OLESK: Neue Lesebühne im Soldiner Kiez

OLESK – das Offene Literatur Ensemble Soldiner Kiez – ist ein Geheimtipp für Freunde literarischer Texte. Doroteja Novosel Balov, Jürgen Nafti und weitere Verfasser anspruchsvoller literarischer Texte laden einmal im Monat zu Lesungen ein.

Die Organisatoren und Vorlesenden von OLESK. Foto: Andrei Schnell
Die Organisatoren und Vorlesenden von OLESK. Foto: Andrei Schnell

Wahrhaftigkeit geht vor Reichweite

Unterhaltend? Ja, auch. Lustig? Manchmal. Alltagsszenen? Eher nicht. Die offene Lesebühne mit dem Namen OLESK ist eher etwas für Leute, die gern zuhören, wenn der Autor mit seinem Text etwas sagen will. Grundsätzlich, philosophisch, wahrheitssuchend sind die Texte, die hier vorgetragen werden. Darunter viel Lyrik. „Ich schrieb wie am Spieß“, heißt es in einem Text eines Vorlesers. OLESK ist eben ein Ort, an dem Autoren über ihre Nöte schreiben, sich offenbaren auch, ehrlich sind. „Solange uns jemand zuschaut, müssen wir sein“, heißt es in einem anderen nachdenklichen Text.

Obwohl die Lesebühne OLESK allen Prinzipien etablierter Lesebühnen (eingängig, humoristisch, leichtfüßig) widerspricht, gibt es Zuhörer. Der kleine Raum in der Galerie Prima Center bleibt nicht leer. Beim Februartermin (Sonnabend, 15.2.) kamen mehr als zehn Zuhörer und belegten alle Stühle. Die Veranstalter wollen nicht Säle füllen, lieben einen kleinen Kreis Interessierter erreichen. Weniger ist mehr. Es wirkt, als ob man sich kennt, Gäste und Autoren gehen vertraut miteinander um.

Lesebühne OLESK: Links sitzt Doroteja Novosel Balov, mit gelben Schal Jürgen Nafti. Foto: Andrei Schnell
Lesebühne OLESK: Links sitzt Doroteja Novosel Balov, mit gelben Schal Jürgen Nafti. Foto: Andrei Schnell

Texte sind fürs Ohr gemacht

Die Gegenwart ist ein visuelles Zeitalter. Videos, Bilder, Texte – alles geht über die Augen ins Gehirn, selten übers Ohr. OLESK lebt zu einem guten Teil davon, dass die Texte, die lesend in zehn Minuten zu erfassen und zu überfliegen wären, achtsam in einer Stunde vorgelesen werden. Der Vortrag erweckt die Texte zum Leben. „Im Traum es so klar schien“, ist so ein Satz des Abends, der über das Auge aufgenommen nur zehn Prozent der Wirkung hat, als er über das Ohr erreicht.

Die Themen der Texte handeln von großen Fragen, von der Menschheit, vom Sein. Von Angst vor dem aktuellen Krieg in Europa oder von der Erinnerung an den vergangenen Krieg in Europa (in Ex-Jugoslawien). Auch von der Verarbeitung der Corona-Einsamkeit.

Eine Besonderheit an OLESK ist, dass der Zusatz „offen“ ernst genommen wird. Nach dem ersten Teil mit der Lesung der Organisatoren lesen die Gäste vor. Und sie bekommen in ihrem Teil genauso viel Zeit wie der erste Teil bekommen hat. Erwartungsvoll werden die Gäste angesprochen und zum Lesetisch gebeten. Die Stimmung ist dabei von Aufgeschlossenheit und Interesse geprägt. Man will hören, was die anderen zu sagen haben. Das fühlt sich seltsam an für den, der viel im Internet unterwegs ist und dabei lernt, immer lauter schreiben zu müssen. Hier findet jedes leise Wort einen aufmerksamen Empfänger.

Nach dem OLESK-Abend

Nicht wenige der Vorleser bei OLESK sind Menschen, die ohne Kultur und Literatur nicht leben können. Deshalb sind sie auch in anderen Projekten zu finden.

Zum Beispiel Doroteja Novosel Balov. Sie hat berührende symbolische Gedichte vorgelesen. Die Dichterin hat 2007 die deutschsprachige Lyriksammlung „Gesang aus Sein“ veröffentlicht. Darüber hinaus hat sie mehrere Gedichtbände auf Kroatisch veröffentlicht. Ihre Bücher können über die Webseite doroteja-novosel.com bestellt werden.

Eine gewisse Bekanntheit erlangt hat der Schauspieler Jürgen Nafti, der im Soldiner Kiez den Kulturraum Dritte Rampe Berlin organisiert. Dort gibt es Ausstellungen und Theateraufführungen.

Nächste Termine

Nächster Termin für OLESK ist der 22. März, 19.30 Uhr. Dann verlässt die Literaturgemeinschaft nach drei Lesungen das Prima Center und wechselt in den Kieztreff Kamine in der Prinzenallee 58 . OLESK bittet einmal im Monat um geneigtes Zuhören. Mehr über den Kieztreff Kamine steht im Beitrag Kieztreff Kamine in der Prinzenallee. OLESK selbst hat kein digitales Zuhause.

📍 Kiez: ,

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