Wolfgang Niklaus: Ein Maler und sein geliebter Wedding

Das Mitte Museum zeigt ein Gemälde mit einem Blick in die Lortzingstraße der frühen Sechzigerjahre. Monika Puhlemann ist den Spuren des Künstlers Wolfgang Niklaus gefolgt und auf einen echten Tausendsassa gestoßen.

Das Bild „Lortzingstraße“ von Wolfgang Niklaus im Mitte Museum. Foto: Monika Puhlemann
Das Bild „Lortzingstraße“ von Wolfgang Niklaus im Mitte Museum. Foto: Monika Puhlemann

„Geliebter Wedding“ – so nannte Wolfgang Niklaus die Ausstellung seiner Bilder im Rathaus Wedding. Das war 1975 und ist nun fast 50 Jahre her. Ein Teil dieser Bilder befindet sich heute im Archiv des Mitte Museums. In die aktuelle Ausstellung ist jedoch eines gelangt, das er erst später gemalt hat. Es erlaubt uns einen Blick in die Lortzingstraße.

Ein türkischer Lebensmittelhändler steht unter einer Markise zwischen leeren Gemüsekisten. Er hält eine geöffnete Tüte in der Hand. Vermutlich wird er gleich Obst hineintun für einen seiner wartenden Kunden. Es sind Landsleute, die in der Umgebung wohnen und die hier ihre heimischen Lebensmittel kaufen. Eine traditionell verschleierte Frau verlässt den Laden mit ihrem Kind. Sie hält noch inne. Hat sie etwas vergessen? Aus den Fenstern darüber lehnen sich Nachbarinnen heraus und beobachten das Treiben.
Gemalt hat dieses Bild Wolfgang Niklaus erst Anfang der Achtzigerjahre nach der Vorlage einer Fotografie. Zu diesem Zeitpunkt stand das Haus nicht mehr. Im Zuge eines Sanierungsprogramms wurde ein Großteil des maroden Altbaubestandes vom Brunnenviertel ab 1966 abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt.

Wolfgang Niklaus, ein echter Weddinger

Wolfgang Niklaus war ein Weddinger Urgestein. Als er 1930 in der Reinickendorfer/Ecke Weddingstraße geboren wurde, lebte seine Familie bereits länger als 100 Jahre hier. Sein Vater war Lehrer an einer Montessorischule, was vielleicht die frühe Förderung seiner vielfältigen Talente erklärt. Wolfgang Niklaus war Autodidakt und das, was man landläufig einen Tausendsassa nennt.

Schon früh begann sein Tag. Zwischen fünf und sechs Uhr hielt er bereits seine Farbpalette in der Hand und malte. Das waren meist Bilder, die den Wedding zum Inhalt hatten. Danach ging er seiner Arbeit als Verwaltungsmitarbeiter im Rathaus Wedding nach. Und so ganz nebenher handelte er noch mit Antiquitäten, dekorierte Schaufenster, fotografierte, entwarf Plakate für Jugendbüchereien, komponierte Lieder, schrieb ein Büchlein über die Geschichte seines geliebten Bezirks. Ja, auch das kleine Kabarett „Die Käseglocke“ sollte seine Handschrift tragen.

Er suchte ein neues Zuhause

Doch der von Wolfgang Niklaus geliebte Wedding verschwand so peu à peu. Altbauten, ja ganze Straßenzüge fielen der Abrissbirne zum Opfer. Nun entstanden Neubauten, die den Menschen deutlich bessere Wohnverhältnisse boten, allerdings ging dabei auch häufig das ursprüngliche Weddinger Milieu verloren. Vermutlich fühlte sich Wolfgang Niklaus nicht mehr so recht heimisch, wenn er durch die sich wandelnden Straßen lief.

Für sich und seine Frau suchte er nach einem neuen Zuhause, vielleicht nach einem Ort der Ruhe. Gefunden hat er ihn Anfang der Achtzigerjahre in der kleinen niedersächsischen Gemeinde Watzum. Doch von Ruhe war nichts zu spüren, wie mir Helga Niklaus erzählte. Auch hier entfaltete ihr Mann in gewohnter Weise seine Fähigkeiten zum Wohle und zum Vergnügen der Nachbarn. Er sammelte historische Gegenstände und stellte sie im Hof seines Hauses aus. Zudem verfasste er eine Orts-Chronik, die noch heute an den vielseitigen Wolfgang Niklaus (1930–2006) erinnert.

Mitte Museum, Pankstraße 47, Telefon: (030) 46 06 01 90, Öffnungszeiten: Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei, www.mittemuseum.de

Text: Monika Puhlemann, Fotos: Monika Puhlemann, privat

📍 Kiez:

Kommentar

  1. Avatar von Regina Engel
    Regina Engel

    Ich kannte ihn persönlich meine Tochter war eine seiner Paten..Er war ein ganz liebenswerter Mensch und guter Freund..hat allen Menschen nur geholfen…

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen