Die ganz lange Geschichte ist nicht in der Ausstellung. Auf sieben Tafeln geht es sozusagen um eine Kurzfassung der Geschehnisse um das ehemalige Parkcafé Rehberge an der Catcherwiese im Volkspark Rehberge. Genau richtig für Menschen, die auf ihrem Parkspaziergang an dem seit Jahren leerstehenden Gebäude vorbeischlendern und sich fragen, was hier eigentlich los ist. „Gestern. Heute. Für immer: Parkcafé Rehberge“ wurde am Freitag, dem 6. Juni, eröffnet. Bis auf weiteres kann sich jede und jeder vor Ort über das Parkcafé Rehberge informieren.

Eine Ausstellung mit sieben Tafeln
Auf den sieben Tafeln geht es um das Gebäude, das als Umkleide gebaut wurde und später ein beliebtes Parkcafé wurde. Auf einer anderen Tafel geht es um den Volkspark selbst und seine Funktion als Freiraum für die Menschen. Es geht um andere Freirauminitiativen in Berlin, um die Geografie der Rehberge, um den Parkcafé Rehberge e.V. und die Umbaupläne und Nutzungsideen fürs leerstehende Parkcafé. „Die Ausstellung ist entstanden, weil wir uns für die Planungen mit dem Bestandsgebäude beschäftigt haben“, erzählte Maximilian Ludwig am Rande der Vernissage. Er hat das Ausstellungsprojekt maßgeblich vorangetrieben. Er ist einer von derzeit 30 aktiven Mitgliedern des Parkcafé Rehberge e.V., die sich um das Gebäude und seine Zukunft bemühen.
Die Vernissage am 6. Juni sagt viel über die Initiative im Volkspark. Nicht nur eine Ausstellung ist in ehrenamtlicher Arbeit erstellt worden, es wurde auch sehr liebevoll eine Kaffeetafel mit vielerlei Kulinarischem hergerichtet. Die Fläche vor dem leeren Haus an der Ringerstatue wurde zur gemütlichen und einladenden Sommerfestkulisse. Vereinsmitglieder wuselten herum, begrüßten die Gäste, stimmten ein Lied an und machten das leere Haus zu einem gastlichen Ort. Man kann sich vorstellen, wie es erst wird, wenn ihnen erst das fertige Parkcafé-Gebäude zur Verfügung steht!


Viel Bezirkspolitik bei der Vernissage
Am liebevoll gedeckten Tisch haben viele Menschen aus der Nachbarschaft Platz genommen, befreundete Initiativen und auffallend viele Politikerinnen und Politiker. Der Abgeordnete Mathias Schulz (SPD) sagte, er wolle weiterhin helfen, wo er kann, damit das Parkcafé wieder eröffnet. „Seit zwei Jahren ist das Geld von der Lotto Stiftung da, es dauert alles schon ganz schön lange. Danke an die Initiative, dass ihr so lange ausgehalten habt“, sagte Mathias Schulz an den gastgebenden Verein gerichtet.
Bezirksstadtrat Benjamin Fritz (CDU) sprach den Anwesenden Mut zu: „Ich find’s toll, was sie hier auf die Beine gestellt haben. Das wird ein Mehrwert für die Rehberge, für den Wedding. Das wiedereröffnete Parkcafé: Das ist etwas, woran wir alle einfach glauben müssen“. Seine Frau, die CDU-Bezirksverordnete Daniela Fritz, die für den Abgeordneten Sven Rissmann (CDU) arbeitet und gekommen war, unterstrich ebenfalls die Bedeutung des Parkcafés.

Vertrag mit Bezirk in der Abstimmung
Nach einem längeren Prozess ist nun Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne) für das Parkcafé und damit für den Pacht- oder Nutzungsvertrag zuständig. Er zeigte sich am 6. Juni optimistisch, dass das Projekt auch wirklich umgesetzt werden kann. „Es wird lange dauern, es wird Rückschläge geben, aber ich bin zuversichtlich, dass es klappt“, sagte Schriner.
Er sehe die Initiative als eine Gruppe, die einen Möglichkeitsraum öffne für viele Nutzungen. Er meinte damit die Nutzung für Veranstaltungen und Treffen von verschiedenen Gruppen, aber vor allem für Gastronomie. Was den nötigen Vertrag, an dem alles seit zwei Jahren hängt, angehe, sei man jetzt in der finalen Abstimmung mit dem Verein Parkcafé Rehberge. Insofern hat der Bezirksstadtrat zur Vernissage statt Blumen Zuversicht mitgebracht und eine Versprechen: „Ich versuche, zu helfen und ich bin überzeugt, dass es klappt“.

Eine Initiative mit Durchhaltevermögen
Diese Initiative ist eine besondere: Am 2. Februar 2021 hat sich eine kleine Gruppe von Menschen zusammengeschlossen, um das Parkcafé Rehberge zu reaktivieren. Schnell kamen viele Unterstützer:innen dazu. Es wurde geplant, es wurde Geld für den nötigen Umbau des bezirkseigenen Gebäudes beantragt, ein Bauantrag gestellt, ein erfolgreiches Crowdfunding gemacht, eine Interessenbekundungsverfahren des Bezirks entschied die Initiative für sich.
So weit, so schnell. Vor zwei Jahren sagte die Lotto Stiftung Berlin die Finanzierung des Umbaus zu. Seitdem hängt das Projekt fest, weil der nötige Pachtvertrag, der Grundlage für die Förderung der Lotto Stiftung ist, mit dem Bezirk nicht geschlossen werden konnte. Der Bezirk hatte diesen Pachtvertrag zwar in Aussicht gestellt, sich dann aber umentschieden. Die Anforderungen der Stiftung und die veränderten des Bezirks hatten sich verhakt. Dann ging nichts mehr weiter.
Unterdessen wurde aus der Initiative ein Verein, der aus der Not eine Tugend machte: Er startete mit einem Veranstaltungsprogramm vor dem alten Parkcafé. Konzerte, Jam Sessions, Mondschau und vieles mehr gab es bereits noch ehe das Parkcafé wiedereröffnet ist. Auch in diesem Sommer gibt es wieder viele Veranstaltungen.

Noch immer 30 aktive Unterstützer:innen
Das besondere an dieser Initiative ist auch, dass es sie überhaupt noch gibt. Vier Jahre sind eine lange Zeit, wenn man auf ein fast erreichtes Ziel hinarbeitet, dass immer wieder hinterm Horizont verschwindet. Doch noch immer glauben 30 Menschen fest an eine Reaktivierung des Parkcafé-Gebäudes. Es sind nicht die gleichen Menschen wie vor vier Jahren, immer wieder sind neue Unterstützer:innen hinzugekommen. Ihr Plan nach wie vor: In dem früheren Kiosk soll in Zukunft nicht nur Eis, Kuchen, Kaffee und Limonade verkauft werden. Geplant ist es, an der Catcherwiese eine Art Nachbarschaftstreff einzurichten, der viel mehr ist als nur ein Verkaufsstand.

Kontakt zum Parkcafé Rehberge e.V.
Mehr über den Verein Parkcafé Rehberge steht auf der Webseite des Parkcafés oder auf dem Instagram-Kanal www.instagram.com/initiative.parkcafe.rehberge. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das per E-Mail unter initiative-parkcafe-rehberge@riseup.net tun.

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