BÄM! Ein Salon für Comic und grafische Literatur

Zum 8. Mal hat sich am Donnerstag (22.5.) in der Bibliothek am Luisenbad beim „Salon der grafischen Literatur“ alles um Comics gedreht.

Auf dem Platz vor der Bibliothek am Luisenbad präsentierten Verlage ihre Comics und Graphic Novels. Foto: Hensel
Auf dem Platz vor der Bibliothek am Luisenbad präsentierten Verlage ihre Comics und Graphic Novels. Foto: Hensel

Die Bibliothek am Luisenbad ist nicht nur ein schönes Gebäude mit interessanter Geschichte, das zufällig direkt an der Panke liegt. Die Luise ist nicht nur ein Ort, an dem sich jede und jeder mit Bibliotheksausweis nach Herzenslust mit Lesestoff versorgen kann. In dem Haus mit der offiziellen Adresse Badstraße 39, die ein wenig irreführend ist, gibt es auch den Puttensaal und ein wirklich vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Der Musik-Salon Luise bringt den Gesundbrunnen zum Klingen, die Reihe „süß & salzig“ hat zum Gratis-Popcorn spannende Filme und Lesungen gibt es natürlich auch. Gerade hat hier eine Veranstaltung stattgefunden, von der die Öffentlichkeit kaum etwas mitbekommen hat. Was absolut so gewollt ist, denn es handelt sich um eine Veranstaltung für ein Fachpublikum. Zum 8. Mal hat am Donnerstag (22.5.) der „Salon der grafischen Literatur“ stattgefunden, eine Art kleines Comic-Festival.

Wie gesagt: Der Stadtteil hat es kaum bemerkt, die Fachwelt schon. Mehr als 300 Menschen sind aus allen Teilen Deutschlands in die Bibliothek an der Panke gekommen. Die Namensschilder verrieten manchmal, woher eine Person kam. Manchmal kam es im Gespräch heraus. Das Fachpublikum reiste zum Beispiel aus Rostock, Stuttgart, München, Hamburg, Frankfurt, Dresden, Leipzig oder Münster an.

Im 20-Minuten-Takt durch den Comic-Tag

Das Programm des Salons stand dicht gedrängt auf Plakaten, die in und vor der Bibliothek verteilt waren. Lesung, Lesung, Lesung, Vortrag, Lesung, Lesung, Lesung, Lesung, Talk-Panel, Gespräch, Lesung, Lesung, Lesung, Präsentation und Gespräch. Im 20-Minuten-Takt ging es durch den Comic-Tag. Es waren schöne Lesungen dabei, etwa mit Jens Harder, der den 4. Teil seiner grafisch erzählten Geschichte der Menschheit vorstellte („Gamma“, Carlsen Verlag). Oder die Vorstellung von „Im Jugendarrest“ von Patricia Thoma. Mit Bühnentalent stellt sie ihr Projekt vor, bei dem sie mit Jugendlichen in der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg Gedanken und Erlebtes im Comic festgehalten hat. Man möchte sofort in einen Ohrensessel kriechen und sich in dieses oder jenes Buch vertiefen, aber es geht nicht. Es geht schon weiter im Programm.

Im Vortrag ging es um den Einsatz von Comics im Schulunterricht, im Panel-Talk drehte es sich um Comic-Journalismus. Hier und da mussten die Salongäste einfach passen. Zu klein der Raum, zu groß das Interesse. Und dann waren da ja auch noch die Verlage. 20 Verlagshäuser hatten ihre grafische Literatur an den Ständen auf dem Vorplatz der Bibliothek verteilt. Auch hier konnte man sich vertiefen, ins Gespräch kommen, innere Leselisten anlegen. Allein die Menge der ausgestellten Bücher hätte den zufällig Vorbeigehenden sicherlich staunen lassen: So viele Comics! Es ist eine Welt für sich und es ist eine große und bunte Welt mit spannenden Titeln und Themen und einer sehr heutigen Herangehensweise an die Kulturtechnik Lesen.

Fürs Fachpublikum, für den Wedding

Der „Salon der grafischen Literatur“ ist eine Fachmesse. Mitarbeitende von Verlagen, von Bibliotheken, aus Hochschulen, Lehrer:innen, Autor:innen, Zeichner:innen, Menschen von Stiftungen, von Verbänden, aus dem Buchhandel und auch Journalist:innen verschiedenster Medien waren dabei. Und bestimmt noch einige mehr. Was fehlte, war die Nachbarschaft. Allerdings, das muss man fairerweise sagen, kann sich diese angesichts der vielen Veranstaltungen in der Bibliothek am Luisenbad kaum beschweren. Zumal, und hier kommt die positive Wendung, der Salon ein kleines bisschen Comic für den Kiez zurückgelassen hat. Rund um den Salon gibt es nämlich noch das Comixbad. Bis zum 20. Juli präsentieren 19 Verlage im Ausstellungsbereich der Bibliothek ihr aktuelles Programm zum Ausleihen und Stöbern. Und eine Ausstellung zu Jens Harders Büchern (Alpha, Beta 1, Beta 2, Gamma) gibt es auch.

Schließlich warten noch zwei Lesungen auf die Weddingerinnen und Weddinger. Am 27. Mai findet um 19 Uhr die Buchpremiere von „Die letzte Einstellung“ von Isabel Kreitz statt. Das Buch ist im Weddinger Reprodukt Verlag erschienen. Am 20. Juli ist, ebenfalls um 19 Uhr, die Buchpremiere von „Karl Lagerfeld“ von Alfons Kaiser und Simon Schwartz (Verlag C.H. Beck).

Salon der grafischen Literatur 2026

Wie beim diesjährigen Salon zu hören war, soll auch im kommenden Jahr wieder eine solche Veranstaltung stattfinden, wahrscheinlich wieder im Mai – vorbehaltlich der Finanzierung natürlich. In diesem Jahr hatte der Berliner Senat die nötigen Mittel gegeben. Der Bibliothek am Luisenbad, dem offiziellen Veranstalter und Schauplatz des „Salons der grafischen Literatur“, wäre eine weitere Ausgabe der Mini-Comic-Messe zu wünschen.

Mehr über die Veranstaltungen in der Bibliothek am Luisenbad steht auf der Webseite www.berlin.de/stadtbibliothek-mitte/aktuelles/veranstaltungen.

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