Kalt erwischt: Eis Henri ist Geschichte

Eis Henri war ein preiswerter Eisladen in der Brunnenstraße, gleich gegenüber des Humboldthains. Doch die Mietvorstellungen des Hauseigentümers passten nicht zu den Umsätzen des kleinen Geschäfts. Es kam zum Streit, an dessen Ende der Laden geschlossen ist und der Besitzer von Eis Henri die Welt nicht mehr versteht.

Eis Henri in der Brunnenstaße musste imm Oktober wegen einer Mieterhöhung schließen. Foto: Hensel

„Das ist ungerecht, das kann man nicht machen“, der Inhaber von Eis Henri, der seinen Namen nicht nennen möchte, ist wütend. Er schreit ins Telefon. Er glaubt, der Hauseigentümer wolle ihn nicht aus dem Vertrag lassen, zwinge ihn auf diese Weise, eine „überzogene“ Mieterhöhung zu zahlen. Seit Oktober 2020 schwele der Streit zwischen dem Eishersteller und dem Vermieter, so erzählt der Mann. Im Oktober war endgültig Schluss, der Gerichtsvollzieher hat den Laden verschlossen. Das Haus gehört der Klingbeil Stadtsanierung GmbH & Co. Brunnenstraße 96 KG. Verwaltet wird es von Universa. Ein Anruf bei Universa bringt keine Klarheit zu den Hintergründen, das Brunnen-Magazin erhält von dieser Seite keine Informationen zum Fall.

Hat der Vermieter auf Zwangsräumung bestanden?

Nach Worten des Betreibers des kleinen Eisladens in der Brunnenstraße sollte die Miete von 6,90 Euro pro Quadratmeter auf 18 bis 20 Euro pro Quadratmeter steigen. „Ich kann 10 Euro“, sagt der aufgebrachte Eisverkäufer am Telefon. Was dann passiert ist, das kann der erboste Mann nicht verständlich erklären. Es fallen Worte wie Gerichtsvollzieher, Urkunde, Aussetzung. Eine sogenannte Berliner Räumung scheint er sich gewünscht zu haben. Dabei hätte er den Laden im September verlassen und dem Vermieter die Räume samt Innenausstattung übergeben wollen. Doch der Vermieter soll nach seiner Darstellung auf einer Zwangsräumung bestanden haben. Um so den Prozess hinauszuzögern? Immer wieder schreit er durchs Telefon: „Die Urkunde, die ich selbst bezahlen musste, wird nun gegen mich verwendet“. Welche Urkunde er in dem Räumungsverfahren meint, wird nicht klar.

Erzählen kann der Eismann, dass er 15 Jahre lang in der Brunnenstraße gearbeitet hat. Zu Beginn führte er den Laden zusammen mit einem Partner. Der letzte Mietvertrag stammt aus dem Jahr 2011.
Im Jahr 2014 kam es zum Wechsel des Vermieters: Die Degewo hatte das Gebäude an die Klingbeil-Gruppe verkauft. „Ich hatte nie Mietschulden“, empört sich der Betreiber von Eis Henri.

Eis Henri wird im Kiez fehlen

Die Klingbeil-Gruppe ist im Brunnenviertel vielen ein Begriff. Zahlreiche Häuser gehören dieser Firmengruppe. Gegründet wurde sie von Karsten Klingbeil, der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ein erfolgreicher Unternehmer war. Um Steuern zu sparen, begann er, in Immobilien zu investieren. In den Siebziger- und Achtzigerjahren stieg er zum damals größten Bau- und Wohnungsunternehmer Berlins auf. Der erste Großinvestor.

Eis Henri war beliebt. Kommentare auf Facebook und Dankeszettel von Kindern an der Fensterscheibe zeigen, wie sehr der kleine, mit blauer Folie beklebte Laden den Nachbarn ans Herz gewachsen war. Seine Preise lagen stets unter dem Durchschnitt. Die Eismaschine stand für alle im Laden sichtbar. Auf YouTube ist der Inhaber von Eis Henri in einem kurzen Film aus dem Jahr 2010 zu sehen. 40 Sekunden Erinnerung an die guten Zeiten.

Update: Eis Henri hat inzwischen in Moabit neu eröffnet. Adresse: Beusselstraße 49

Weiterlesen

Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin „Der weiße Stier vom Humboldthain“ enthalten, das im November 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neue Ausgabe: Der weiße Stier vom Humboldthain“ gesammelt und verlinkt.

📍 Kiez: ,

Kommentare

  1. Avatar von Neele
    Neele

    Ich bin 2007 ins Brunnen Viertel gekommen und kannte niemanden. Vor dem eiscafe zu sitzen mit einem erdbeerbecher oder auch backkartoffel ..auch allein hat mich immer wieder erfreut auch wegen der Mischung der Besucher.
    Wo gehe ich denn jetzt hin ?

    1. Avatar von planetwedding

      Das ist eine wirklich gute Frage. Eis Henri fehlt wirklich. Wir gehen inzwischen sehr gern zu Zülal und Serdar und setzen uns mit einem Bier oder Kaffee vor die Eisenkralle. Das machen vielen Menschen im Kiez, zumindest im Sommer.

  2. Avatar von Neele
    Neele

    Wo kann ich das Heft bekommen?
    In unsere Briefkästen (Theodor-Heuss-Weg) wird nix gesteckt !

    1. Avatar von planetwedding

      Die Kiezmagazine werden teilweise an von außen zugängliche Briefkästen im Kiez gesteckt. Im Theodor-Heuss-Weg sind die Briefkästen leider überall außen soweit ich weiß. Du kannst Dir aber ein Heft in einer der Auslagestellen holen. Due findest sie hier: https://brunnenmagazin.wordpress.com/verteilstellen/

      In Deiner Nähe sind die Waschküche in der Feldstraße und das Café Freysinn. Die haben ziemlich sicher immer Hefte da. In der Apotheke am Gartenplatz gibt es öfter auch welche. Der absolut sicherste Ort ist der Multishop Eisenkralle in der Lortzingstraße Ecke Swinemünder – falls das auf einer Deiner Routen durch den Kiez gehört.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen