Seit Ende Mai wohne ich, Susanne Bürger, im Brunnenviertel. Es ist ein neues Gefühl, dass ich nun in dem Bezirk lebe, in dem ich auch als Kiezsportlotsin arbeite.

Mein altes Zuhause war 25 Jahre lang im Prenzlauer Berg – knapp zwei Kilometer entfernt. Bis das Schicksal Eigenbedarfskündigung uns zur Wohnungssuche nötigte. Meinem Partner und mir war wichtig, dass wir weiterhin unseren Hausarzt und liebgewonnene Orte unkompliziert besuchen können. Als klar wurde, dass wir eine Wohnung im Brunnenviertel bekommen können, haben wir keine Sekunde gezögert.
Die Menschen im Kiez sind mir vertraut. Das Olof-Palme-Zentrum, der Brunnenviertel e.V. und die Eisenkralle liegen um die Ecke. Jetzt fahre ich täglich die Swinemünder Straße mit dem Fahrrad entlang, kenne die besten Wege und viele geheime Pfade, die man sich als neuer Kiezbewohner sonst erarbeiten muss.
Das erste Mal in meinem Leben wohne ich nicht in der Nähe einer Hauptstraße. Der Straßenlärm mit polternden Lkw, Rettungswagen-Sirenen und das Rattern der Straßenbahnen wurde ersetzt durch neue Klänge. Im Mai war das Gezwitscher der Spatzen, die auf dem Nachbarbalkon brüteten, tatsächlich das lauteste Geräusch. An das Leben an einer ruhigen Seitenstraße in einem grünen Kiez haben wir uns schnell gewöhnt! Einziger Aufreger war bisher das Laubbläser-Gedröhne nebst Dieselgestank jetzt im Herbst. Aber vielleicht vertreibt dies ein paar der vielen Ratten, die sich im Brunnenviertel offenbar besonders wohl fühlen.

Wenn mehr Autos zu hören und alle Parkplätze in unserer Straße besetzt sind, wissen wir, dass eine Veranstaltung in der benachbarten Max-Schmeling-Halle der Grund ist. Oder es ist Wochenende und alle wollen in den Mauerpark. Bei klarem Himmel scheint abends die Sonne auf die bunten degewo-Häuser gegenüber. Die gelben und roten Häuserwände reflektieren warmes Licht in unsere Wohnung. Ziemlich idyllisch, oder?
Die Fahrtzeiten und -wege zu Gesprächsterminen und Netzwerktreffen haben sich sehr verkürzt. Zumindest wenn ich das Fahrrad nutze. Die „BVG-Krise“ erfahre ich am eigenen Leib: Ob die Tram M10 ohne Info einfach ausfällt oder die U8 rappelvoll ist und man lieber die nächste Bahn nimmt. Der Bus fährt ohnehin nur im 20-Minuten-Takt, da ist das Rad sowieso immer im Vorteil.
Am meisten genieße ich es, wie gut und schnell ich im Brunnenviertel mit den Menschen ins Gespräch komme. Ein netter Small-Talk ist immer drin, wenn ich eine interessierte Frage stelle. Wie kommt das, dass hier offenbar eine viel freundlichere Nachbarschaft wohnt? Die zwei Kilometer sind doch ein immenser Unterschied.
An mir soll es nicht liegen: Ich bleibe gern die nächsten 25 Jahre im Brunnenviertel! Man sieht sich.
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Mehr über Susanne Bürgers Arbeit als Kiezsportlotsin (Sportberaterin) für Berlin-Mitte steht auf ihrer Webseite kiezsportlotsin.de. Dort kann auch ihr Newsletter abonniert oder ihr Podcast angehört werden. Im Brunnenmagazin schreibt Susanne Bürger zudem regelmäßig über Sportthemen. Ihr Beiträge sind hier zu finden.


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