Pilotprojekt: Awareness für den Mauerpark

In einem Awareness-Pilotprojekt setzen sich die Freunde des Mauerparks dafür ein, dass der insbesondere bei jungen Menschen äußerst beliebte Park zu einem sicheren Begegnungsort für alle wird.

Das Awareness-Team ist unterwegs für ein besseres Miteinander im Park. Foto: A. Puell
Das Awareness-Team ist unterwegs für ein besseres Miteinander im Park. Foto: A. Puell

Nicht nur für junge Menschen sind Partys und lockere Zusammenkünfte als Ausgleich zu Arbeit, Schule und Ausbildung wichtig. Dieser befreiende soziale Charakter findet sich auch bei privaten Feiern und spontanen Treffen jeder Art im Mauerpark wieder. Öffentliche Parks sind generell vielseitig nutzbar und durch viele Faktoren zu attraktiven Räumen geworden: Durch den Klimawandel ausgelöste längere Wärme- und Trockenperioden, die Schließung vieler Innenräume während der Corona-Pandemie sowie die Verbreitung von preisgünstigen Akku-Lautsprechern verlagern Feiern nach draußen. Nicht zuletzt die hohe Inflation der letzten Jahre und die damit verbundene Preissteigerung im Bereich der Gastronomie und des Nachtlebens führen dazu, dass gemeinsame Treffen von Freund:innen und Bekannten bei passendem Wetter im Park stattfinden.

Die Erwartungen an den Park gehen auseinander

Der Mauerpark ist das ganze Jahr über ein beliebter Begegnungsort für Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Besonders für junge Menschen ist der Park ein Ort des sozialen Austauschs, der Identitätsfindung und des sich Ausprobierens. Die Erwartungen an das persönliche Erleben von sozialen Events jeglicher Art, somit auch von Feierlichkeiten im öffentlichen Raum, können jedoch weit auseinandergehen. Dort, wo die einen eine ausgelassene Feier erleben und sich sicher fühlen, findet für andere womöglich Ausgrenzung, verbale, strukturelle oder körperliche Gewalt statt. Seit einigen Jahren wird der Park immer intensiver genutzt, besonders in den sommerlichen Abendstunden. Bei Massenpartys kam es in den letzten Jahren leider auch zu (sexualisierter) Gewalt und Diskriminierung im Mauerpark.

as Logo weist auf das Awareness-Projekt hin. Grafik: A. Puell
as Logo weist auf das Awareness-Projekt hin. Grafik: A. Puell

Parkanlagen wie der Mauerpark haben deutlich weniger Zugangsbarrieren als zum Beispiel Bars oder Clubs. Es gibt keine Türsteher:innen oder sonstige reglementierenden Instanzen. Diese freie Bespielbarkeit fördert die Vorstellung, der Park sei ein Raum ohne Regeln.

Zu Awareness gehört auch Aufklärung

Der englische Begriff „awareness“ lässt sich mit Achtsamkeit oder Bewusstsein übersetzen. Im deutschsprachigen Raum steht der Begriff für eine Haltung beziehungsweise Praxis, die Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt entgegenwirkt und konsensbasiertes Handeln fördert. Awareness meint, eine Struktur vor Ort zu etablieren, durch die Betroffene von Diskriminierung und Gewalt eine parteiliche Unterstützung erfahren. Auch aufklärende Gespräche mit diskriminierenden oder Gewalt ausübenden Personen gehören dazu. Die Basis hierfür bilden Prävention und Bildung.

Bereits 2021 haben die Freunde des Mauerparks die AG Mauerpark Prävention ins Leben gerufen. Zu den Teilnehmer:innen gehören Vereine und Initiativen aus dem Mauerpark und dessen Umfeld, zum Beispiel die Bezirksämter Pankow und Mitte, die Grün Berlin GmbH, der Parkdienst und weitere Akteure. In der AG Mauerpark Prävention wurde 2022 gemeinsam und Schritt für Schritt ein Präventionskonzept erarbeitet.

