Uta Francisco dos Santos kommt, Stadtrat Ephraim Gothe geht. Das ist in einem Satz die Veränderung, die die Berlin-Wahl am 20. September sicher für den Bezirk Mitte bringen wird. Die Parteien haben ihre Spitzenkandidaten aufgestellt. Das Rennen um das Amt des Bürgermeisters und die fünf Stadtratsposten hat begonnen.
Vor der Wahl kommt die Aufstellung der Bewerberinnen und Bewerber. Wer in Mitte Bürgermeister oder Stadtrat werden will, muss zunächst die Mitglieder der eigenen Partei überzeugen. Die Berlin-Wahl beginnt im Bezirk damit, dass die Parteien ihre Bewerber für die Ämter Stadtrat und Bezirksbürgermeister bestimmen.

SPD setzt auf Uta Francisco dos Santos
Bei der SPD gibt es mit Blick auf die Stadträte die größte Neuerung: Statt Ephraim Gothe schickt die Partei dieses Mal Uta Francisco dos Santos ins Rennen.
Ein Wechsel, der erstaunlich leise vor sich ging. Ephraim Gothe, der in diesem Jahr 62 Jahre alt wird, trat nicht mehr an. Die Gründe teilte er nicht mit. Ephraim Gothe kann viel Erfahrung vorweisen, ist seit 2017 Stadtrat für Stadtentwicklung in Mitte und davor war er bereits von 2006 bis 2011 Stadtrat. Glücklos war seine Zeit als Staatssekretär; ein Amt unter dem damaligen Senator Michael Müller. Nach nur zwei Jahren musste Ephraim Gothe diese Stelle aufgeben. Auf Instagram schreibt Ephraim Gothe nichts über seinen Rückzug, erwähnt den Kreisparteitag vom 22. November, an dem die SPD-Mitte ihre Spitzenkandidaten wählte, nicht einmal.
Nun soll statt seiner Uta Francisco dos Santos für die SPD Einfluss im Bezirk nehmen und Stadträtin werden. Die Webseite der SPD-Berlin nennt sie sogar Bürgermeisterkandidatin. Informationen über sie finden sich dort allerdings nicht. Auch der Kreisverband der SPD nennt sie Bürgermeisterkandidatin und stellt sie bislang ebenfalls nicht vor.
Im Wedding ist Uta Francisco dos Santos bekannt, weil sie seit Längerem die Spielstraße in der Glasgower Straße organisiert (Utas Spielstraße für den Kiez). Und sie engagiert sich im Familienzentrum Zukunftshaus. Wer sich in der Sportszene auskennt, ist ihr beim Schwimm-Club Wedding Berlin begegnet, wo sie stellvertretende Kinder- und Jugendwartin ist.
In der SPD ist sie im Vorstand der Abteilung 23 Rehberge, sie ist dort Co-Vorsitzende. Und sie ist tätig in der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Im Beruf arbeitet sie in der Abteilung Leitungsstab des Senators Stefan Evers. Dort ist sie verantwortlich für Gremienangelegenheiten, wie ein Organigramm der Senatsverwaltung für Finanzen zeigt. Einen Instagram-Account hat die Kandidatin kürzlich angelegt, auch für ihr Spielstraßen-Engagement hat sie ein Profil.
Einen zweiten Kandidaten für ein zweites Stadtratsamt hat die SPD nicht aufgestellt. Das kann so verstanden werden, dass sie auf ein gutes Ergebnis, dass ihr zwei Stadträte ermöglichte, nicht hofft.
CDU nominiert Carsten Spallek als Bürgermeisterkandidaten
Die CDU war am schnellsten. Schon am 11. Oktober wählte die Partei in Mitte alle Kandidaten von Abgeordnetenhaus bis Bezirk. Als Stadträte sollen weiterhin Carsten Spallek und Benjamin Fritz kandidieren. Wobei Carsten Spallek der Kandidat fürs Bürgermeisteramt ist.

Carsten Spallek ist derzeit Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste. Carsten Spallek trägt bereits seit 2009 Verantwortung als Stadtrat. So war er im Bezirk bereits verantwortlich für Stadtentwicklung und für Schule. Ein unüblicher Vorgang: 2021 hätten ihn die Bezirksverordneten bei der Wahl zum Stadtrat beinahe durchfallen lassen.
Benjamin Fritz kandidiert erneut für das Bezirksamt
Benjamin Fritz ist seit der Nachwahl 2023, bei der die CDU deutlich zulegte, Stadtrat für Sport und Schule. Nach seiner Ausbildung und einem Studium in der Gesundheitsverwaltung arbeitete er bei einer Krankenkasse. In der Bezirksverordnetenversammlung sitzt er bereits seit 2016. Nun kandidiert er erneut.

