Campus Tegel kommt fünf Jahre später – vielleicht

Die Senatsbauverwaltung hat das Projekt „Campus Tegel“ um fünf Jahre verschoben. Damit kann sich die Berliner Hochschule für Technik (BHT) nicht wie geplant 2030 auf das ehemalige Flughafengelände ausdehnen. Die Verschiebung steht im Zusammenhang mit den Haushaltskürzungen des Senats. Das Problem: Die BHT ist eigentlich für 6.000 Studierende ausgelegt. Heute studieren dort aber knapp 13.000 Menschen. Um dem Platzmangel zu begegnen, sollte es neben dem Hauptcampus im Wedding einen zweiten Standort in Tegel geben. Umzug sollte nach bisherigen Plänen 2030 sein.

Das Haus Gauß der Berliner Hochschule für Technik. Foto: Hensel
Das Haus Gauß der Berliner Hochschule für Technik. Foto: Hensel

BHT-Präsidentin Dr. Julia Neuhaus kommentiert die aktuelle Entwicklung mit einem Vergleich mit dem Wissenschaftsstandort Adlershof. „Wir haben die Blaupause der Entwicklung eines solchen Zukunftsortes in Adlershof. Durch kluge Investitionen können dort selbst in Rezessionszeiten zweistellige Umsatzsteigerungen und eine wachsende Zahl an Unternehmen, Arbeitsplätzen und vielfältige Innovationen erwirtschaftet werden“, so Dr. Neuhaus. Sie stellt in ihrem Kommentar mehrere Fragen: „Wie lange wollen wir auf ein prosperierendes weiteres Innovationszentrum verzichten? Als Stadt, die vom Wissen und ihrer Innovationskraft lebt, woraus soll sich das Land ohne weitere Wachstumsflächen hin entwickeln?“ Zudem fragt die BHT-Präsidentin, wie viele stillgelegte denkmalgeschützte Flughafenterminals Berlin unterhalten will. Durch die Verschiebung rechnet der Senat mit einer Kostensteigerung. Statt den ursprünglich geplanten 500 Millionen Euro soll der Umbau über 800 Millionen Euro kosten.

Das ehemalige Flughafengebäude in Tegel. Hier soll die BHT einziehen. Foto: Hensel
Das ehemalige Flughafengebäude in Tegel. Hier soll die BHT einziehen. Foto: Hensel

Für die Berliner Hochschule für Technik im Wedding bedeute die Verschiebung des Umzugs: „Weiter studieren im Provisorium – zum Glück sind unsere Profs. und Lehrenden so super, dass unsere Studis inhaltlich nicht drunter leiden.“ Trotzdem sieht Dr. Julia Neuhaus mit Sorge auf die Entwicklung für die Fachkräfteausbildung im MINT-Bereich. „Als Ökonomin und Berlinerin verstehe ich die Investitionsentscheidungen nicht. Es wird ein weiteres Mal an dem Ast gesägt, auf dem die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sitzt“, so ihr Kommentar. Die nun erfolgte Verschiebung von Umbau und Umzug sieht die BHT-Präsidentin nicht als Bekenntnis zum zweiten Campus, sondern als ein „klares Vielleicht zum Gesamtprojekt“. „Durch das nunmehr dargestellte Vielleicht wird die Perspektive auf Zusammenwirken von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in Tegel in ferne Zukunft rücken“, so Dr. Neuhaus.

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