Abgebrochen! Die Eislaufsaison ist zu Ende

Winterzeit, Eislaufzeit? Denkste! Anfang Januar hatte das Erika-Heß-Stadion nach Problemen mit dem Dach zumindest für den Vereinssport wieder geöffnet. Doch am Montag (20.1.) kam die Nachricht vom Bezirksamt: Die Saison wird abgebrochen, das Eisstadion in der Müllerstraße wird in dieser Saison geschlossen bleiben. Der Eishockeyverein FASS Berlin spricht von einem Schock.

Eingang zur Eishalle des Erika-Heß-Eisstadions. Foto: Hensel
Eingang zur Eishalle des Erika-Heß-Eisstadions. Foto: Hensel

Das sagt das Bezirkamt

Wie FASS Berlin auf seiner Webseite schreibt, schließt das Erika-Heß-Eisstadion „aus technischen Gründen“ und mit sofortiger Wirkung bis Saisonende. Auf Nachfrage nennt das Bezirksamt den Grund für seine Entscheidung: „Der Grund für die Schließung ist der Verschleiß der inzwischen mehr als 50 Jahre alten Verdichter der Kühlanlage. Diese haben mit der sehr guten Betreuung und Wartung durch das Team im Erika-Heß-Eisstadion eine lange Lebensdauer erreicht und die Herstellung von Ersatzteilen überdauert.“

Es sei geplant, in Lauf dieses Jahres die Verdichter der Kühlanlage daher zu erneuern. Der Bezirk habe gehofft, dass ein Betrieb bis zum Ende der Saison und damit bis zur Erneuerung der Kühlanlage möglich sei. Nun steht fest: Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Die Leistungsfähigkeit der Verdichter für eine konstante Kühlung des Eises reiche nicht mehr aus. „Eine Überlastung der Anlage ist aufgrund des ammoniakhaltigen Kühlmittels zwingend zu vermeiden, sodass zum 20.01.2025 die Kälteanlage abgeschaltet werden musste“, so das Bezirksamt.

Bezirksstadtrat Benjamin Fritz (CDU) erklärt dazu: „Wir bedauern die sofortige Schließung des Erika-Heß-Eisstadions sehr. Jedoch ist durch die Nichtfunktionalität mehrerer Verdichter eine sichere Nutzung des Eisstadions nicht zu gewährleisten. Wir werden nun mit Hochdruck daran arbeiten, dass wir durch die Sanierungsmaßnahme an der Kühlanlage das Eisstadion in der kommenden Saison mit beiden Eisflächen öffnen können.“

Das sagt FASS Berlin

„Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Lösung, wie wir unseren Trainings- und Spielbetrieb weiterführen können“, sagt der Erste Vorsitzende Lucien Aicher von FASS Berlin. „Wir sind hierzu im Austausch mit dem Berliner Eissport-Verband (BEV) und den Berliner Hallenbetreibern. Wir hoffen, im Laufe der Woche tragfähige Ergebnisse präsentieren zu können. Ohne das Erika-Heß-Eisstadion fehlen uns mehr als zehn Trainingszeiten pro Woche, der größte Teil davon in der Nachwuchsarbeit.“

Die Situation stelle insbesondere die Erste Mannschaft (aktuell Tabellenführer der Regionalliga Ost) vor ernste Probleme. Der Sportliche Leiter Peter Wagenfeldt sagt dazu: „Bis zum Ende der Hauptrunde stehen noch fünf Heimspiele auf unserem Programm, dazu kommen die Playoffs im März. Wir müssen jetzt sehr schnell klären, wie dieser Spielbetrieb gewährleistet werden kann. Dazu kommt der Trainingsbetrieb mit zahlreichen logistischen Anforderungen; wir waren gerade erst mit großem Aufwand aus Charlottenburg ins Erika-Heß-Eisstadion umgezogen.“

Die Eishalle des Erika-Heß-Eisstadions, hier kurz vor Beginn der Aufführung des "Eismärchen" im Jahr 2019. Foto: Hensel
Die Eishalle des Erika-Heß-Eisstadions, hier kurz vor Beginn der Aufführung des „Eismärchen“ im Jahr 2019. Foto: Hensel

