Die Berliner Hochschule für Technik (BHT) hat ihre neuen WAL-Labore in der Luxemburger Straße feierlich eröffnet. Auf 8.000 Quadratmetern stehen nun modernste Arbeitsräume für Biotechnologie, Lebensmittel- und Pharma-/Chemietechnik zur Verfügung – ein dringend benötigtes Upgrade nach Jahren provisorischer Labore im Wedding.

Feierliche Eröffnung mit Hans Gerber
Der Zustand der Labore der BHT im Forum Seestraße war zuletzt haarsträubend. Gerade rechtzeitig hat jetzt die Berliner Hochschule für Technik in der Luxemburger Straße die Labore der WAL bezogen. Am Freitag, den 19. Dezember, war feierliche Eröffnung, durch die Hans Gerber, Erster Vizepräsident der BHT, unterhaltsam führte. Ihm war die Freude über das neue Lehrgebäude anzumerken.
„Die Frage, ob es der WAL, die WAL oder das WAL heißt, ist abschließend geklärt“, erklärte Professor Hans Gerber. Das W stehe für weiblich, sagte er augenzwinkernd. Und fügte die orthografische Dudenregel hinzu, dass die Abkürzung für „Weddinger Advanced Laboratories“ das „die“ verlangt, weil es nun einmal die Laboratorien heißt. (Wobei Grammatikfreunden sofort auffallen wird, dass hier nicht das Genus-Die, sondern das Plural-Die Regie führt.)

46 Labore auf 8.000 Quadratmetern
Die Studenten der BHT nutzen die WAL schon seit einiger Zeit, um dort Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie und Pharma-/Chemietechnik zu erlernen. Nun wurde feierlich gewürdigt, dass die BHT 46 neue Labore und mehrere Seminarräume bekommen hat. Der Neubau in der Luxemburger Straße hat über 80 Millionen Euro gekostet. Bei 8.000 Quadratmetern Nutzfläche (und 15.000 Quadratmetern Bruttofläche) hat jeder tatsächlich genutzte Quadratmeter rechnerisch rund 10.000 Euro gekostet. „Geld, das gut angelegt ist“, sagte der Senator für Stadtentwicklung Christian Gaebler. Auch Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra lobte den Neubau.

Design für die Crazy Scientists
Den besten Draht zum Publikum bei der Laboreröffnung fand unangefochten der erste Vizepräsident Professor Hans Gerber. Er versteht es als Redner am besten, die Zuhörer zum Zuhören zu bewegen. Die Wirkung setzte auch sofort ein: Man verstand, dass die Eröffnung der WAL für die BHT ein wichtiges Ereignis ist. Und seine Sätze blieben hängen. Zum Beispiel: „Die Architekten der WAL haben verstanden, was die Crazy Scientists wollen.“ Deshalb sei der Entwurf des Büros Thomas Müller Ivan Reimann Architekten einfach der beste gewesen.
Außerdem berichtete Professor Gerber, dass die WAL zwar später als das Projekt Hochschulteilumzug ins Terminal A des ehemaligen Flughafens Tegel gestartet sei; aber die WAL sei flinker und wendiger gewesen „und hat Tegel locker überholt“. Wobei „locker“ berlintypisch etwas größere Zeiträume meint. Schon 2013 hatte die Weddinger Hochschule den Bau eines neuen Laborgebäudes bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft angemeldet.

Humorvolle Momente: Piñata und Duden-Regeln
Der WAL-Rat, ein Beteiligungsgremium innerhalb der BHT, feierte die Eröffnung des neuen Gebäudes mit der dunkelgrünen Fassade mit einer Art Taufe. Wobei statt des Wurfs einer Flasche Sekt gegen eine Schiffswand hier die Zerschlagung einer Piñata in Form eines Wals anstand. Doch die Pappmachéfigur war widerständig und hielt den Schlägen stand. Vielleicht ist das ein gutes Omen, das bedeutet, dass die WAL-Labore unverwüstlich sind und lange halten werden.
Der WAL-Rat erzählte auch die Anekdote, dass der Name WAL zuerst gefunden worden sei und erst hinterher aus den drei Buchstaben die Wedding Advanced Laboratories geworden seien.

Von desolat zu „State of the Art“
Die Hochschule im Wedding braucht dringend neue Gebäude. Denn statt der durch die Kapazitäten rechnerisch vorgesehenen 6.000 Studenten büffeln an ihr derzeit über 12.000. Für BHT-Präsidentin Julia Neuhaus sind die WAL deshalb ein Weihnachtsgeschenk. Viele Räume der BHT sind derzeit ausgelagert, zum Beispiel in die ehemalige Osram-Fabrik (Forum Seestraße). Mit den neuen WAL-Laboren könne die Hochschule ihre Anmietungen zurückfahren, wenn auch nicht vollständig, sagt die Präsidentin.
Zwischen den Zeilen war während der Reden herauszuhören, dass der Zustand der Labore in der Seestraße nicht mehr zeitgemäß war. Übersetzen ließe sich das mit: desolat. Eingeweihte Zuhörer raunten sich zu, dass das LAGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin) gar nicht mehr zur Gesundheitsprüfung gekommen sei, weil sonst eine Schließung unvermeidbar gewesen wäre. Ob das die Wahrheit oder eine illustrative Geschichte ist, konnte nicht ermittelt werden. Auf jeden Fall sind die neuen Labore nun dank leistungsstarker Entlüftung nicht nur hygienisch, sondern in vielerlei Hinsicht „State of the Art“, wie Professor Hans Gerber sagt. Eine saubere Sache also, damit im WAL reine Wissenschaft möglich wird.
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