Awareness-Teams helfen vor Ort

Eine wichtige Säule dieses Präventionskonzepts ist der Einsatz sogenannter Awareness-Teams. Durch präventive Vermittlungs- und Betreuungsarbeit soll der Mauerpark angenehmer für alle gestaltet werden und insbesondere das subjektive Sicherheitsgefühl von Personengruppen, die von Diskriminierung betroffen sein können, gestärkt werden. Dies geschieht dadurch, dass das Awareness-Team als Ansprech- und Informationsstelle dient, die sowohl direkt vor Ort helfen als auch an weiterführende Hilfsstrukturen verweisen kann. Vor allem jugendliche Personen sollen zum Thema Drogenkonsum und Safer Use (sicherere Benutzung von Drogen, Anm. der Redaktion) aufgeklärt werden, um Präventionsarbeit zu leisten oder sie bei Bedarf an Beratungsstellen weiterzuleiten.

Der Mauerpark bei Nacht. Zu jeder Zeit ist der Park ein beliebter Treffpunkt. Wenn das Zusammenkommen friedlich und selbstbestimmt funktioniert, haben alle mehr davon. Foto: A. Puell
Der Mauerpark bei Nacht. Zu jeder Zeit ist der Park ein beliebter Treffpunkt. Wenn das Zusammenkommen friedlich und selbstbestimmt funktioniert, haben alle mehr davon. Foto: A. Puell

Das Awareness-Team wird also vor Ort präsent sein, zuhören, vermitteln, gemeinsam individuelle Lösungen suchen und auf weiterführende Angebote verweisen. So kann der Mauerpark zu einem Ort werden, der weiterhin für alle zugänglich ist und zugleich für mehr Personen einen Raum mit erhöhter Sicherheit bietet.

Mit dem Lastenrad unterwegs

Während der Einsatzzeiten im Pilotprojekt wird ein Team von vier Personen mit einem Lastenrad unterwegs sein. Damit transportieren sie nützliche Materialien zur Ausgabe an die Zielgruppen. Das Team wird proaktiv von Gruppe zu Gruppe gehen, das Projekt vorstellen und dadurch auch den jeweiligen Personengruppen vermitteln, welche Verantwortung sie selbst während der Nutzung des Mauerparks tragen. Außerdem wird das Team als Kontakt fungieren, an welchen sich bei Bedarf gewendet werden kann.

Im April und Mai fand mit Hilfe der Erfahrung der Initiative Awareness e.V. aus Leipzig sowie des Aware-
ness-Kollektivs AwA_stern (AwA*) aus Wien die Vorbereitung des Projektes, die Erstellung des Konzeptes und die Schulung der Team-Mitarbeiter:innen statt. Im Juni werden an den ersten drei Wochenenden, jeweils am Freitag und Samstag von 19 bis 2 Uhr, die Teams eingesetzt. Neben ihrer Präsenz im Park selbst gibt es einen Awareness-Raum, der für Gespräche oder als Rückzugsraum für Betroffene genutzt werden kann.

Für mehr Toleranz am ehemaligen Grenzstreifen

Durch Social Media, Poster und Flyer werden junge Menschen, potenziell Betroffene und generell alle erreicht, die sich im und um den Mauerpark bewegen und dort zum Feiern treffen. Auch wird so den Anwohnenden und Nutzenden des Parks vermittelt, dass ein achtsamer Umgang mit Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt im öffentlichen Raum wichtig ist und grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit verlangt.
Dem Mauerpark kommt gerade aufgrund seiner Geschichte eine wichtige Rolle zu: Aus dem deutsch-deutschen Grenzstreifen hat sich ein internationaler Ort der toleranten Begegnung entwickelt. Wir hoffen, dass wir mit dem Pilotprojekt Awareness weitere Akzente in Richtung friedvollem Austausch setzen können.

Das Projekt „Mauerpark Awareness” wird gefördert mit Mitteln der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention der Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport von Berlin.

Text: Angelika Schön und Alexander Puell, Fotos/Grafik: Alexander Puell

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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im Juni 2023 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Sommer unterm Baum“ gesammelt und verlinkt.

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