Die Gerichtstraße ist mit der rechts ansteigenden Grenzstraße zur 1897 fertiggestellten Grenzstraßenbrücke über die Gleise der Berlin-Stettiner Eisenbahn zu sehen. Dahinter befindet sich ein Bau der jetzigen Humboldthain-Grundschule vom Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Im Vergleich zu 1907: der heute nahezu unverbaute freie Blick zu den Hinterhäusern der Hochstraße nahe dem S-Bahnhof Humboldthain.


Nach dem Hochgericht, der Hinrichtungsstätte auf dem Galgenplatz, seit 1861 Gartenplatz, wurde die Gerichtstraße auf den Wedding-Ländereien 1827 benannt. Der Grenzweg zwischen der Berliner Feldmarkt und dem Vorwerk Wedding erhielt 1872 die Bezeichnung Grenzstraße. Erst mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 kam das Gebiet südlich der Grenzstraße bis Bernauer Straße zum Bezirk Wedding.
Mit dem Eckhaus Gerichtstraße 1 zur Grenzstraße 11, errichtet im Stil der Gründerzeit nach Plänen des Architekten und Maurermeisters Wilhelm Dabbert jun., wurde 1899 auf schwierigem Terrain die Bebauung des Blocks abgeschlossen. Um die Niveaus auszugleichen, wurde die Erdgeschosszonen jeweils den Bürgersteigen angepasst. Die übliche Normalhöhe der Räume des Erdgeschosses befindet sich nur auf der Seite zum Nachbarhaus Grenzstraße 10. Zur Gerichtstraße entstand sogar noch ein Zwischengeschoss. An der Ecke befand sich einst das Buttergeschäft von M. Bachmann. Vor den beiden großen Schaufenstern befanden sich schöne kunstgeschmiedete Gitter.
Gerichtstraße: Stellwerk wurde 2018 abgetragen
Am schräg gegenüberliegenden Grundstück Grenzstraße 7 an der Grenzstraßenbrücke wurde 1911 ein elektronisches Stellwerk eröffnet, das den Namen Nordturm (Ntm) trug. Hier wurden die Ein- und Ausfahrten der Züge des Berlin-Stettiner Bahnhofs (ab 1950 Berlin-Nordbahnhof) koordiniert. Nach Schließung 1952 war das Stellwerk noch bis 1994 für den S-Bahn-Verkehr in Betrieb. Im Jahr 2018 wurde der erhaltenswürdige Bau der Eisenbahngeschichte abgetragen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde durch die Nähe der Gleisanlagen und des Flakbunkers im Humboldthain hier fast alle Gebäude vollständig zerstört. Die Reste des stark beschädigten Wohnhauses Grenzstraße 9 sind um 1960 abgetragen worden. Heute befindet sich an der Ecke eine Kfz-Werkstatt.
Text und Fotos: Ralf Schmiedecke
Weitere historische Aufnahmen aus dem Brunnenviertel im Vergleich mit aktuellen Vergleichsfotos von Ralf Schmiedecke gibt es hier: Gestern & heute

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