Ein Fotovergleich von der mittleren Ackerstraße zwischen Bernauer Straße in Blickrichtung Gartenplatz um 1922 und heute. Von Ralf Schmiedecke

Links auf dem historischen Bild sieht man die vier Gebäude Ackerstraße 142 bis 139, die als die „Frommen Häuser“ bezeichnet wurden. Entstanden sind sie von 1851–53 durch den „Verein der Armen“ zur Schaffung billigen Wohnraums. Nur auf dem Hof befand sich Grün. Davor war alles zugepflastert und grau. Einzig die Litfaßsäule zur Ecke Bernauer Straße war eine Abwechslung und diente zur Information der Menschen.
Gegenüber befand sich in den 1861 errichteten Gebäuden Ackerstraße 52 zur Hussitenstraße 71 die 1902 eröffnete Schrippenkirche, die der Verein „Dienst an den Arbeitslosen“ von Konstantin Liebich (1847–1928) im Jahr 1882 gründete. Mit der Kahlschlagsanierung wurde auch dieses Grundstück geräumt. Der Abriss begann am 7. März 1980. Der Verein Schrippenkirche e. V. erhielt durch Grundstückstausch mit dem Vaterländischen Bauverein 1976 das gegenüberliegende Terrain Ackerstraße 136–137, auf dem 1980 ein Neubau nach Plänen von Harald Franke entstand. Anlässlich des 125. Jubiläums des Vereins wurde am 30. August 2007 vor dem Gebäude eine etwa fünf Tonnen schwere Schrippe aus Sandstein vom Bildhauer Michael Spengler enthüllt.

Seinerzeit fuhr in der Ackerstraße zwischen Garten- und Invalidenstraße die Straßenbahnlinie 3, auch bekannt als „Großer Ring“, um das Berliner Stadtzentrum. Sie begann und endete in der Pallasstraße nahe dem Schöneberger Depot in der Belziger Straße. Somit konnte man in beiden Richtungen zum berühmten Sportpalast in der Potsdamer Straße fahren. Besonders beliebt war dort das 6-Tage-Radrennen mit dem Berliner Original „Krücke“, alias Reinhold Habisch (1889–1964), der den Sportpalast-Walzer, eigentlich Wiener Praterleben von Komponist Siegfried Translateur, mit seinem legendären Dreipfiff ergänzte und das Lied weltberühmt machte.
Rechts am Mietshaus Ackerstraße 45 mit den acht Balkonen befand sich ein Hinweisschild auf das Kontor- und Büromöbelgeschäft Lange & Perreaux in der Brunnenstraße 125. Inhaber war Tischler Paul Lange, der hier in der zweiten Etage wohnte. Im vierten Obergeschoss residierte um 1912 die Soubrette Fräulein Käthe Langpohl, die als muntere Sängerin auf den Bühnen auftrat.
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