Eine beauftragte Störung mit Inka Arlt

Während des Kiezspaziergangs am 20. Mai unter dem Motto Leben mit Kunst im Kiez fand eine beauftragte Störung statt. Bei der künstlerischen Intervention schuf Puppenspielerin, Regisseurin und Autorin Inka Arlt einfach eine neue Stelle im Straßen- und Grünflächenamt – im Bereich Kommunikation und Projekte. Eine feste Stelle, die die Schnittstelle von Straßen- und Grünflächenamt und bürgerschaftlichen Engagement verkörpern würde. Das wäre doch was! Denn es gebe des Öfteren schon Frustration bei Bürgerinitiativen zu ganz expliziten und auch allgemeinen Berliner Grünanlagen.

Inka Arlt bei ihrer künstlerischen Intervention. Foto: Sulamith Sallmann
Inka Arlt bei ihrer künstlerischen Intervention. Foto: Sulamith Sallmann

Die Künstlerin schlüpfte in die Rolle einer fiktiven Behördenmitarbeiterin. So inszenierte sie ironisch, wie die Arbeit des Amtes auf die Bürger wirkt. Hier eine Kostprobe des künstlerischen Monologs: Es sei lukrativ, einmal darzustellen wie komplex die Prozesse im Verwaltungswesen wirklich sind und das Amt durchaus daran interessiert sei, nachhaltige Ansätze für Kunst und Leben mit Grünanlagen im öffentlichen Raum zu schaffen. Und es steht natürlich außer Frage, dass hier nachhaltig darauf geachtet werde, wie diese Grünflächen und Kunsträume gepflegt und gewartet werden…

Die Anwohnerschaft wäre in dieser erdachten Welt bei den Auswahlprozessen gleichwertig bei der Abstimmung beteiligt, da sie ja mit diesen Entscheidungen schließlich leben muss. Allerdings: Diese Prozesse können dann aber auch dauern – unter zehn Jahren wäre da wohl nichts drin. Aber optimistisch bleiben und Hoffen schade niemanden.

Inka Arlt, die bei ihrem Vortrag vor einer verwilderten Grünfläche stand, ließ ihre Gedanken noch weiter schweifen: Es gebe in Zukunft auch Projekte, die konsequent nicht hierarchisch, dezentral organisiert seien. Teilweise würden sie anarchische Kollaborationen hervorbringen und damit gemeinschaftlich verantwortete, künstlerische Unterlassung und unsichtbare, sozioökologische Skulpturen schaffen. Ohne Anspruch auf Urheber:innenrecht, sondern Open-Source-Ideen des Allgemeinguts wären das.

Beauftragt Störung mit Inka Arlt

Gerade weil sich im Kunstkontext viele der Ausbeutung verschreiben, um überhaupt existieren zu können und Kunst wie Soziokultur im Allgemeinen nicht so relevant seien, gäbe es eine Gruppe mit Namen Kunstohnekohle, die sich vornehmlich mit Ready-mades* auseinandersetzt. Hier könnten sich dann auch Bürger:innen mit ihrer Situation und ihrer eigenen Expertise temporär exponieren. Ebenfalls wird es die Einbeziehung der schon alteingesessenen und neu eingewanderten Pflanzenformen und unzähliger Mikroorganismen geben, die alle in diesen Räumen ihre Verrottung erfahren. Toll! Was für eine vielfältige Teilhabe!

Am Ende des Kiezspaziergangs und der beauftragten Störung steht fest: Ich würde mich auf eine Zusammenarbeit mit Frau Arlt als Behördenmitarbeiterin sehr freuen!

Ihre Stadtteilkoordinatorin Plus
Sonja Kirschning

Für weitere Informationen über und Anregungen von Inka Arlt schauen Sie bitte gerne auf der Internetseite www.inkaarlt.de nach.

*Der Begriff Ready-made (Readymade), englisch für fertig gemacht, gebrauchsfertig hat seinen Ursprung bei Marcel Duchamp. Dieser deklarierte seit 1913/14 normale (Gebrauchs-)Objekte, welche er aus ihrem alltäglichen Zusammenhang, ihrer üblichen Umgebung herausholte, zu Kunstwerken.

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Mit der Kamera durch den Kiez“ enthalten, das im September 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit der Kamera durch den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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