Die SPD tritt mit einer neuen Kandidatin in Berlin-Mitte an. Alexandra Wend zieht statt dem langjährigen Stadtrat Ephraim Gothe in den Wahlkampf. Sonst gibt es keine Veränderungen beim kandidierenden Spitzenpersonal im Bezirk Mitte. Hier sind die Kandidaten, die bei der bei der Berlin-Wahl (und Bezirkswahl) am 20. September Bezirksbürgermeister oder Stadtrat werden wollen.
Update nach der Wahl: Wie Wedding und Gesundbrunnen gewählt haben und wie die Ergebnisse in Mitte aussehen, zeigen wir in unserem Beitrag „Berlin-Wahl 2026: Wahlergebnisse für Wedding, Gesundbrunnen und Mitte“. Inzwischen steht auch fest: Die Linke will Christoph Keller als neuen Bezirksbürgermeister vorschlagen. Mehr dazu steht in den Wedding-Nachrichten vom 25. September 2026.
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Vor der Wahl kommt die Aufstellung der Bewerberinnen und Bewerber. Wer in Mitte Bürgermeister oder Stadtrat werden will, muss zunächst die Mitglieder der eigenen Partei überzeugen. Die Berlin-Wahl beginnt im Bezirk damit, dass die Parteien ihre Bewerber für die Ämter Stadtrat und Bezirksbürgermeister bestimmen.
SPD setzt auf Alexandra Wend
Bei der SPD gibt es mit Blick auf die Stadträte die größte Neuerung: Statt Ephraim Gothe hatte die Partei zunächst Uta Francisco dos Santos für das Rennen nominiert. Später wurde diese Entscheidung revidiert und Alexandra Wend ist nun das Gesicht der SPD in Mitte. Mehr zu dem Fall steht im Beitrag „SPD Berlin-Mitte: Wechsel an der Spitze mitten im Wahlkampf“.

Die Ablösung vom langjährigen Spitzenkandidaten und Bezirksstadtrat Ephraim Gothe, ging erstaunlich leise vor sich. Warum er nicht mehr antrat, teilte der 62-jährige Politiker nicht mit. Ephraim Gothe kann viel Erfahrung vorweisen, ist seit 2017 Stadtrat für Stadtentwicklung in Mitte und davor war er bereits von 2006 bis 2011 Stadtrat. Glücklos war seine Zeit als Staatssekretär; ein Amt unter dem damaligen Senator Michael Müller. Nach nur zwei Jahren musste Ephraim Gothe diese Stelle aufgeben. Auf Instagram schreibt Ephraim Gothe nichts über seinen Rückzug, erwähnt nicht einmal den Kreisparteitag vom 22. November 2025, an dem die SPD-Mitte ihre Spitzenkandidaten wählte.
Zunächst sollte statt seiner Uta Francisco dos Santos für die SPD Einfluss im Bezirk nehmen und Stadträtin werden. Im Wedding ist Uta Francisco dos Santos bekannt, weil sie seit Längerem die Spielstraße in der Glasgower Straße organisiert (Utas Spielstraße für den Kiez). Und sie engagiert sich im Familienzentrum Zukunftshaus. Wer sich in der Sportszene auskennt, ist ihr beim Schwimm-Club Wedding Berlin begegnet, wo sie stellvertretende Kinder- und Jugendwartin ist. In der SPD ist sie im Vorstand der Abteilung 23 Rehberge, sie ist dort Co-Vorsitzende. Nach dem Rückzug Uta Francisco dos Santos wurde Alexandra Wend Spitzenkandidatin.
Alexandra Wend arbeitet als Referatsleiterin in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung. Die Volljuristin verfügt laut SPD über langjährige Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung, in der Personalführung sowie im Umgang mit öffentlichen Haushalten.
Politisch engagiert sie sich unter anderem als stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD Pankow und bei den SPD-Frauen auf Landesebene. Zu ihrer Nominierung erklärte Wend: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Mitte ein Bezirk bleibt, in dem sich alle Menschen zuhause fühlen können – mit bezahlbaren Mieten, sicheren öffentlichen Räumen und lebenswerten Kiezen für Familien, ältere Menschen und junge Menschen gleichermaßen.“
Einen zweiten Kandidaten für ein weiteres Stadtratsamt hat die SPD nicht aufgestellt. Das kann so verstanden werden, dass sie nicht auf ein gutes Ergebnis hofft, das ihr zwei Stadträte ermöglichen würde.
CDU nominiert Carsten Spallek und Benjamin Fritz
Die CDU war am schnellsten. Schon am 11. Oktober 2025 wählte die Partei in Mitte alle Kandidaten von Abgeordnetenhaus bis Bezirk. Als Stadträte sollen weiterhin Carsten Spallek und Benjamin Fritz kandidieren. Wobei Carsten Spallek der Kandidat fürs Bürgermeisteramt ist.

