Berlinale goes Kiez: Mein erster Besuch im Sinema Transtopia

Es klingt fast unglaublich: Erst anderthalb Jahre, nachdem das Sinema Transtopia in der Lindower Straße eröffnet hat, habe ich es endlich selbst betreten. Und dann gleich an einem Abend, der kaum passender hätte sein können: „Berlinale goes Kiez“ war am Donnerstag (22.2.) zu Gast im Wedding – und die Warteschlange vor dem Kino zeigte, dass ich nicht die Einzige war, die das Haus zum ersten Mal von innen sah

Der rote Berlinale-Teppich landete am Donnerstag erstmals vor dem Sinema Transtopia
Der rote Berlinale-Teppich landete am Donnerstag erstmals vor dem Sinema Transtopia. Foto: Hensel

Schon beim Reingehen spüre ich, dass dieses Kino anders funktioniert als die üblichen Lichtspielhäuser. Rund 80 Plätze, warmes Licht, ein Programm, das eine transnationale Stadtgesellschaft widerspiegelt – Kino als Begegnungsraum. Genau das beschreibt Kinoleiterin Malve Lippmann in ihrer Einführung. Ihre Idee: Filme zeigen, die zwischen den Kulturen spielen, die Berlin prägen. Ein Satz, der hier keine Floskel ist, sondern die Atmosphäre erklärt: diverse Sprachen, neugieriges Publikum, konzentrierte Stille.

Ein Berlinale-Abend, der ins Kino passt

Die Berlinale hat das Sinema Transtopia erstaunlich schnell für sich entdeckt – und das Programm passt perfekt in diese Umgebung. Der erste Film des Abends, „Shahid“ von Narges Kalhor, erzählt von einer jungen Frau, die ihren Nachnamen in Deutschland ändern möchte und dabei in Konflikt mit Bürokratie, Familiengeschichte und Identität gerät. Verspielte Ebenen, poetische Bilder, historische Rückblenden – ein Wimmelbild aus Erinnerungen und Gegenwart.

Nach der Vorführung findet ein Filmgespräch statt, die Fragen stellt Anne Lakeberg – die ehemalige Kinoleiterin des City Kino Wedding. Wie so oft bei der Berlinale wird auf Englisch gesprochen, doch scheinen darauf eingestellt zu sein. Mehr noch: Auch im Publikum wird viel Englisch geredet. Die Mischung der Sprachen und Kulturen wird in diesem transkulturellen Kino gefeiert.

Ich merke schon da: Ich möchte wiederkommen.

Das angereiste Filmteam des Films "Shahid" auf dem roten Teppich vor dem Sinema. In der Mitte steht die Regisseurin Narges Kalhor
Das angereiste Filmteam des Films „Shahid“ auf dem roten Teppich vor dem Sinema. In der Mitte steht die Regisseurin Narges Kalhor. Foto: Hensel

Kurzfilme, Gongschläge und neue Entdeckungen

Der Abend wird lang – und abwechslungsreich. Die „Berlinale Shorts“ folgen, fünf ganz unterschiedliche Filme, unterbrochen von Gesprächen mit den Filmschaffenden. Draußen im Foyer Limonade und Bier, rote Teppiche und spontane Begegnungen mit Menschen, die diese Kinolandschaft prägen.

Ein Film bleibt besonders hängen: „Ungewollte Verwandtschaft“, in dem Filmemacher Pavel Mozhar sich mit Zwang, Gewalt und familiären Schatten im postsowjetischen Raum auseinandersetzt. Ein anderer, „City of Poets“, zeigt Frauen und Familien im Iran – eine dichte, fotografische Montage voller Erinnerungen und Verlust.

Am Ende ist mein Kopf zu voll für einen Absacker an der Bar. Aber ich gehe mit dem Gefühl hinaus, etwas erlebt zu haben, das im Wedding vielleicht nur an diesem Ort möglich ist.

Moderatorin Anne Lakeberg (links) im Gespräch mit Malve Lippmann, der Leiterin des Sinema Transtopia
Moderatorin Anne Lakeberg (links) im Gespräch mit Malve Lippmann, der Leiterin des Sinema Transtopia. Foto: Hensel

Sinema Transtopia passt gut in den Wedding

Im Wedding sind wir gewohnt, dass sich Kulturen, Sprachen und Lebensgeschichten auf engem Raum kreuzen. Und so wirkt es fast logisch, dass ein Kino wie das Sinema Transtopia hier entstanden ist. Es ist kein Ort, der nur Filme zeigt – es ist ein Ort, der einen Blick auf die Welt anbietet.

Vielleicht ist das ein Grund, warum „Berlinale goes Kiez“ hier eine besondere Stimmung auslöst. Man spürt den Stolz, ein Teil dieser lebendigen Filmkultur zu sein. In der Nähe liegen das Centre Français mit seinem Arthousekino City Kino Wedding und das silent green Kulturquartier, das längst fester Bestandteil der Berlinale geworden ist. Und bald zieht auch das traditionsreiche Arsenal-Kino in den Wedding – ein weiteres Kapitel der Filmkultur, das hier entstehen wird.

Berlinale im Sinema Transtopia
Berlinale im Sinema Transtopia. Foto: Hensel

Mein Fazit: Ich komme wieder!

Der Abend hat mich daran erinnert, warum es so wichtig ist, Orte wie das Sinema Transtopia zu besuchen. Sie eröffnen Perspektiven, erzählen Geschichten, die selten in großen Multiplexen laufen, und bringen Menschen zusammen, die sonst vielleicht nie denselben Raum teilen würden.

Ich war zum ersten Mal dort – aber es bleibt garantiert nicht das letzte Mal.

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