Auf den Spuren von Ludwig Hoffmann

Ralf Schmiedecke stellt Leben und Wirken dreier Berliner Stadtbauräte vor, die das Quartier von 1861 bis 1924 prägten. Der 3. und letzte Teil befasst sich mit Ludwig Hoffmann.

Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke
Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke

In Darmstadt wird Ludwig Hoffmann am 30. Juli 1852 geboren. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Alfred Messel (1853–1909) studierte er 1874 an der Bauakademie Berlin. Im Jahr 1879 erhielt er eine Tätigkeit als Bauführer in Berlin. Durch seine Reisen unter anderem in Hansestädte, in die Niederlande und nach Italien bekam er den Blick für das Wesentliche, die seine Architektur mit Unterstützung vieler Bildhauer wie Ignatius Taschner, Otto Lessing, Josef Rauch, Georg Wrba, Hugo Lederer und August Vogel, mit Skulpturen (auch Putten und Reliefs) bis heute prägen. Die 2. Staatsprüfung legte er 1886 in Berlin ab. Sein erstes großes Bauprojekt war das von ihm 1885 bis 1892 entworfene Neue Reichsgericht (heute Bundesverwaltungsgericht) in Leipzig, das von 1887 bis 1895 errichtet wurde.

Im Jahr 1895 heiratete Ludwig Hoffmann die Berliner Bankierstochter Marie Weisbach und zog 1901 in das zweigeschossige Haus der Schwiegereltern in der Margaretenstraße 18 (heute Scharounstraße-Kammermusiksaal) in Tiergarten. Dies ließ er aufstocken, da es nicht genug Platz für seine Familie mit sieben Kindern bot.

Den von Hermann Blankenstein errichteten Bau der heutigen Humboldthain-Grundschule in der Wiesenstraße 66 ergänzte Ludwig Hoffmann 1899–1901 mit weiteren Gebäuden der 73. und 147. Gemeindeschule in der Grenzstraße 8. Dabei wurde aus Platzgründen der Standort der Turnhalle auf die andere Straßenseite in den Humboldthain (heute ein Neubau) verlegt. Die Bauplastiken an der Schule und dem eckbetonten Rektorenwohnhaus schuf Otto Lessing. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Den von Hermann Blankenstein errichteten Bau der heutigen Humboldthain-Grundschule in der Wiesenstraße 66 ergänzte Ludwig Hoffmann 1899–1901 mit weiteren Gebäuden der 73. und 147. Gemeindeschule in der Grenzstraße 8. Dabei wurde aus Platzgründen der Standort der Turnhalle auf die andere Straßenseite in den Humboldthain (heute ein Neubau) verlegt. Die Bauplastiken an der Schule und dem eckbetonten Rektorenwohnhaus schuf Otto Lessing. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke

Ludwig Hoffmann: 28 Jahre Baustadtrat

Als Nachfolger von Hermann Blankenstein wurde Ludwig Hoffmann ab 1896 für 28 Jahre Berliner Stadtbaurat. Die Architektur seines Vorgängers mit gelb oder rot verklinkerten Fassaden übernahm er nicht. Er prägte seinen eigenen Stil. Typisch sind seine hellen Putzfassaden mit großen, rechteckig-mehrgeteilten Fenstern sowie die Mansardenwalmdächer mit Fledermausgauben, die teils Uhrentürme haben.

Aber auch die norddeutsche und holländische Backsteinarchitektur mit prägnantem Spitzgiebel finden sich in seinen Bauten. Häufig wurden bei Schulen das Rektorenwohnhaus und die Turnhalle integriert. Die prachtvollen Portale, Fassaden und Ecken wurden figürlich und häufig mit dekorativen Kartuschen (Ornamente) der Bildhauer, zum Beispiel mit dem Berliner Wappenbär, geschmückt.

Laut dem dokumentierten Werksverzeichnis 1 bis 222 schuf Ludwig Hoffmann mit seinen Mitarbeitern über 300 Objekte, mehr als alle berühmten Architekten Berlins zusammen. Neben zahlreichen Schulen entstanden Verwaltungsbauten (unter anderem das Berliner Stadthaus), das Märkische Museum, der Friedrichshainer Märchenbrunnen, Feuerwachen, Schwimmhallen, Krankenhäuser, Heimstätten, Privatvillen, Straßenreinigungsdepots, Friedhofszugänge, Grabsteine sowie zwei bronzene Gaskandelaber vor dem Branden​burger Tor. Nach dem frühen Tod seines engsten Freundes Alfred Messel übernahm er die Restplanungen zur Fertigstellung des neuen Berliner Pergamonmuseums auf der Museumsinsel.

Seine Berufung als Berliner Stadtbaurat endet im Jahr 1924. Sein Nachfolger im Amt wird Martin Wagner, der mit seinem neuen Stil der Moderne (unter anderem die Britzer Hufeisensiedlung) prägte. Ludwig Hoffmann, der seit 13. März 1924 Berliner Ehrenbürger ist, stirbt am 11. November 1932 in Berlin. Sein Grab befindet sich jedoch in seiner hessischen Geburtsstadt auf dem Alten Friedhof.

Zusatzinfo

Auch die 223. Gemeindeschule in der Putbusser Straße 3 war ein 1904/05 errichteter Bau von Ludwig Hoffmann. Sie hatte 23 Klassenräume, Aula und eine integrierte Turnhalle. Im Zweiten Weltkrieg wurde das dreiflügelige Gebäude in Trümmer gelegt. Leider liegt kein Bilddokument der Schule vor.

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In früheren Kiezmagazinen beschäftigte sich Ralf Schmiedecke mit dem Wirken der Berliner Stadtbauräte Adolf Gerstenberg und Hermann Blankenstein im Brunnenviertel.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Kunstspaziergang“ enthalten, das im vierten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel dieser Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Kunstspaziergang im Brunnenviertel gesammelt und verlinkt.

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