Die Brache in der Hochstraße 46 am S-Bahnhof Humboldthain soll bebaut werden. Ein Immobilienfonds will ein Hotel errichten. Ludwig Eben, er betreibt den angrenzenden Humboldthain Club, ist beunruhigt.

Kann das gutgehen? Ein Club in Partylautstärke im Keller des S-Bahnhofs und kaum einen Steinwurf entfernt ein neues Hotel? Clubchef Ludwig Eben ist in Alarmstimmung. „Üblicherweise wurde kein Betroffener informiert, damit erstmal Tatsachen geschaffen werden können“, antwortet er verärgert. Von den Bauplänen hat er erfahren, weil das Brunnenmagazin ihn gefragt hat, was er denn wisse. Offenbar war ihm bis dahin nicht bekannt, dass ein Immobilienfonds das Grundstück Hochstraße 46 bebauen möchte. Das Grundstück ist eine Brache zwischen Spielplatz und bereits existierenden Miethäusern in der Hochstraße. Ludwig Eben befürchtet, dass durch die neuen Nachbarn Lärmschutzklagen auf ihn zukommen. Stichwort: Clubsterben.
Periskop spricht von Hotel, nicht von Wohnungen
Ein Pressesprecher der Periskop, einem Immobilienentwickler, sagt, dass nicht Mikrowohnungen, sondern eine Beherbergungsstätte gebaut werden solle. Damit widerspricht er Überschriften, die mit Immobilien befasste Medien wählten: „Periskop kauft Areal für Mikroapartments in Berlin-Wedding“. Oder: „Periskop kauft Areal für Mikroapartments in Berlin“. Von 120 Mikro-Apartments auf einem 1.400 Quadratmeter großen Grundstück ist in diesen Berichten die Rede.
Damit ist wohl zumindest die Idee eines neuen Bürogebäudes vom Tisch. Das wollte ein anderer Investor (die Project-Immobilien) vor zwei Jahren noch bauen.
„Die Nutzung des Gebäudes wird nach aktuellem Planungsstand ausschließlich gewerblich sein“, sagt der Pressesprecher von Periskop. Er versichert: „Ein angemessener Schutz gegen Außenlärm für das Aparthotel wird Teil der Planung werden.“ Zudem lege man Wert auf einen offenen Austausch mit den Anwohnern. Mit Blick auf den Humboldthain Club teilt der Sprecher mit: „Periskop steht der Berliner Clubkultur positiv gegenüber und befürwortet eine Koexistenz von Nachtleben und Aparthotel in der Innenstadt im Sinne einer lebendigen Hauptstadt.“
Nebenbei: Im Detail ist eine Unterscheidung zu machen. So ist Periskop nicht Eigentümer des Grundstücks, sondern lediglich Berater des Immobilienfonds, der in der Hochstraße 46 bauen möchte. Eigentümer ist ein Fonds, der auf Baulandentwicklung spezialisiert ist und den Namen „Land Development Fund V“ trägt. 47 Millionen Euro umfasst der im 4. Quartal 2023 gestartete Fonds, der in sieben deutschen Städten investiert.
Bezirksamt: Kein Gefahr für Humboldthain Club
Das Bezirksamt teilt mit, dass der geplante Neubau in einem sogenannten beschränkten Arbeitsgebiet liegt. Damit seien Apartments im Sinne von Wohnungen nicht zulässig. Für den Clubbetreiber sieht das Bezirksamt deshalb keine Gefahr. „Im beschränkten Arbeitsgebiet sind nur Vorhaben zulässig, die als gewerbliche Nutzungen keinen erhöhten Schutzanspruch gegen Lärm reklamieren können“, erklärt das Bezirksamt auf Anfrage.
Ludwig Eben ist trotzdem nicht beruhigt: „Was heißt: kein erhöhter Schutzanspruch? Besteht also ein Schutzanspruch?“ Er hält weiterhin einen Clubbetrieb neben 120 Mikroapartments mit überhöhter Miete für nicht möglich. Ludwig Eben wünscht sich für die Brache – „wenn schon gebaut werden soll“ – eine Mischung aus Studios, Werkstätten, Ateliers, Working Stations. Das wären Pläne, die nicht „auf Verdrängung und peinlicher Gewinnmaximierung“ ausgelegt seien, so Ludwig Eben.


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