„Werden wir in diesem Winter endlich wieder zum Schlittschuhlaufen ins Erika-Heß gehen können?“ Das fragte ein Familienvater am gemeinsamen Infostand der KiezSportLotsin und des Bezirkssportbunds Mitte auf dem Panke Parcours im September, als alle noch bei über 30 Grad schwitzten: Den Weddingern ist das Erika-Heß-Eisstadion und das winterliche Runden-Drehen auf Schlittschuhkufen wichtig. Die Antwort auf die Frage, ob es in dieser Saison einen öffentlichen Eislauf geben wird, ist: Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht!

Dachsanierung mit Problemen
Im April 2024 – nach dem Ende der Eissport-Saison – wurde mit der lange angekündigten Dachsanierung des Erika-Heß-Eisstadions begonnen. Dies betrifft die Pylonen; das ist die markante Betonkonstruktion des Eisstadions. Die Maßnahme sollte bis September beendet sein, also vor dem Beginn der Eislaufsaison.
Doch am 11. September vermeldete die Eishockey-Abteilung des SCC Berlin, dass das Sportamt des Bezirks Mitte „zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausgehe, dass das Eisstadion noch in dieser Saison öffnen könne.“ Grund seien „Beschädigungen an den Zugstangen der Dachkonstruktion, deren Schwere bislang nicht näher bestimmt werden konnten“. Der Weddinger Eishockey-Verein FASS Berlin bestätigte dies zwei Tage später auf seiner Homepage unter der Überschrift: „Zum Saisonstart heimatlos“. Trainings- und Wettkampfbetrieb müssen vorerst in anderen Eisstadion durchgeführt werden, unter anderem in der Eissporthalle Charlottenburg.
Auf Nachfrage sagt die Pressestelle des Bezirksamts Mitte: „Die Pylonen des Erika-Heß-Eisstadions werden derzeit saniert. Ein weiterer Sanierungsbedarf könnte an den Zugstangen des Eishallendaches bestehen. Das Ausmaß des Sanierungsbedarfs kann noch nicht abschließend konkretisiert werden. Das Gutachten zur Statik ist in Auftrag gegeben worden.“ Laut informierten Quellen geht es um nur eine Zugstange an einer Pylone, wodurch das Dach jedoch möglicherweise einsturzgefährdet sein könnte. Denn diese Pylonen sehen nicht nur hübsch aus, sie tragen die komplette Last des Daches.

Warten auf das Statik-Gutachten
Parallel werde laut Pressestelle geprüft, ob eine Öffnung des Außenbereiches möglich ist, es also einen öffentlichen Eislauf geben kann. Bezirksstadtrat Benjamin Fritz (CDU) hatte noch im Sportausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Mitte am 24. September erklärt, dass der Bezirk die Außeneisfläche grundsätzlich öffnen will, wenn die Außentemperaturen dauerhaft unter 15 Grad Celsius liegen, jedoch nur, wenn keine Sicherheitsbedenken vorliegen. Die Außeneisfläche wird vom Eiskunstlauf-Sport genutzt. Dies wäre zum Beispiel für den Weddinger Eislauf- und Rollsport-Club Berlin (WERC) essenziell, vor allem für seine Breitensportler:innen.
Erst wenn das Ergebnis des Statik-Gutachtens vorliegt, könne laut Bezirksamt die weitere Dachsanierung geplant und eine Entscheidung über die Öffnung der Außeneisfläche getroffen werden. Es heißt also, abwarten und Daumen drücken.

Seit Jahren Probleme bei Nutzung des Eisstadions
Seit Jahren müssen Schulsport, Vereinssport und Freizeitsportler:innen immer wieder auf das Erika-Heß-Eisstadion verzichten. In der Coronazeit war das Stadion zunächst zum Impfzentrum umfunktioniert worden, danach war der Eislauf pandemiebedingt nicht möglich. 2022 begann die Saison dann verspätet, weil der Bezirk Energie sparen wollte. In der vergangenen Saison verhinderte eine neue Regelung hinsichtlich der Ammoniak-Kälteanlage beziehungsweise eine fehlende TÜV-Freigabe die Nutzung. Erst im vergangenen Dezember konnten zumindest Schulen und Vereine zurück aufs Eis, einen öffentlichen Eislauf hat es in der Saison 2023/24 nicht gegeben.
Ob der Eislauf stattfindet oder nicht, ist nicht egal. Nicht nur für Privatpersonen wie für den Familienvater beim Panke Parcours sind die Sport- und Freizeitangebote wichtig. Ramona Reiser, ehrenamtliche Präsidentin des Bezirkssportbunds Mitte, unterstreicht die Bedeutung der Sportstätte in der Müllerstraße: „Das Erika-Heß-Eisstadion ist mit seiner Halle und der Außenfläche ein wichtiger Standort für den Berliner Eissport, der erneut droht, verloren zu gehen. Kurzfristig ist die baldige Öffnung der Außenfläche für Vereinsnutzung und öffentlichen Lauf wünschenswert.“ Sie benennt aber auch den Modernisierungsbedarf, der für eine störungsfreie Zukunft der Eissportanlage besteht: „Langfristig kann es aber nicht nur um Bestandserhalt gehen, sondern auch um klimasensible Qualifizierung und Weiterentwicklung.“

Text: KiezSportLotsin Susanne Bürger, Dominique Hensel, Fotos: Dominique Hensel

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