Das sagt der Bezirkssportbund

Die Nachricht vom Abbruch der Eislaufsaison in der Müllerstraße beschäftigt auch Ramona Reiser, Präsidentin des Bezirkssportbund Berlin-Mitte e.V.: „Die Nachricht über den sofortigen Saisonabbruch im Erika-Heß-Stadion war für mich und den Bezirkssportbund Berlin-Mitte e.V. – ähnlich wie für die betroffenen Vereine und Sportler:innen – ein Schock.“

Die jetztigen technischen Probleme, welche es auch genau sind, stellen die Sportvereine vor große Herausforderungen. „Nach den pandemiebedingten Einschränkungen gehen die wiederkehrenden technischen Vorfälle zunehmend an die Substanz der Vereine. Schließungen des Erika-Heß-Stadions können nur schwer und mit hohem organisatorischen und logistischem Aufwand kompensiert werden. Darunter leiden jedes Mal insbesondere die kleinen Vereine/Abteilungen und die Nachwuchsarbeit. Ohne verlässliche Eiszeiten können Mitglieder langfristig nicht gehalten und auch kein Nachwuchs gefördert werden. Nicht zu vergessen sind die Freizeitsportler:innen auf der Außenfläche. Der öffentliche Lauf war stets auch Werbung für den Eissport“, kommentiert Ramona Reiser die aktuelle Entwicklung.

„Zwar sind wir es alle mittlerweile gewohnt, schlechte Nachrichten zu verdauen, aber es fehlt an Planbarkeit. So zentral wie man es sonst in kaum einer anderen Stadt findet, bietet das Erika-Heß-Stadion große Potentiale. Um diese auszunutzen, muss der Standort grundsaniert und zukunftssicher qualifiziert werden. Vielleicht ist die Schließung eine Chance, um die geplante Sanierung der Kühlanlage vorzuziehen und endlich zu einer gesamtstädtischen Vision für die Zukunft des Eissports in Berlin zu kommen“, so die Präsidentin des Bezirkssportbunds.

Wegen einer Baumaßnahme liegendes Schild, das den Weg zum Eisstadion weist. Foto: Hensel
Wegen einer Baumaßnahme liegendes Schild, das den Weg zum Eisstadion weist. Es könnte allerdings auch ein Symboldbild für das Weddinger Eisstadion sein Foto: Hensel

Erika-Heß-Eisstadion: immer neue Probleme

Seit Jahren müssen Schulsport, Vereinssport und Freizeitsportler:innen immer wieder auf das Erika-Heß-Eisstadion verzichten. In der Coronazeit war das Stadion zunächst zum Impfzentrum umfunktioniert worden, danach war der Eislauf pandemiebedingt nicht möglich. 2022 begann die Saison dann verspätet, weil der Bezirk in der Energiekrise Energie sparen wollte. In der Saison 2023/24 verhinderte eine neue Regelung hinsichtlich der Ammoniak-Kälteanlage beziehungsweise eine fehlende TÜV-Freigabe die Nutzung. Erst kurz vor dem Jahreswechsel konnten zumindest Schulen und Vereine zurück aufs Eis, einen öffentlichen Eislauf hat es in der Saison 2023/24 nicht gegeben.

Nächste Pannen-Saison: Nach einer geplanten Dachsanierung im vergangenen Jahr – außerhalb der Saison – wurden Probleme mit den markanten Pylonen entdeckt und das Erika-Heß-Stadion musste schon wieder schließen. Das Bezirksamt entschied, eine Teilnutzung zu erlauben. Schul- und Vereinssport konnten stattfinden, öffentlicher Eislauf war passé. Erst am 4. Januar 2025 konnte FASS Berlin (so wie die anderen Sportvereine) zurück aufs Eis in der Müllerstraße. Nach nur zwei Wochen endet der Eislaufbetrieb nun abrupt. Wieder einmal.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen