Die Kampagne „4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin“ hat die Menschen auch im Wedding und Gesundbrunnen erreicht. Das Interesse war riesig: An den Ausgabestellen waren die kostenlosen Kartoffeln innerhalb von wenigen Minuten vergriffen. Die Aktion machte nicht nur satt, sondern lenkte auch Aufmerksamkeit auf ein größeres Problem: Überschüsse in der Landwirtschaft und Lebensmittelverschwendung. Jetzt gibt es eine neue Kartoffelkampagne.

Jetzt startet eine neue Kartoffelkampagne – diesmal jedoch mit regionalem Verkauf statt Verschenken. Initiiert wird sie von der Gemüse-Genossenschaft PlantAge aus Frankfurt (Oder). Brandenburger Kartoffeln sollen so nach Berlin und auch in den Wedding/nach Gesundbrunnen kommen.
Rekordernte mit Schattenseiten
Hintergrund ist ein besonders ertragreiches Erntejahr: 2025 wurden deutschlandweit rund 13,4 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet – so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. Auch in Brandenburg fielen die Erträge deutlich höher aus als üblich.
Für Landwirt:innen klingt das zunächst positiv. In der Praxis bedeutet ein Überangebot jedoch oft sinkende Preise. Bleiben große Mengen unverkäuflich, landen Kartoffeln im schlimmsten Fall in Biogasanlagen oder werden zu Tierfutter verarbeitet. Das war auch der Hintergrund der Kampagne „4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin“: Ein betroffener Landwirtschaftsbetrieb aus Sachsen verschenkte seine überschüssigen Kartoffeln lieber, als sie entsorgen zu lassen. Im Brunnenmagazin wurde darüber im Beitrag 4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin: Kostenlose Abholung im Wedding berichtet.


Faire Preise statt Zwischenhandel
„Wir haben sehr viele Kartoffeln im Lager“, sagt auch Frederik Henn von PlantAge. Gemeinsam mit einem weiteren Landwirtschaftsbetrieb aus Brandenburg/Havel will er die eingelagerten Bestände nun direkt an Verbraucher:innen verkaufen – zu fairen Preisen und ohne Zwischenhandel. Unter dem Motto „Kauft Brandenburger Kartoffeln – die Lager sind noch voll!“ können Interessierte über die Webseite www.kartoffelkampagne.farm sehen, welche Betriebe noch Vorräte haben und dort direkt bestellen. Die Lieferung erfolgt anschließend über bestehende Abholstellen.

Brandenburger Kartoffeln im Wedding – Abholung im Kiez
Auch im Wedding und Gesundbrunnen gibt es Möglichkeiten zur Abholung: PlantAge liefert seine Gemüsekisten unter anderem ans Café Freysinn im Brunnenviertel, ans CU.Office in der Genter Straße, zum SuperCoop in der Oudenarder Straße sowie an eine Abholstelle in den Gerichtshöfen an der Gerichtstraße.
Für Frederik Henn liegt der Vorteil der neuen Kartoffelkampagne auf der Hand: „Der Handel dominiert den Markt, drückt Preise und hält Margen hoch – am Ende verlieren Produzent:innen und Verbraucher:innen. Mit der Kartoffelkampagne können wir Überschüsse direkt verkaufen und faire Preise sichern.“


Solidarische Landwirtschaft als Alternative
Neben dem Kartoffelverkauf informiert die neue Plattform unter anderem auch über freie Ernteanteile in solidarischen Landwirtschaftsbetrieben (SoLaWi). Dabei binden sich Haushalte für eine Saison an einen Hof und erhalten regelmäßig regionales Gemüse. Das gibt Planungssicherheit für die Landwirt:innen und stabile Preise für die Kund:innen. Die Kampagne setzt auf genau diese direkten Beziehungen zwischen Stadt und Land – als Alternative zu anonymen Lieferketten und Wegwerfstrukturen.
Kurz & praktisch
- Bestellung: www.kartoffelkampagne.farm
- Abholung auch bei Verteilstellen im Wedding/Gesundbrunnen, unter anderem im Café Freysinn (Brunnenviertel), in den Gerichtshöfen (Gerichtstraße), bei CU.Office (Genter Straße) oder bei SuperCoop (Oudenarder Straße)
- Ziel: regionale Versorgung, faire Preise, weniger Lebensmittelverschwendung
Transparenzhinweis: Autorin Dominique Hensel ist Mitglied der Genossenschaft PlantAge und erhält wöchentlich eine Gemüsekiste. Dieser Beitrag entstand auf ihre Initiative, ohne Gegenleistung.
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Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

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