Auf den Spuren von Adolf Gerstenberg

Ralf Schmiedecke stellt Leben und Wirken dreier Berliner Stadtbauräte vor, die das Quartier von 1861 bis 1924 prägten. Teil 1 befasst sich mit Adolf Gerstenberg.

Adolf Gerstenberg um 1865 (Miniaturmalerei von August Grahl)
Adolf Gerstenberg um 1865 (Miniaturmalerei von August Grahl)

Adolf Gerstenberg wurde am 3. Januar 1826 als Sohn eines Ziegeleibesitzers in Magdeburg an der Elbe geboren. In den Jahren 1847/48 studierte er Architektur an der Berliner Bauakademie mit abschließender Bauführerprüfung. Gemeinsam mit Gustav Möller wurde er 1847 Mitglied des Architektenvereins. Dieser vertrat ihn im vorbereitenden Ausschuss für die Erarbeitung einer Berliner Bauordnung. Mit Ludwig Scabell gründet Adolf Gerstenberg 1851 die Berliner Feuerwehr, die erste Berufsfeuerwehr in Deutschland. Bei dieser war er bis 1861 auch als Brandinspektor tätig.

Als Nachfolger von James Hobrecht wird Adolf Gerstenberg 1861 als Berliner Stadtbaurat für zehn Jahre berufen. In die Zeit seines Amtsantritts fällt die politische Umsetzung, die Berlin umgebenden Siedlungsflecken einzugemeinden. So sollten neue Bebauungsgebiete zur Erweiterung der Stadt ausgewiesen werden. Somit kamen auch die vorher im Kreis Niederbarnim verwalteten Orte Wedding und Gesundbrunnen in das Weichbild Berlins und wurden Ortsteile der so 1861 erweiterten Stadt.

Adolf Gerstenberg: Stil gut erkennbar

Adolf Gerstenberg schuf zahlreiche Schulbauten in der Berliner Stadtmitte. Unter anderem stammen das Gebäude der Sophienrealschule und -gymnasium in der Weinmeisterstraße sowie das Köllnische Gymnasium Insel-/Ecke Wallstraße von ihm.

Typisch für seine Baukunst sind die dreigeschossigen Ziegelbauten – unter anderem unter Verwendung von roten Hermsdorfer Klinkern. Sie wurden im spätklassizistischen Stil errichtet, auf den Grundstücken von der Baufluchtlinie zurück oder quer gestellt und mit Vorgärten errichtet. Dies ist anhand der auf den Fotografien dargestellten Schulen im Brunnenviertel und Umgebung gut erkennbar:

Die 17. Gemeindeschule Berlin in der Ackerstraße 67, hier um 1900, entstand 1862/63 auf einem 3.500 Quadratmeter großen Grundstück. Sie hatte 16 Klassenzimmer, ohne Aula, jedoch mit einer Turnhalle zur Hussitenstraße 56. Alle Gebäude der Schule wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Die 17. Gemeindeschule Berlin in der Ackerstraße 67, hier um 1900, entstand 1862/63 auf einem 3.500 Quadratmeter großen Grundstück. Sie hatte 16 Klassenzimmer. Es gab keine Aula, jedoch eine Turnhalle zur Hussitenstraße 56. Alle Gebäude der Schule wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Auch die unweit des Brunnenviertels im Gesundbrunnen gelegene und unter Mitwirkung des Architekten Petersen 1864-66 erbaute 32. Gemeindeschule mit Aula und Turnhalle in der Pankstraße 47, heute „Mitte-Museum“, zählt zu den Bauten von Gerstenberg. Die Aufnahme stammt von 1909. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Auch die unweit des Brunnenviertels im Gesundbrunnen gelegene und unter Mitwirkung des Architekten Petersen 1864-66 erbaute 32. Gemeindeschule mit Aula und Turnhalle in der Pankstraße 47, heute „Mitte-Museum“, zählt zu den Bauten von Gerstenberg. Die Aufnahme stammt von 1909. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke

Privatarchitekt und Sachverständiger

Adolf Gerstenberg war 1865 Gründungsmitglied des Vereins für Berliner Geschichte. Im Jahr 1871 übergab er sein Amt als Berliner Stadtbaurat an seinen Nachfolger Hermann Blankenstein. Neben seiner Tätigkeit als Privatarchitekt war er als Sachverständiger für Brandschäden und Hypothekenschätzungen tätig. 1872 wurde er Direktor der Preußischen Baugesellschaft. Im Alter von 70 Jahren starb Adolf Gerstenberg am 22. Januar 1896 in Berlin. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof I der Jerusalems- und Neuen Kirche in der Zossener Straße (Kreuzberg). Das Grab ist nicht erhalten geblieben.

Höchstwahrscheinlich entstand nach seinen Entwürfen auch die heute noch erhaltene einstige 73. Gemeindeschule mit 16 Klassenräumen, Aula und Turnhalle in der Wiesenstraße, heute Teil der Humboldthain-Grundschule, die aber erst unter der Ägide seines Nachfolgers erbaut und am 10. August 1876 eröffnet wurde. Foto um 1896, Archiv Ralf Schmiedecke
Höchstwahrscheinlich entstand nach seinen Entwürfen auch die heute noch erhaltene einstige 73. Gemeindeschule in der Wiesenstraße. Sie hatte 16 Klassenräume, eine Aula und eine Turnhalle. Das Gebäude ist heute Teil der Humboldthain-Grundschule, die aber erst unter der Ägide seines Nachfolgers erbaut und am 10. August 1876 eröffnet wurde. Foto um 1896, Archiv Ralf Schmiedecke

Weiterlesen

In den weiteren Beiträgen geht es um das Wirken der Berliner Stadtbauräte Hermann Blankenstein und Ludwig Hoffmann im Brunnenviertel.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Es grünt im Kiez!“ enthalten, das im ersten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Es grünt im Kiez! gesammelt und verlinkt.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen