Vom 19. September bis 5. Oktober hat die Muslimische Kulturwoche Berlin (MKW) stattgefunden. Unter dem Motto „Frieden durch Dialog“ war sie ein Forum für Austausch, Kunst und Kultur. Auch im Wedding/Gesundbrunnen gab es Gespräche, Vorträge und Kulturabende. Ein Rückblick auf eine Diskussion in der Bibliothek am Luisenbad und den zentralasiatischen Abend in der Fabrik Osloer Straße.

Zentralasiatischer Abend in der Fabrik
Der Raum war zu klein. Das war das erste, was beim Besuch des zentralasiatischen Abends am Freitag, den 3. Oktober, auffiel. Der große Veranstaltungssaal und das Café in der Fabrik Olsoer Straße konnten die vielen Interessierten an diesem Abend kaum fassen. 200 Menschen hat die Veranstaltung im Rahmen der MKW am Tag der Deutschen Einheit angezogen. Es waren Menschen mit zentralasiatischen Wurzeln dabei, einige kamen in traditioneller Kleidung, es kamen aber auch einfach Menschen, die neugierig waren auf die Kultur der Region.
„Mit Tubeteika und Plov” war der Abend überschrieben. Vielleicht hat die Aussicht auf die vielfältige Küche Zentralasiens dafür gesorgt, dass so viele Menschen gekommen sind. Sie hatten hier schließlich die Gelegenheit, am üppigen Buffet typische Gerichte aus Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Turkmenistan und Tadschikistan zu probieren. Es gab Reisgerichte, getrockneten Joghurt in Kugelform sowie kurz frittierte Teigwaren in vielen Variationen.



Auch wenn die regionale Küche im Mittelpunkt stand, konnte die Kultur der Region zwischen Russland, China, Afghanistan und Iran auch auf andere Weise erkundet werden. So gab es Live-Musik und einen kleinen Zentralasien-Einführungsvortrag. Im Café wurde Handwerkskunst ausgestellt und die freundlichen Menschen, die sie mitgebracht hatten, luden die Besucherinnen und Besucher ein, zu schauen, zu probieren, ins Gespräch zu kommen.
Es war ein schöner interkultureller Abend mit vielen spannenden Eindrücken. Sollte ein zentralasiatischer Abend auch Teil der nächsten Muslimischen Kulturwoche sein, werden die Veranstalter der MKW aber wohl auf die Suche nach einem größeren Raum gehen müssen. Auch wenn die Fabrik Osloer Straße eigentlich ein sehr passender Ort ist, ist das Interesse an dem Thema und an der Region einfach zu groß.


Talk in der Bibliothek: Bildung und Belonging
Wie prägt Bildung das Gefühl der Zugehörigkeit in einer vielfältigen Stadt wie Berlin? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer lebhaften Podiumsdiskussion am 28. September in der Bibliothek am Luisenbad. Unter dem Titel „Bildung und Belonging“ kamen Expertinnen und Experten zusammen, um über Chancen, Herausforderungen und Visionen einer inklusiven Bildungslandschaft zu sprechen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger, die die Bedeutung von Bildung als Fundament gesellschaftlicher Teilhabe hervorhob. „Zurecht wird die Bedeutung von Bildung für das individuelle Glück immer betont. Bildung – und gerade auch Sprachbildung – ist der Schlüssel zu sozialem Aufstieg, Selbstverwirklichung und individueller Freiheit. Sie hilft, Identität zu entwickeln und in gesellschaftliche Debatten einzubringen“, betonte Remlinger.

Im Anschluss hielt der Lehrer Enes Bağ einen Impulsvortrag mit dem Titel „Historisches Lernen in der Migrationsgesellschaft: Eine Kritik an Theorie und Praxis“. Darin zeigte er auf, dass Geschichtsunterricht eigentlich Demokratie und Identität fördern solle, in der Realität jedoch häufig zu Ausgrenzung führe. Anhand verschiedener Beispiele illustrierte Bağ, wie nationale Erzählungen, koloniale Perspektiven und eurozentrische Sichtweisen nach wie vor die Unterrichtsinhalte prägen.
Besonders hob Enes Bağ die Arbeit der Geschichtsdidaktikerin Bärbel Völkel hervor. Er zitierte Völkel mit der Aussage, dass das gängige Konzept von Geschichtsbewusstsein nicht inklusiv, sondern oft nationalistisch geprägt sei. Es erzähle Geschichte aus der Perspektive einer weißen Mehrheitsgesellschaft und lasse andere Erfahrungen außen vor: Nation werde darin häufig als etwas Natürliches und Gewachsenes dargestellt, obwohl sie in Wahrheit immer wieder neu konstruiert wird – und aus solchen Ideologien können Nationalismus und Rechtsextremismus erwachsen.

Im weiteren Verlauf des Abends folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Fatma Haron, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Neben Enes Bağ nahmen die Diplom-Pädagogin Amal Benchekroun und die Musikerin Jaqee Nakiri teil. Gemeinsam beleuchteten sie Fragen von Identität, Repräsentation und Chancengleichheit aus unterschiedlichen Perspektiven. Nakiri berichtete, wie Kunst Menschen unabhängig von Herkunft verbinden kann, während Benchekroun auf die Bedeutung kulturell sensibler Bildungsarbeit hinwies und betonte, dass solche Ansätze kein Zusatz, sondern Voraussetzung für gerechte Bildungschancen seien.
Die Muslimische Kulturwoche
Die Muslimische Kulturwoche Berlin hat in diesem Jahr zum fünften Mal stattgefunden. Sie wurde von Forum Dialog e.V. und I-ISIN e.V. mit zahlreichen Partnerorganisationen organisiert.
Text Bibliothek am Luisenbad: Süleyman Bağ, Text Fabrik Osloer Straße: Dominique Hensel
Dieser Text wurde von zwei Menschen geschrieben.
Weiterlesen
Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

Kommentar verfassen