Danke liebes Restaurant L’Escargot!

Vor wenigen Tagen stand unser letzter Besuch im Restaurant L’Escargot vor dessen Schließung an. Noch einmal öffneten wir die Tür in den kleinen gemütlichen Gastraum, Abschied nehmen. Wehmut mischt sich in die Vorfreude auf den bevorstehenden Abend.

Das Restaurant L'Escargot in der Brüsseler Straße. Foto: Schnell
Das Restaurant L’Escargot in der Brüsseler Straße. Foto: Schnell

„L’esgargot“ ist französisch für die Schnecke. Und die findet sich als Dekorationsobjekt in Form kleiner und großer Schneckenfiguren im Restaurant überall wieder. Die Schnecke ist aber auch Symbol für „Slow Food“, der bewusste, langsame Genuss von Essen. Und genau darum geht es im Restaurant L’Escargot in der Brüsseler Straße im Wedding.

Jedes Jahr sind wir ein- oder zweimal eingekehrt, gern anlässlich eines Geburtstags. Es sollte ja etwas Besonderes sein, was man sich nicht so oft leistet. Schnell sind wir Fan der Dreigänge-Menüs geworden. Da steckt einfach die gesamte Philosophie des L’Escargot und die Leidenschaft von Küchenchef Martino Maisano drin.

Eher durch Zufall hatte ich davon erfahren, dass das L’Escargot am 21. Dezember 2024 für immer seine Pforten schließen würde. Martino konnte mir meinen gewünschten Reservierungstermin an einem Freitag im November nicht betätigen, weil alle Freitage und Samstag bis zum Betriebsende ausgebucht seien. Angehängt war der Text: „Liebe Gäste, es fällt mir verdammt schwer die richtigen Wörter zu finden, aber irgendwie muss ich es aussprechen können. Vielleicht klingt es so ein bisschen plump aber…Vielen lieben Dank an Euch alle. Liebe Gäste, das L’Escargot schließt endgültig zum 21.12.2024.“

Ein bisschen hatte ich es befürchtet. Denn zuletzt habe ich wahrgenommen, dass im Abendservice lediglich Martino selber und seine langjährige Partnerin tätig waren. Offenbar mussten Kosten gespart werden, und so wurde mit so wenig wie möglich Personal der Betrieb aufrecht erhalten. Sicher ein Kraftakt.

Die Qualität der Gerichte blieb hoch, während die Preise über die Jahre eher langsam gestiegen sind. Als wir rund um 2012 das L’Escargot für uns entdeckten, lag der Menüpreis um die 33 Euro, heute beträgt er 44 Euro. Für die Qualität der Speisen und die aufwändige Zubereitung empfand ich das immer seinen Preis wert, niemals überteuert.

Im L’Escargot hat dich mediterrane Küche mit intensiven Geschmackserlebnissen erwartet. Trotzdem würde ich die Gerichte als bodenständig bezeichnen – nie hast du hier etwas völlig Abgehobenes, schon gar nicht Miniportionen kredenzt bekommen.

Vor allem habe ich die Gemüseküche im L’Escargot geliebt. Nie nur belangloses Beiwerk, das man als Koch eben auf den Teller packt, weil es so sein muss. Auch wenn es sich um ein Fleischgericht handelte, beim L’Escargot lagen mehrere verschiedene Gemüsebeilagen quasi gleichberechtigt auf dem Teller. Das war für mich immer eine Entdeckungsreise.

Wir hatten Glück und haben dann im Dezember noch einen Tisch im L’Escargot ergattern können. Diesen letzten Abend haben wir sehr genossen, auch wenn wir viel über die Gründe der Geschäftsaufgabe spekuliert haben. Zeit für ein persönliches Gespräch blieb an jedem Tag nicht. Das Restaurant war ausgebucht, Küche und Service nahmen Martino und seine Partnerin im Service voll im Beschlag. Vielleicht war das auch willkommen – nicht jeder möchte sein Innerstes in so einer Situation preisgeben. So sind wir auch an diesem letzten Abend gut bedient worden. Wir konnten noch einmal persönlich Danke sagen und uns verabschieden.

Nach 15 Jahren endet nun die Geschichte des Restaurants L’Escargot im Brüsseler Kiez: Danke, tschüss und alles Gute euch!

Text: Susanne Bürger, Fotos: Susanne Bürger, Andrei Schnell

📍 Kiez: ,

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