Wenn ich an die Osloer Straße denke, kommt mir als Erstes die Fabrik Osloer Straße in den Sinn. Das sozial-kulturelle Zentrum mit Labyrinth Kindermuseum und NachbarschaftsEtage sind wichtige Einrichtungen in der Gegend. Als zweites denke ich ans Finanzamt Wedding, das hier seinen Sitz hat und jedes Jahr meine Steuererklärung entgegennimmt. Ich denke auch an die Straßenbahn, die hier auf ihrem breiten Rasenbett von der Bornholmer Brücke bis zur Seestraße und noch weiter durch die Osloer düst. Wenn ich an die Osloer Straße denke, denke ich aber praktisch niemals an Oslo. Vielleicht liegt es daran, dass Oslo und die Osloer Straße einfach so grundverschieden sind?



Am Anfang ein paar knappe Formalitäten: Die Osloer Straße erhielt am 4. November 1938 ihren heutigen Namen. Davor hieß sie seit 1892 Christianiastraße – so wie die norwegische Hauptstadt früher hieß. Die Osloer Straße beginnt an der Bornholmer Brücke, quert die Panke und geht bis zum Louise-Schroeder-Platz. Sie ist 1740 Meter lang. Markante Gebäude sind das ehemalige Umspannwerk Christiania an der Ecke Prinzenallee, das Finanzamt, die Fabrik Osloer Straße und das Oberstufenzentrum. Die Straße liegt streng genommen im Ortsteil Gesundbrunnen, im historischen Wedding. Das zu betonen, darauf legen nicht nur die Historiker Wert. Kleine Anmerkung am Rande: Offenbar tippe ich diesen Straßennamen so schnell wie keinen anderen sonst. Dabei vertausche ich ganz oft das L und das S. Wer also eine Olsoer Straße im Text findet, bitte nicht wundern.



Nun zu Oslo. Oslo ist ganz anders als die Osloer Straße und ich wundere mich, warum diese Hauptstraße in Gesundbrunnen-City diesen Namen trägt. Er passt so gar nicht zu ihr. Oslo ist die Hauptstadt Norwegens. 724.000 Menschen leben in der Kommune am Oslofjord. Oslo hat ein Schloss, in dem bis heute ein König lebt, dem besonders am 17. Mai (dem Nationalfeiertag) gefühlt alle Norweger winken kommen.
Bald ist es wieder so weit. Wer am Feiertag nahe der Winkstrecke einen Tisch in einem Café haben möchte, der sollte jetzt noch schnell reservieren, ermahnen die Cafés. Wie das Grand Café an der Karl Johans Gate, in dem Henrik Ibsen und Co. früher ein und aus gingen. Doch nicht nur am Nationalfeiertag wollen einfach alle nach Oslo. Auch wenn die Stadt von Deutschland aus sehr weit weg ist, zieht sie viele Deutsche und andere Besucher an. In der Stadt am Fjord ist neben Norwegisch und Englisch auch oft Deutsch zu hören. Für die, die länger bleiben, gibt es sogar eine deutsch-norwegische Schule. In der Olsoer Straße habe ich noch keinen Touristen winken sehen.


Oslo hat viele schöne alte Gebäude, am Hafen hat sich die Stadt aber komplett neu erfunden. Die riesige Autobahn am alten Hafen haben die Norweger einfach unter die Erde (und den Fjord) gelegt, um obendrauf ein ganz neues Stadtviertel zu bauen: Björvika. Wer moderne Architektur mag, wird Björvika lieben.
Das Schmuckstück auf dem neu geschaffenen Platz ist das Opernhaus. Mit einer Fassade aus weißem Marmor und seiner gedrungenen Form sieht es aus wie ein begehbarer Eisblock. Denn das Begehen des Daches mit tollem Blick auf die Stadt und den Fjord haben die Architekten vorgesehen. Ach, Wedding! Wann verlegst du die Osloer Straße unter die Erde und lädst die Welt ein, auf deinen ehemaligen Straßen zu tanzen? Wann baust du mal ein interessantes Haus in der Osloer, das die Touristen fotografieren und zu Hause ihren Freunden zeigen?




Aber wir haben die Panke! Könnte man sagen. Und das stimmt: Wir haben die Panke und damit einen schönen grünen Streifen rechts und links der Straße. Aber Oslo hat die Akerselva und gewinnt auch hier. Der norwegische Hauptstadtfluss hat einen wundervollen Spazierweg an seinen Ufern, unzählige imposante Wasserfälle mitten in der Stadt und das Wasser, das die Akerselva führt, ist so sauber, dass die Osloer es sogar trinken. Eine Renaturierung ist hier nicht nötig, anders als bei unserer Panke, die das dringend nötig hat.
Gemeinsam haben die Osloer Straße und die Stadt Oslo, dass man sich super mit der Straßenbahn (Norwegisch: Trikk) durch sie hindurch bewegen kann. Doch es muss doch noch mehr Gemeinsamkeiten geben! Wenn ich das nächste Mal mit der M13 unterwegs bin, werde ich mal versuchen, ein paar mehr Dinge zu entdecken, die die Namensgeberin mit unserer Osloer Straße verbindet. Vielleicht habe ich bisher nur nicht genau genug hingeschaut. Det vil være det.







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