Noch ein Bier auf dem Leo? Geht klar

Was ist das für eine verrückte Idee? Ein Biergarten auf dem Leo. Ist das nicht so, als würde man mit der Axt ein Loch in den Kiel eines sinkenden Schiffes schlagen? Doch falsch gedacht! Der Leopoldplatz ist nicht mehr der alte. Er hat sich offenbar gewandelt. Der Sommergarten Leo, ein Pop-up-Biergarten, funktioniert erstaunlich gut. Statt der Abhängigen kommen Menschen aus dem Kiez auf einen kleinen Feierabendschluck vorbei. Zweimal hat er bereits geöffnet, zuletzt am 6. und 7. August.

Zusammen sitzen unter Bäumen: Blick in den Sommergarten auf dem Leopoldplatz. Foto: Hensel
Zusammen sitzen unter Bäumen: Blick in den Sommergarten auf dem Leopoldplatz. Foto: Hensel

Der Leo wandelt sich

Schon seit einiger Zeit entwickelt sich der Leopoldplatz von einer Problemzone zu einer ziemlich normalen Berliner Ecke. Das Café Leo hat sich von einem mit dem Stabilbaukasten errichteten Stand zu einem Pavillon gemausert, der sogar einen Architekturpreis gewinnt. Beim „Coffee Man“ gibt es guten Kaffee statt schwarzes heißes Wasser. An mehreren Abenden füllt das Sommerkino mit ausgewählten Filmen die Wiese neben der Alten Nazarethkirche. Und einmal im Monat können Design-Shopper beim Weddingmarkt Auserlesenes kaufen. Nun kommt ein Biergarten hinzu.

Noch braucht es Security. Sie begrüßt am Eingang des Zauns freundlich die Besucher und signalisiert allein durch ihre Anwesenheit, wer hier nicht hinein soll. Wer Stress machen will, kann dem an anderen Ecken des Leo nachgehen. Die Botschaft kommt an: Am Versuchsabend gibt es keinen Stress. Die Sicherheitsleute lächeln allen Gästen am Eingang entspannt zu.

Auf das Banner am Kirchgarten werden die nächsten Termine geschrieben. Foto: Hensel
Auf das Banner am Kirchgarten werden die nächsten Termine geschrieben. Foto: Hensel

Ein Biergarten als Experiment

Der Biergarten im Garten der Kirche ist ein Experiment. Sabrina Pützer, die auch den Weddingmarkt und den Flohmarkt auf dem Leo organisiert, probiert hier zusammen mit ihrem Bruder Jonathan Pützer aus, ob die Leute ihn annehmen. Man könnte sagen: Sabrina Pützer wird zur Leo-Unternehmerin. Ihr Biergarten ist zunächst ein Pop-up-Erlebnis. Im Juni gab es erstmals zwei Termine, im August folgten zwei weitere Abende.

Der erste Eindruck: Bier vom Fass gibt es nicht. Flaschenbier (4 Euro) hat etwas von Späti oder extra hipper Bar. Das muss jeder selbst entscheiden. Wer fürs Überlegen etwas länger braucht, kann in der Zwischenzeit Käsespätzle für 9 Euro, ein Glas Weißwein für 5 Euro oder einen Aperol Spritz für 6 Euro bestellen. Zubereitet wird der angesagte Sommerdrink mit einem ordentlichen Schwung Bitterlikör in einem silbernen Campinganhänger. Der ist schon irgendwie cool. Wenn man Glück hat, sprudelt nicht nur der Prosecco, sondern auch die Barkeeperin drauflos. Ihre Worte münden schließlich in den Satz: „Ja, durch den Job hier habe ich wieder Lust auf Gastro bekommen.“

Kleiner, silberfarbener Getränkestand im Sommergarten am Leopoldplatz. Foto: Hensel
Kleiner, silberfarbener Getränkestand im Sommergarten am Leopoldplatz. Foto: Hensel
Zusammen sitzen unter Bäumen: Blick in den Sommergarten auf dem Leopoldplatz. Foto: Hensel
Zusammen sitzen unter Bäumen: Blick in den Sommergarten auf dem Leopoldplatz. Foto: Hensel

Der Gast bekommt Lust auf Gartenlokal

Und der Gast bekommt Lust auf Gartenlokal. Und das nicht als einziger.

Gut besucht ist der Biergarten. Man sitzt gemeinsam auf Bierzeltgarnituren unter hohen Bäumen. Ob es zum guten Ton gehört, mit den Tischnachbarn zu plaudern, liegt an jedem selbst. In Weddings Hausbrauerei Eschenbräu ist es längst üblich, die Nähe des Beieinandersitzens zu nutzen, um andere Menschen flüchtig kennenzulernen. Im Biergarten auf dem Leo entscheidet sich das noch. „Alt er mulig“, wie der Norweger sagt – alles ist möglich.

Für Neugierige sei noch schnell ergänzt: Es gibt entspannte Nebenbei-Live-Musik und die Einladung, eigenes Essen und eine Picknickdecke mitzubringen. Bei der Vor-Ort-Recherche ist das Publikum relativ jung, eher unter 40, und kommt überwiegend aus der direkten Umgebung. Mal mit Säugling, mal im weißen Anzug mit beiger Weste – dazu sieht ein zum Platz getragener Aperol Spritz einfach gut aus. Und ja: Ein Dixi-Klo gibt es auch.

Pop-up-Biergarten Symbolbild: Es wurde viel Aperol Spritz getrunken, aber auch Bier und Weißwein. Foto: Hensel
Pop-up-Biergarten Symbolbild: Es wurde viel Aperol Spritz getrunken, aber auch Bier und Weißwein. Foto: Hensel

Kommt der Biergarten wieder?

Sabrina Pützer entscheidet noch, ob weitere Pop-up-Biergarten-Termine folgen. Wenn nein, haben alle, die noch nicht da waren, etwas verpasst. Wenn ja, können alle, die noch nicht da waren, ein kleines bisschen Leo-Wandel kosten.

Nicht nur Menschen finden im Sommergarten kühle Getränke. Es gibt auch einen Hundetränke. Foto: Hensel
Nicht nur Menschen finden im Sommergarten kühle Getränke. Es gibt auch einen Hundetränke. Foto: Hensel
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