Secondhand im Brunnenviertel: Zweite Hand als erste Wahl

Secondhand ist ein alternativer Weg, um einzukaufen. Andrei Schnell nennt Orte im Brunnenviertel, an denen man Dingen eine zweite Chance geben kann.

Ein neues Hemd gibt es im ReSales – natürlich gebraucht. Foto: Andrei Schnell
Ein neues Hemd gibt es im ReSales – natürlich gebraucht. Foto: Andrei Schnell

Nimm zwei! Kaum einer der vielen eingängigen Werbesprüche fasst die Haltung der Überflussgesellschaft treffender zusammen. Doch was, wann man versucht, ohne Mehr-Kaufen und ohne Neu-Kaufen glücklich zu werden? Funktioniert auch das Motto „Nimm’s zweimal“? Das Brunnenviertel bietet Möglichkeiten, den Versuchungen des Konsums auszuweichen und mittels Secondhand dennoch alle Bedürfnisse zu befriedigen.

ReSales – altes Neues

Ein paar flotte Stücke für den Kleiderschrank gesucht? ReSales in der Brunnenstraße hilft mit neuer Kledage (Duden: scherzhaft für Garderobe)! Also neu für sich selbst. Die Kleidung ist dabei nicht neu, sondern getragen. Der Secondhand-Laden verkauft wie Humana am Gesundbrunnen-Center gebrauchte Kleidung. Dieses Prinzip ist noch nicht Alltag. Schade eigentlich. So hat zum Beispiel ReSales in der Brunnenstraße überhaupt nichts gemein mit einer Altkleidersammlung. Der Laden ist aufgeräumt, die Sachen sind sortiert – nach Männlein und Weiblein, nach Größe und nach Art. Wer ein T-Shirt sucht, findet schnell das Regal, wo zu suchen ist. Vorteilhaft ist, dass sich vor allem gut verarbeitete Markenware zum Zweitverkauf eignet. Wegwerfmode ist bei ReSales in der Brunnenstraße 131–134 deshalb selten zu finden – dafür immer wieder ein cooles Teil. Fazit: Gut angezogen und gleichzeitig Ressourcen gespart. Geöffnet hat das Geschäft von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr.

Der Secondhand-Laden in der Brunnenstraße. Foto: Andrei Schnell
Der Secondhand-Laden in der Brunnenstraße. Foto: Andrei Schnell

Unverhofft kommt ins Vereinseck

Warten auf den Bus an der Haltestelle Gleimstraße lässt sich mit einem Poker auf eine Portion Glück verbinden. Im Vereinseck des Brunnenviertel e.V. steht seit gut einem Jahr eine Kleidertauschstange. Reger, als zu vermuten wäre, wird diese genutzt, um gut erhaltene, aber nicht mehr benötigte Kleidung vorbeizubringen und sich gleichzeitig überraschen zu lassen, was die einen Meter lange Stange gerade zu bieten hat. Der Verein hat jeden Werktag nachmittags geöffnet. Adresse: Graunstraße 28.

Auch das Olof-Palme-Zentrum in der Demminer Straße 28 hat einiges für Sucher und Finder. In einer Bücherbox kann nach Schmökern gestöbert werden. Eine Kleiderstange dient dem Tausch, Hinbringen oder einfach dem Mitnehmen von Anziehsachen. Und mit etwas Glück ist der Nachbarschaftskühlschrank (bekannt als Fairteiler) gut gefüllt. Vorbeischauen ist zu diesen Zeiten möglich: Montag von 10 bis 17 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 14 und von 19 bis 21 Uhr sowie am Freitag von 9 bis 14 Uhr.

WeiterReich ­– Flohmarkt für Kindersachen

Zuerst nur Wochen, dann Monate und später maximal ein Jahr lang tragen Babys und Kleinkinder ihre Klamotten. Wenn die Kinder aus den Sachen herauswachsen, sind nicht wenige Sachen wie neu (abgesehen von Hosen, mit denen der Nachwuchs auf dem Boden herumgerutscht ist). Deshalb lohnt sich der Kinderflohmarkt WeiterReich. Spielzeug, Bücher und natürlich Kleidung in allen Variationen von Größe 56 bis über 170 (ja, nicht nur Babysachen!) gibt es hier. Mindestens 40 private Verkäufer bieten sechsmal im Jahr an einem Sonntag von 10 bis 13 Uhr Kindersachen an. WeiterReich ist darüber hinaus ein Kieztreffpunkt, wo die Wahrscheinlichkeit hoch ist, einen Nachbarn oder eine Nachbarin zu treffen. Es gibt Kaffee mit Kuchen und für die Kinder einen großen Kinderspielplatz. Unterm Strich: Entspannter Einkauf statt Familienstress im Shoppingcenter. Ort: Schulhof der Vineta-Grundschule. Die verbliebenen Trödeltage in diesem Jahr sind am 15. September und 13. Oktober.

Online-Kontakt mit realen Folgen

Viele kennen die Plattform www.nebenan.de. Es ist erstaunlich, wie einfach hier Gebrauchtes von Hand zu Hand geht. Ein altes Handy gesucht? Ein „neues“ Fahrrad vonnöten? Eine spezielle Dichtung fehlt? In der Regel gibt es innerhalb von 48 Stunden Rückmeldung, wenn jemand im Kiez den betreffenden Gegenstand zu verschenken, zum Schnäppchenpreis abzugeben oder generell zu verkaufen hat. In einem Wort: lohnend. Öffnungszeiten: rund um die Uhr. Falls noch jemand bei Facebook angemeldet ist: Die Gruppe „Weddingweiser Pinnwand“ ist eine wahre Schatztruhe.

Über Fundstück freuen

Einmal hin, alles drin. Das ist noch so ein Werbeohrwurm, der zum Neukauf animiert. Gebrauchtes zu kaufen, hat seinen eigenen Reiz. So kann ein unverhoffter Glücksgriff ein viel intensiveres Shoppingerlebnis sein. Die Werbung möchte, dass die Käufer ihr Glück im Hamsterrad finden und immer weiter shoppen, obwohl sie bereits von allem viel zu viel gekauft haben. Secondhand spart nicht nur Geld, sondern hilft, sich stärker auf die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Leitspruch: Froh zu sein bedarf es wenig.

Transparenzhinweis: Autor Andrei Schnell ist gleichfalls Organisator des Kinderflohmarkts WeiterReich.

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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Mit Über-Blick“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit Über-Blick“ gesammelt und verlinkt.

Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

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