Mehr Wertschätzung für Lebensmittel

Ein neues Projekt im Kiez verbindet Kochworkshops mit Klimaschutz. Lebensmittelrettung ist nämlich das Thema der Aktivisten von „restlos glücklich“, das nun auch ins Brunnenviertel getragen wird.

Zwei Mitarbeiterinnen von „restlos glücklich“ unterwegs im Brunnenviertel. Sie verteilen gerettete Lebensmittel. Foto: restlos glücklich

Bereits zwei Mal war das Team des Bildungsprojekts im Kiez unterwegs, um Lebensmittel zu verteilen. Doch es waren nicht irgendwelche Lebensmittel. Es waren Lebensmittel, die gerettet wurden – vor dem Müll. Denn Gurken, Brot, Joghurt und Co. werden in Deutschland viel zu oft weggeworfen, obwohl sie noch Menschen satt machen könnten und nicht verdorben sind. Ursachen gibt es viele, doch für die Aktivistinnen von „restlos glücklich“ ist Lebensmittelverschwendung nicht akzeptabel. Mit ihren Bildungsprojekten sind die Mitarbeiterinnen deshalb in der ganzen Stadt unterwegs, um auf das Problem aufmerksam zu machen und Lösungen anzubieten.

Jennik Schmitz und ihre Mitstreiterinnen waren im März und im Mai schon mit ihren Lebensmitteltüten im Brunnenviertel unterwegs. So haben sie auf ihr Projekt aufmerksam gemacht. Es heißt „Klimafreundliches Zusammenleben im Brunnenviertel“ und wird vom Quartiersmanagement Brunnenstraße unterstützt. Klimafreundlich heißt in diesem Zusammenhang Abkehr von Lebensmittelverschwendung. Denn was nicht weggeworfen wird, muss nicht erneut produziert werden und schont die Ressourcen. Mit auf ihrem Rundgang durch den Kiez hatten die Aktivistinnen gerettete Lebensmittel, Rezepte und Tipps zur Haltbarmachung – ein Geschenk an die Kiezbewohner, die den Weg des Projektteams kreuzten.

25 Aktionen im Brunnenviertel

Das neue Projekt startete Anfang Februar. Bis Ende 2022 haben Jennik Schmitz und ihr Team Zeit für insgesamt 25 Aktionen im Brunnenviertel. Bis dahin läuft die Förderung aus dem Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“. Die Ideen für die Umsetzung sind bereits sehr konkret. „Wir wollen gern Aktionen im öffentlichen Raum machen, zum Beispiel eine lange Tafel, an der gemeinsam gegessen wird“, sagt Jennik Schmitz. Auch Kochworkshops sind geplant. Die genauen Themen stehen noch nicht fest, vieles ist möglich: „Wir könnten Workshops zu gesunden Frühstück, Babybrei-Herstellung, zu gesunden Snacks und vieles mehr anbieten.“

Nach den ersten Aktionen soll es viele weitere geben, die die Wertschätzung von Lebensmitteln bei den Kiezbewohnern erhöhen sollen. Ganz nach dem Motto: zu gut für die Tonne. Auch langfristige Ziele hat sich das „restlos glücklich“-Team für sein Projekt im Brunnenviertel gesetzt. So soll sehr wahrscheinlich eine Sitz-Pflanz-Gelegenheit mit Hochbeeten unter freiem Himmel gebaut werden. Jennik Schmitz: „Dort können die Menschen zusammenkommen und gemeinsam essen. Damit wird ein Stück öffentlicher Raum zurückerobert – auch das ist uns wichtig“. Auch der Bau einer mobilen Küche ist im Gespräch. Zum World Cleanup Day im September will das Projektteam außerdem eine Müllsammelaktion im Kiez organisieren.

Über „restlos glücklich“

Der Verein „restlos glücklich“ startete 2015 mit einem Restaurant, in dem mit geretteten Lebensmitteln gekocht wurde. Drei Jahre später sattelte der Verein um auf Bildungsarbeit. Seit 2019 führen die Lebensmittelretterinnen Bildungsprojekte in der ganzen Stadt durch, unter anderem in Reinickendorf, in Treptow-Köpenick, in Neukölln und nun auch im Wedding. Kürzlich erschien auch ein interessantes Kinderbuch „Essensretter auf großer Mission“.

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Mehr Infos gibt es online (www.restlos-gluecklich.berlin). Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Der Kiez hinter dem Blätterdach“ enthalten, das im Mai 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Der Kiez hinter dem Blätterdach“ gesammelt und verlinkt.

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