Berlinale: Auf dem roten Teppich im Wedding

Die Berlinale bringt derzeit wieder viele neue und interessante Filme in die Hauptstadt. Mittellpunkt ist der Potsdamer Platz – mit rotem Teppich, Weltpremieren und vielen Stars. Doch durch die Reihe „Berlinale goes Kiez“ haben auch die kleinen, engagierten Kinos in den Stadtteilen eine Chance auf etwas Filmfestspiel-Glanz und auf viele neue Besucherinnen und Besucher. Am Samstag (15.2.) wurde Berlinale goes Kiez im City Kino Wedding eröffnet. Ein Bericht mit Ausblick auf weitere Kinovorstellungen.

Gut gelaunt: Das Team des City Kino Wedding am Berlinale-Tag. Foto: Hensel
Gut gelaunt: Das Team des City Kino Wedding am Berlinale-Tag. Foto: Hensel

Berlinale-Profis wissen, wie man an die begehrten Karten kommt. Drei Tage vor einer Vorstellung muss um Punkt zehn Uhr morgens vor dem Computer und der Berlinale-Webseite sitzen, wer ein Ticket ergattern möchte. Oft ist zehn Uhr zehn schon zu spät. Doch manchmal hilft auch das Glück ein wenig mit…

Von der Warteliste zur Berlinale

Wer am Samstag (15.2.) zum 14 Uhr-Film ins City Kino Wedding in der Müllerstraße 74 ging, konnte das Pärchen auf dem kleinen Sofa nicht übersehen. Der Mann hielt tapfer ein Pappschild in die Luft. „Suche zwei Karten“ stand darauf. Später kam eine weitere Frau mit einem Schild: „Ticket gesucht!“ Die drei waren offenbar nicht allein mit ihrem Wunsch nach Restkarten. Denn als Kinobetreiberin Andrea Stosiek kurz vor Beginn der Vorführung die Warteliste aufrief, standen fast ein Dutzend Menschen vor ihr.

Alle hatten Glück. Trotz des ausverkauften Saals waren einige Plätze noch frei. Irgendwer kommt immer nicht, weiß Andrea Stosiek: „Vielleicht wegen des Wetters, des Schnees“. Ob einfach nicht daran gedacht, Tickets vorher zu besorgen, zu langsam geklickt oder nicht mit dem digitalen Einkauf klargekommen (so die Erklärungen) – wer an diesem Tag auf der Warteliste stand, bekam noch eine Kinokarte. Auch der Mann mit dem Schild und der Begleitung aus Kanada, der vor Freude über sein Glück sehr gern fürs Foto posierte.

Glücklicher Besucher von "Berlinale goes Kiez". Er ergatterte noch eine Restkarte. Foto: Hensel
Glücklicher Besucher von „Berlinale goes Kiez“. Er ergatterte noch eine Restkarte. Foto: Hensel

Das Leben im ländlichen China wandelt sich

Es hat sich gelohnt, zu warten. Der erste Film, der an diesem Samstag im City Kino Wedding lief, war der chinesische Film “生息之地 (Sheng xi zhi di)“ von Huo Meng. Das Familiendrama, das in den 1990er Jahren spielt und im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele mit anderen um den goldenen Bären konkurriert, hatte am Tag zuvor seine Weltpremiere bei der Berlinale. Gleich am Tag darauf lief der Film im Wedding.

Im Zentrum des Films, der in der englischen Übersetzung „Living the Land“ heißt, steht der zehnjährige Chuang. Er lebt in seinem chinesischen Dorf mit vielen bäuerlichen Traditionen in einer Art Großfamilie und mit für moderne, westliche Menschen fast brutal wirkenden Regeln. Dazu gehört, selbst schlimmste Dinge zu ertragen, auszuhalten, immer weiter zu machen, dabei fleißig und folgsam zu sein, sich nicht zu beklagen. In diese ländliche Welt dringen zwischen Hochzeiten, Geburten und Todesfällen allmählich Veränderungen ein wie der kleine Traktor, der die Ochsen ersetzt. Mehrere Generationen werden porträtiert, die versuchen, die Veränderungen in das Leben der Familien-Gemeinschaft zu integrieren.

1, 2, 3 Mal Berlinale goes Kiez

Während das Publikum im Kinosaal auf der Leinwand die sich wandelnden Jahreszeiten und die sich langsam wandelnden Lebensumstände verfolgte, bereitete sich das gut gelaunte Team des City Kino Wedding um Andrea Stosiek im Foyer bereits auf die nächste Berlinale-Vorstellung vor. Denn das City Kino war am Samstag Gastgeber für gleich drei Berlinale-Filme.

Kaum dass Moderatorin Anne Lakeberg das chinesische Filmteam zum Film befragt hatte, drängten die nächsten Besucherinnen und Besucher in den Kinosaal. Die meisten Gäste sind, so stellte Anne Lakeberg bei einer Publikumsbefragung vor dem ersten Film fest, noch niemals im Kino in der Müllerstraße gewesen. Vielleicht mochten sie es genauso wie das chinesische Filmteam, dass unbedingt noch Fotos im Kinosaal oder vor dem Kino machen wollte. Und vielleicht kommen sie mal wieder in das Weddinger Kino in der Müllerstraße 74.

Noch mehr Berlinale im Kiez

Im Sinema Transtopia ist übrigens am Donnerstag, dem 20. Februar, Berlinale goes Kiez-Tag. In dem Kino in der Lindower Straße 20/22 werden zwei Filme gezeigt. Wer ein Ticket haben möchte, sollte gleich am Montag (17.2.) im Berlinale-Onlineshop sein Glück versuchen und nicht auf die Warteliste spekulieren. Alle Berlinale-Standorte und das Programm im Wedding, inklusive Silent Grenn Kulturquartier und Savvy Contemporay, stehen im Beitrag Die Berlinale kommt: Film ab im Wedding! Weitere Vorstellungen von Berlinale goes Kiez in anderen Stadtteilen sind auf der Webseite der Berlinale zu finden.

Plakate an der Müllerstraße wiesen auf die prominente Veranstaltung hin. Foto: Hensel
Plakate an der Müllerstraße wiesen auf die prominente Veranstaltung hin. Foto: Hensel

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