Carsten Spallek ist derzeit Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste. Er trägt bereits seit 2009 Verantwortung als Stadtrat. So war er im Bezirk bereits verantwortlich für Stadtentwicklung und für Schule. Ein unüblicher Vorgang: 2021 hätten ihn die Bezirksverordneten bei der Wahl zum Stadtrat beinahe durchfallen lassen.
Benjamin Fritz ist seit der Nachwahl 2023, bei der die CDU deutlich zulegte, Stadtrat für Sport und Schule. Nach seiner Ausbildung und einem Studium in der Gesundheitsverwaltung arbeitete er bei einer Krankenkasse. In der Bezirksverordnetenversammlung sitzt er bereits seit 2016. Nun kandidiert er erneut.

Linke schicken Christoph Keller ins Rennen
Behalten die derzeitigen Wahltrends und Umfragen Recht, dann darf sich Christoph Keller von den Linken Hoffnung machen, Bezirksbürgermeister zu werden. Denn im Moment gewinnen die Linken starken Zuspruch und im Bezirk Mitte sind die progressiven Parteien traditionell stärker. Zumindest ist Christoph Keller mit Blick auf die zurückliegenden Wahlen der natürliche Herausforderer der aktuellen Bürgermeisterin Stefanie Remlinger. Am 6. Dezember 2025 haben Die Linken Christoph Keller zu ihrem Bürgermeisterkandidaten gekürt.

Christoph Keller ist für die Linke Bezirksbürgermeisterkandidat in Mitte. Foto: Andrei Schnell
Christoph Keller hat im Wedding 2013 über die Stadtteilvertretung „Mensch Müller“ in die Politik gefunden. Über Stationen als politischer Referent mehrerer Entscheider wechselte er 2021 in die Verantwortung, das heißt, er ist seitdem Stadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit.
Grüne setzen auf Stefanie Remlinger und Christopher Schriner
So wie fast alle Parteien in Mitte ihre bisherigen Stadträte erneut ins Rennen schicken, haben auch die Grünen ihre bisherigen zwei Spitzen aufgestellt. Auch sie haben sich dafür entschieden, entsprechend der Wahltrends nicht einen mehr und nicht einen weniger zu benennen.

Bürgermeisterin soll wieder Stefanie Remlinger werden. Ihre Chancen stehen gut, denn traditionell sind die Grünen in Mitte stark. In ihr Amt kam sie 2022, nachdem ihr Vorgänger Stephan von Dassel von den Bezirksverordneten abgewählt wurde. Die Bezirkspolitiker warfen ihm damals vor, bei der Besetzung einer wichtigen Stelle im Bezirk, geschummelt zu haben. Stefanie Remlinger war lange Zeit im Bezirk Pankow aktiv und brachte sich als Bildungs- und Haushaltspolitikerin im Abgeordnetenhaus ein.
Christopher Schriner kam als Nachfolge für Almut Neumann ins Amt des Stadtrats für Straßen und Grünflächen. Almut Neumann hatte ihr Amt niedergelegt, weil sie im Frühjahr 2024 zwei Kinder zur Welt brachte. Christopher Schriner arbeitete vorher als Partner in einem Stadtentwicklungsbüro.

