Seit einem Jahr haben die degewo-Mieter im Kiez eine Interessenvertretung. Über den Start und die Arbeit beim Mieterbeirat im Brunnenviertel.
Frisch motiviert saßen wir Mieterbeiräte am Tisch, und stellten fest: Wir wussten nicht so hundertprozentig, was nun kommt. Dem degewo-Kundenzentrum (KUZ) ging es offensichtlich ähnlich. Einen Mieterbeirat im Brunnenviertel zu haben und ihn mit Leben zu füllen, sind verschiedene Dinge.

Der Mieterbeirat nimmt seine Arbeit auf
So sah es vor knapp einem Jahr beim ersten Zusammenkommen zwischen dem frisch gewählten Mieterbeirat und dem KUZ Nord aus. Dem vorangegangen war die Senatsentscheidung von 2016, nach der alle städtischen Wohnungsgesellschaften Mieterräte und Mieterbeiräte wählen sollen. Man merkte der städtischen degewo deutlich an, dass man damit in Sachen Mitbestimmung Neuland betrat. Kandidatenaufrufe und Wahlen holperten und trugen sicher mit dazu bei, das nur knapp fünf Prozent der Mieter von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Außerdem fragten sich sicher viele, wofür ein Mieterbeirat gut sein soll. Bringt das was? Viel ging aus dem Schreiben des Kundenzentrums Nord ja nicht hervor.
Kleine Probleme, große Motivation
Diese Fragen stellte ich mir auch und ich wollte den Aufruf zur Kandidtur schon fast ad acta legen – entschied mich dann doch anders. Nerven nicht die seit Jahren angekündigte Umgestaltung unseres Innenhofes und die dauernd überquellenden Mülltonnen sowie der herumstehende Sperrmüll? Und hatte die Polizei nicht noch vor kurzem Warnungen vor Wohnungseinbrüchen verteilt? Der Zettel klebte an unserer Eingangstür, die immer wieder nicht richtig schließt. Also habe ich den Zettel doch ausgefüllt und weggeschickt.
Müll, Sicherheit und Instandhaltung im Fokus
Es waren die kleinen alltäglichen Probleme, die mich bei der Kandidatur für den Mieterbeirat antrieben, nicht der Traum, eine Weltrevolution im Quartier vom Zaun zu brechen. Ich glaube, so ging es auch den anderen Mitgliedern. Als wir uns dann zum ersten Mal trafen, brachte jeder seine Sorgen und Gedanken mit: Müll im Hof, Müll auf der Straße. Lange Wartelisten bei Parkplätzen in Tiefgaragen. Innenhöfe und Grünanlagen, Sauberkeit und Instandhaltung. Kommen große Instandhaltungen? Wie sind die Mieten hier? So kam eins zum anderen, Themen gibt es genug. Und die Möglichkeit, öffentlich seine Sorgen vorzutragen zu können, wollen wir den Mietern ja auch geben.
Wir haben dann entschieden, dass wir uns zuerst um das Thema Müll kümmern. Reinigungsklassen in den Straßen und damit die Reinigungszyklen sollten verbessert, mehr öffentliche Mülleimer angebracht werden. Ulrike Peters, ebenfalls im Mieterbeirat, hatte hier tolle Vorarbeit geleistet. Die Mieter wollten wir einbinden, ihre Erfahrungen hören, sie informieren. Und: unsere Erkenntnisse den Verantwortlichen vortragen.

Öffentlicher Austausch, wertvolle Erkenntnisse
Ein öffentlicher Themenabend wurde angesetzt, die Berliner Stadtreinigung und Vertreter der degewo wurden eingeladen. Und dann saßen wir fast allein. Wie ernüchternd! Nicht mal zehn Leute waren da. Ein interessanter Austausch war es trotzdem, das nahmen wir aus der Veranstaltung mit. Dass kaum einer kam, das wurmte uns. Hatten wir die Werbetrommel zu wenig gerührt? Interessierte sich keiner für das Müllproblem, obwohl dauernd alle darüber meckerten?
Unsere nächsten Schwerpunktthemen „Sicherheit“ und „Instandhaltung/Modernisierung“ sollen mehr Beachtung finden. Wir werden also beim nächsten Treffen überlegen müssen, was wir anders machen können. Wie kommen wir besser mit unseren Nachbarn und der degewo ins Gespräch?
Zusammenarbeit mit degewo und zukünftige Projekte
Wie ist die Zusammenarbeit mit der degewo? Sagen wir es so: Wir mussten bei manchen Themen mehrfach beim Kundenzentrum Nord nachfragen, bevor wir eine Antwort bekamen. Eine gewisse Trägheit stellen wir und auch andere Mieterbeiräte in anderen Stadtteilen fest. Auf eine Nachrückerin für den freien Sitz im Mieterbeirat im Brunnenviertel warten wir schon fast zwei Monate. Genauso offen ist die Frage, wie wir mit den über einhundert neuen Mietparteien in der Usedomer Straße umgehen. Es bleibt also spannend, wie es weitergeht …
Mieterbeirat: Mitreden und Hilfe bekommen
Und Sie? Wollen Sie sich einbringen oder kommen einfach bei einem Thema mit der Degewo Nord nicht weiter? Jeden dritten Donnerstag im Monat zwischen 18.30 Uhr und 19.30 Uhr trifft sich der Mieterbeirat öffentlich in den Gesellschaftsräumen in der Brunnenstraße 63 (über dem Restaurant). Mehr über www.facebook.com/mieterbeirat.brunnenviertel.berlin/ oder per E-Mail unter info@mieterbeirat-brunnenviertel.de. Auch analog sind wir erreichbar: Es gibt einen Postkasten in der Swinemünder Straße 38.
Text: André Büttner – André Büttner wohnt im Kiez und ist Sprecher des Mieterbeirats im Brunnenviertel.
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Der Text ist im vierten Quartal 2018 im Kiezmagazin „Mehr Platz!“ erschienen. Weitere Texte aus der Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Mehr Platz! gesammelt und verlinkt.

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