kohlmetz. Ob die Umgestaltung noch weitere Möglichkeiten für den Gemeinschaftsgarten eröffnet, will das Kollektiv im Winter überlegen.

Außerdem hat das Bezirksamt angekündigt, den Spielplatz hinter dem himmelbeet zu erneuern. Das Team begrüßt die Pläne und hofft, dass dadurch auch die Aufenthaltsqualität im Garten steigt.
Eine wichtige Frage bleibt allerdings noch offen: Wie lange kann das himmelbeet an der Gartenstraße bleiben? Der Nutzungsvertrag zwischen dem Bezirk Mitte und der himmelbeet gGmbH war ursprünglich auf fünf Jahre angelegt und läuft 2027 aus. Eine verbindliche Verlängerung gibt es bislang nicht. „Wir haben noch nichts Festes bis jetzt, aber das mündliche Signal, dass es weitergeht“, sagt Irina Kohlmetz.
Service: Das himmelbeet besuchen
Gemeinschaftsgarten himmelbeet, Gartenstraße Ecke Grenzstraße – nahe den Liesenbrücken, Berlin-Gesundbrunnen.
Weitere Informationen: www.himmelbeet.de

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