Die Kandidierenden für die BVV
Die oben genannten Personen sind die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten für die Stadtratsposten und das Amt der Bürgermeisterin oder des Bezirksbürgermeisters. Formell stehen sie für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur Wahl.
Das sind alle Kandidatinnen und Kandidaten für die BVV Mitte, die die Parteien auf Listenplatz 1 oder 2 gesetzt haben. Durch ihre Positionierung weit vorn in der Liste haben sie die besten Chancen, gewählt zu werden:
- Carsten Spallek, CDU (Listenplatz 1)
- Yasin Khalife, SPD (Listenplatz 1)
- Stefanie Remlinger, Grüne (Listenplatz 1)
- Christoph Keller, Linke (Listenplatz 1)
- Beatrix von Storch, AfD (Listenplatz 1)
- Bastian Roet, FDP (Listenplatz 1)
- Yvonne Zibulski, Tierschutzpartei (Listenplatz 1)
- Martin Pohlmann, Die Partei (Listenplatz 1)
- Axumawit Berhe, Volt (Listenplatz 1)
- Sevim Dağdelen, BSW (Listenplatz 1)
- Ceren Witkiewicz, Mera25 (Listenplatz 1)
- Benjamin Fritz, CDU (Listenplatz 2)
- Dorothea Riedel, SPD (Listenplatz 2)
- Christopher Schriner, Grüne (Listenplatz 2)
- Denise Verch, Linke (Listenplatz 2)
- Julian Adrat, AfD (Listenplatz 2)
- Beatrice Höllen, FDP (Listenplatz 2)
- Ronny Schumann, Tierschutzpartei (Listenplatz 2)
- Sabine Taeubner, Die Partei (Listenplatz 2)
- Kalojan Hoffmeister, Volt (Listenplatz 2)
- Jean-Marie Ayikpe, BSW (Listenplatz 2)
- Sophie Asmus, Mera25 (Listenplatz 2)
Bezirksamt: Kandidaturen ohne Garantie auf ein Amt
Auch auf Bezirksebene vergeben die Parteien gern die gesetzlich nicht existierende Rolle eines Kandidaten, um ihren Anliegen ein Gesicht zu geben. Doch tatsächlich stehen diese Nominierungen unter Vorbehalt. Denn es gibt keine Vorschrift und keinen Automatismus, der Spitzenkandidaten ein Anrecht auf ein Amt verleiht. So plakatierte die SPD im Jahr 2016 Christian Hanke als ihren Bürgermeisterkandidaten, um ihn nach der Wahl auf die Hinterbank zu setzen.
Entscheidung fällt in der Bezirksverordnetenversammlung
Entscheidend für die Wahl für Bürgermeister und Stadträten ist die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Die BVV wählt die Stadträte. In der BVV können die Parteien Vorschläge für die einzelnen Posten nach freiem Ermessen machen. Sie können auch Personen von außerhalb benennen – und sie können auch Personen einbringen, die im Wahlkampf keine Rolle spielten. Und dies passiert auch regelmäßig. Merke: Auf Bezirksebene werden Parteien, nicht Kandidaten gewählt.
Weiterlesen zu den Kandidierenden
- Spitzenkandidatin Alexandra Wend wird auf der Webseite der SPD-Mitte vorgestellt.
- Spitzenkandidat Carsten Spallek hat eine eigene Webseite.
- Stadtrat Benjamin Fritz informiert über sich auf einem Instagram-Kanal.
- Augenzwinkernd hat Christoph Keller seinen Auftritt in Instagram Rathaus_Keller genannt.
- Die Bürgermeisterin Stefanie Remlinger nutzt auf Instagram den Kanal stefremlinger.
- Stadtrat Christopher Schriner ist ebenalls auf Instagram.
Weiterlesen zur Berlin-Wahl
Viele weitere Texte zur bevorstehenden Wahl sind auf der Seite Berlin-Wahl 2026 zu finden. Unser Schwerpunkt liegt auf Aspekten, die Wedding und Gesundbrunnen betreffen.

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