Abenteuer Zugfahrt zur Ostsee

Vom Gesundbrunnen ist der Weg mit dem Zug zur Ostsee nicht weit. Schon seit Studientagen fährt unsere Autorin Emilia Witwer-van de Loo immer wieder gen Ostsee, nach Greifswald. Auf der Zugfahrt dorthin hat sie schon vieles erlebt. Kürzlich hat sie sich mal wieder auf den Weg gemacht. Der Zug der Brunnenviertlerin startete am Bahnhof Gesundbrunnen. Eine kurze und entspannte Fahrt aus Berlins Mitte an die Ostsee, dachte sie. Doch dann kam es anders. Hier ist ihr Erlebnisbericht.

Es sind nur 2,5 Stunden mit dem Zug vom Gesundbrunnen bis zur Ostsee, dachte ich. Ich und meine Freundin Edyta hatten uns vorgenommen, am Samstag loszufahren, in Greifswald zu übernachten und am Sonntag zurück zu fahren. Natürlich alles mit dem Zug; alles mit dem Deutschlandticket.

Am Freitagabend stellte ich fest, dass das DFB-Pokalspiel zwischen dem FC Union und der Greifswalder Fußballmannschaft am Samstag in Greifswald stattfindet. Ich besorgte daher vorsorglich ein Übergangsticket für die erste Klasse, umsicher einen Sitzplatz zu haben. Wie ich feststellen musste: es ist alles ein bisschen kompliziert. Das Übergangsticket kann man nur nach einem kleinen Kampf mit dem DB-Ticketautomaten erwerben oder am Schalter (eine lange Schlange war nicht zu übersehen). Wie ich am Informationsschalter dann erfahren habe, ist das Ticket nur bis Prenzlau gültig. Ds ist die offizielle Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Ab Prenzlau wäre es laut Auskunft möglich, entweder am DB-Automaten oder bei dem Schaffner ein Übergangsticket zu erwerben.

Gesagt getan. Wir sind in einen supervollen und verspäteten Zug eingestiegen. Mit viel Gesang und Gerauche sind wir glatt bis Prenzlau durchgekommen. Dann kam ein von Nichts wissender Schaffner und hat alle ohne Zusatzticket umsetzen lassen. Mir und meiner Freundin wollte er eine Fahrkarte der 1. Klasse von Prenzlau nach Greifswald verkaufen – als ob wir schwarz fahren würden. Über ein Zusatzticket wusste er gar nichts. Notgedrungen haben wir uns auch umgesetzt und zum Glück noch die letzten freien Sitzplätze ergattert.

Greifswald war schön, obwohl es nicht direkt an der Ostsee, sondern am Bodden liegt. Der Strand in Eldena hat sich gemacht und am Wieck konnte man eine frische Brise spüren.

Die Rückfahrt war anfangs ruhig. Leider hatte die Deutsche Bahn nicht vorausgesehen, dass Sommer ist, dass Ferienzeit ist. Die Kapazität des Zug war erschöpft. Die Leute standen überall auch in der Gängen. Internet war nicht greifbar. Ich habe dann von wissenden Mitmenschen erfahren, dass ich doch mal einen französischen Anbieter ausprobieren soll, um online zu gehen, der sei besser.

Wir hatten leider nur die Information, dass wir fünf Minuten Verspätung haben, mehr war nicht zu erfahren. Die Spannung stieg als kurz vor Angermünde die Durchsage kam, dass der Zug von der Grenzpolizei in Angermünde geräumt wird. Aus der Sicherheitsgründen, wegen einer Überfüllung. Wir haben unsere Sachen zusammengepackt und… der Zug ist fünf Minuten später dann doch einfach losgefahren, ohne dass wir in Angermünde irgendeinen Grenzpolizisten gesehen hätten. Die Spannung stieg dann weiter, weil die Klimaanlage ausgestellt wurde. In Bernau kam dann die Durchsage, dass wir die Leute mit den Fahrrädern nicht reinlassen sollen.

Wir sind heil und nur fünfzehn Minuten verspätet, aber durchgeschwitzt in Berlin-Gesundbrunnen angekommen. An Spannung hat es bei dieser Bahnfahrt nicht gefehlt. Immerhin: Wir haben von weiteren Möglichkeiten, eine Internetverbindung herzustellen, erfahren. Die Reisen mit der Deutschen Bahn bilden, man lernt immer was dazu.

Text: Emilia Witwer-van de Loo, Fotos: Emilia Witwer-van de Loo

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