Linke schicken Christoph Keller ins Rennen
Behalten die derzeitigen Wahltrends und Umfragen Recht, dann darf sich Christoph Keller von den Linken Hoffnung machen, Bezirksbürgermeister zu werden. Denn im Moment gewinnen die Linken starken Zuspruch und im Bezirk Mitte sind die progressiven Parteien traditionell stärker (wenn man die Parteien in progressiv und konservativ einteilen will). Zumindest ist Christoph Keller mit Blick auf die zurückliegenden Wahlen der natürliche Herausforderer der aktuellen Bürgermeisterin Stefanie Remlinger. Am 6. Dezember haben Die Linken Christoph Keller zu ihrem Bürgermeisterkandidaten gekürt.

Christoph Keller ist für die Linke Bezirksbürgermeisterkandidat in Mitte. Foto: Andrei Schnell
Christoph Keller hat im Wedding 2013 über die Stadtteilvertretung „Mensch Müller“ in die Politik gefunden. Über Stationen als politischer Referent mehrerer Entscheider wechselte er 2021 in die Verantwortung, das heißt, er ist seitdem Stadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit.
Grüne setzen auf Kontinuität mit Stefanie Remlinger
So wie fast alle Parteien in Mitte ihre bisherigen Stadträte erneut ins Rennen schicken, haben auch die Grünen ihre bisherigen zwei Spitzen aufgestellt. Auch sie haben sich dafür entschieden, entsprechend der Wahltrends nicht einen zu viel und nicht einen zu wenig zu benennen.

Bürgermeisterin soll wieder Stefanie Remlinger werden. Ihre Chancen stehen gut, denn traditionell sind die Grünen in Mitte stark. In ihr Amt kam sie 2022, nachdem ihr Vorgänger Stephan von Dassel von den Bezirksverordneten abgewählt wurde. Die Bezirkspolitiker warfen ihm damals vor, bei der Besetzung einer wichtigen Stelle im Bezirk, geschummelt zu haben. Stefanie Remlinger war lange Zeit im Bezirk Pankow aktiv und brachte sich als Bildungs- und Haushaltspolitikerin im Abgeordnetenhaus ein.
Christopher Schriner erneut Stadtratskandidat der Grünen
Christopher Schriner kam als Nachfolge für Almut Neumann ins Amt des Stadtrats für Straßen und Grünflächen. Almut Neumann hatte ihr Amt niedergelegt, weil sie im Frühjahr 2024 zwei Kinder zur Welt brachte. Christopher Schriner arbeitete vorher als Partner in einem Stadtentwicklungsbüro.

Bezirksamt: Kandidaturen ohne Garantie auf ein Amt
Auch auf Bezirksebene vergeben die Parteien gern die gesetzlich nicht existierende Rolle eines Kandidaten, um ihren Anliegen ein Gesicht zu geben. Doch tatsächlich stehen diese Nominierungen unter Vorbehalt. Denn es gibt keine Vorschrift und keinen Automatismus, der Spitzenkandidaten ein Anrecht auf ein Amt verleiht. So plakatierte die SPD im Jahr 2016 Christian Hanke als ihren Bürgermeisterkandidaten, um ihn nach der Wahl auf die Hinterbank zu setzen.
Entscheidung fällt in der Bezirksverordnetenversammlung
Entscheidend für die Wahl für Bürgermeister und Stadträten ist die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Die BVV wählt die Stadträte. In der BVV können die Parteien Vorschläge für die einzelnen Posten nach freiem Ermessen machen. Sie können auch Personen von außerhalb benennen – und sie können auch Personen einbringen, die im Wahlkampf keine Rolle spielten. Und dies passiert auch regelmäßig. Merke: Auf Bezirksebene werden Parteien, nicht Kandidaten gewählt.
Weiterlesen zu den Kandidierenden
- Unser Beitrag über die Spielstraße Glasgower Straße stellt auch Uta Francisco dos Santos vor.
- Spitzenkandidat Carsten Spallek hat eine eigene Webseite.
- Stadtrat Benjamin Fritz informiert über sich auf einem Instagram-Kanal.
- Augenzwinkernd hat Christoph Keller seinen Auftritt in Instagram Rathaus_Keller genannt.
- Die Bürgermeisterin Stefanie Remlinger nutzt auf Instagram den Kanal stefremlinger.
- Stadtrat Christopher Schriner ist ebenalls auf Instagram.
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