Zehn Jahre können viel bewegen – oder erstaunlich wenig. Eine Kolumne über Hände, Zahlen und das hartnäckige Warten auf einfache Lösungen im Brunnenviertel.
Zehn
Der indogermanische Ursprung des Wortes ist „zehan“ und ist verwandt mit dem Wort für zwei – zwei Hände, zehn Finger. Mit den Händen lässt sich was anpacken und gestalten, mit den Fingern lässt sich rechnen, sie sind der Ursprung unseres Dezimalsystems. Hätten die alten Berliner ihre Siedlung nicht im Sumpf gegründet und statt trüben Schlamms ihre Zehen sehen können, hätten wir heute vielleicht ein Vigesimalsystem, mit der Basis zwanzig. Vielleicht ließe sich damit besser rechnen, wäre aber egal, im Brunnenviertel rechnet eh kaum noch jemand. Zumindest nicht mit einer Besserung.

Zehn Jahre
Seit zehn Jahren ist das Olof-Palme-Zentrum mein Arbeitsplatz, viele engagierte Menschen haben in der Zeit was angepackt und Dinge verändert, aber manches ist wie es war: Das frühere Diesterweg-Gymnasium steht noch immer leer und verfällt, auf dem Vinetaplatz gibt es noch immer keinen Wasseranschluss zum Gießen der nachbarschaftlich gepflegten Pflanzkübel. Seit (mehr als) zehn Jahren.
Stillstand und Aufwand
Beim Diesterweg käme auch ein Tausendfüßer ins Schwitzen beim Berechnen der Kosten für die Sanierung, einhundert Millionen Euro werden geschätzt. Beim Wasserhahn für den Vinetaplatz, sollte man meinen, käme auch der Mitarbeiter des Sägewerks klar. Kann ja nicht so schwer sein. In den Häusern der degewo gibt es am Platz einen Wasserhahn, doch Frischwasser darf nicht zum Gießen verwendet werden. Unter dem Platz gibt es eine Zisterne, doch die ist leer und man kommt nicht ran. Es gibt einen Trinkbrunnen auf dem Platz, doch ein Wasserhahn zum Drunterstellen einer Gießkanne oder Hundenapfes wurde nicht eingebaut. Angst vor Verschwendung kann der Grund nicht sein, beide Nutzergruppen würden es gezielt ihren Lieblingsblümchen oder Vierbeinern angedeihen lassen.
Zehn Jahre später
Zehn Jahre, nach denen das Diesterweg als knallig orangefarbenes Mahnmal des Scheiterns von Politik und Verwaltung hinter einer Wellblechwand versteckt wird und Anwohner unermüdlich Wasser aus ihren Wohnungen tragen. Zehn Jahre, in denen das Olof-Palme-Zentrum an Raum und Angebot wächst, ein Campus als Ort der Bildung und Freizeit für alle entsteht, Nachbarn auf der Swinemünder Straße gärtnern und gießen (!), schließlich mit dem Ende des Quartiersmanagements und seinen vielen geförderten Projekten ein neues Förderprogramm wieder Geld und Hoffnung auf Besserung ins Brunnenviertel bringt. Wer hätte damit gerechnet.
Fazit
Was bleibt? Die Erkenntnis: Es braucht zwei Hände zum Anpacken und zehn Jahre Zeit. Wenn Sie auch nur eines der Dinge einbringen mögen, dann melden Sie sich bei mir, Ihrem Stadtteilkoordinator Jochen Uhländer.
Jochen Uhländer
E-Mail: stk-brunnenstraße-nord@berlin.de
Telefon: (0159) 04 62 50 98

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