Die aktuellen Arbeitslosenzahlen für Wedding und Gesundbrunnen zeigen: Im Vergleich zu Berlin ist der Anteil der Arbeitslosen höher. Und hier sind mehr Menschen für längere Zeit arbeitslos. Dies und weitere Details verraten die jüngsten Kiezzahlen, die zum 30. Juni erhoben wurden.

In Berlin liegt die Arbeitslosenquote aktuell über zehn Prozent. Ein hoher Wert in Deutschland. Und leider stehen die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen noch schlechter da. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht zwar keine Arbeitslosenquote auf Kiezebene. Aber es gibt von der Bundesagentur durchaus Zahlen für den kleinsten statistischen Raum, den sogenannten LOR (Lebensweltlich orientierten Planungsraum = Kiez).
Mehr Arbeitslose als im Bezirk
Die Statistik der Bundesagentur vergleicht auf LOR-Ebene zwar nicht die Arbeitslosenquote, aber dafür die Zahl der Arbeitslosen im Verhältnis zur Zahl der Menschen im Alter von 15 Jahren bis zum Renteneintritt. Das ist also eine Quote der Arbeitslosen im Verhältnis zu allen Erwachsenen (und nicht nur im Verhältnis zu den Erwachsenen, die erwerbstätig sind oder erwerbstätig sein wollen). Diese Quote liegt in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen bei elf Prozent. Zum Vergleich: In Moabit liegt diese Quote bei neun Prozent. In Alt-Mitte bei sechs Prozent. (Mit Abweichungen in den einzelnen Kiezen).
Mehr Langzeitarbeitslose
Eine weitere Quote, die sich aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit auf LOR-Ebene errechnen lässt, ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen. Denn unterschieden wird zwischen Menschen, die Geld nach SGB III (das ist das klassische Arbeitslosengeld) und die Geld nach SGB II (früher Hartz IV, heute Bürgergeld, morgen „neue Grundsicherung“) erhalten. In Berlin und im Durchschnitt des Bezirks Mitte werden 66 Prozent der Arbeitslosen in der Kategorie SGB II geführt und sind damit in der Regel länger als ein Jahr arbeitslos. In den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen sind hingegen 75 Prozent aller Arbeitslosen in der Kategorie SGB II.
Altes Eisen ab 35?
Jugendarbeitslosigkeit wird häufig diskutiert. Dabei sind – zumindest in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen – andere Altersgruppen überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. In der Spalte „35 bis 45 Jahre“ sowie in der Spalte „45 bis 55 Jahre“ der tabellarischen Auflistung sind die Anteile der Arbeitslosen an allen Gleichaltrigen besonders hoch und können bis zu 15 Prozent erreichen. In der Spalte „bis 25 Jahre“ ist die Zahl sogar auffällig niedrig. Vielleicht weil im Wedding und Gesundbrunnen besonders viele Studenten wohnen? Doch warum geht die Arbeitslosigkeit in der Spalte „über 55 Jahre“ ein klein wenig zurück? Auf diese Fragen geben die vorliegenden Zahlen keine Antwort.
Allgemeiner Trend
Seit 2022 steigt die Arbeitslosigkeit in Berlin wieder an. Im Wedding und Gesundbrunnen ebenfalls – nur eben stärker. Für Menschen, die Arbeit suchen, war 2019 das beste Jahr nach einem Jahrzehnt stetigen Rückgangs der Arbeitslosigkeit. Dann folgte bedingt durch die Corona-Maßnahmen ein sprunghafter, kurzzeitiger Anstieg. Mit Ende der Maßnahmen ging dieser Ausreißer ebenso schnell (teilweise) zurück. Doch seit 2022 steigt die Zahl der Arbeitslosen langsam aber stetig an.
Die Statistik der Arbeitslosenzahlen werden jedes halbe Jahr erstellt. Das Brunnenmagazin hat die Zahlen für Wedding und Gesundbrunnen beim Amt für Statistik Berlin-Brandenburg angefragt.

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