Kurz vor ihrem 30. Jahrestag gehen die Betreiber des Il Paese, Petra und „Paolo“ Komjathi, in den Ruhestand. Für viele war es der Lieblingsitaliener im Brunnenviertel. Autor Andrei Schnell hat an einem der letzten Tage des italienischen Restaurants in der Demminer Straße vorbeigeschaut.


Ein Dreamteam geht in den Ruhestand
„Dreamteam Petra und Paolo“ haben sich die beiden Komjathis auf der Webseite des italienischen Restaurants genannt. Ende Januar war der der letzte Arbeitstag für das Ehepaar. Damit gehen knapp 29 Jahre Il Paese unter ihrer Leitung zu Ende. „Der Ruhestand ist jetzt perfekt“, sagt Paul „Paolo“ Komjathi. Und Petra Komjathi wirkt erleichtert: „Erstmal wegfahren“, erholen und ausruhen nach den vielen Jahren im Lokal an der Ecke Demminer und Swinemünder Straße.
Vor allem Stammgäste hatten das Lokal besucht. An Tagen, an denen das Il Paese gut gefüllt war, war das vor allem abends der Fall. Ein Nachfolger für die Räume ist gefunden. Künftig wird es nicht mehr Pizza und Spaghetti geben. Indische oder indonesische Küche wird kommen, verraten die beiden Eheleute.
Zu Hause in Charlottenburg
Paul Komjathi stand all die Jahre in der Küche am Herd. Er ist ein gutgelaunter, fröhlicher Mann mit verschmitztem Lächeln. Während für Ehefrau Petra das Leben als Gastronomin „endlich“ endet, fällt ihm der Abschied von den heißen Pfannen und Töpfen schwer. Er kann sich nicht vorstellen, „zu Hause zu sitzen und Fernsehen zu gucken“ und plant, in Charlottenburg einen Imbiss zu eröffnen. Das ist der Stadtteil, in dem er mit seiner Frau wohnt. Doch sie will von Plänen für neue Gastronomie nichts hören.



Der Koch kam einst aus Ungarn
Geboren ist Paul Komjathi in Ungarn. 1979 hat er das Land – das damals noch hinter dem Eisernen Vorhang lag – verlassen. Er habe einige Jahre in der Fremdenlegion gedient, erzählt er. Irgendwann kam er nach Westberlin und kaufte zusammen mit seiner Frau das Il Paese. Offizielle Inhaberin war dabei Petra Komjathi.
Blättert man in alten Zeitungen, um etwas zur Geschichte des Il Paese zu erfahren, dann stößt man auf die Jubiläumsangebote. Zum 20. und zum 25. Jahrestag spendierten die Komjathis jedem Gast ein Glas Sekt. Für gute Freunde gab es dieses Jahr einen Abschiedstrunk während einer geschlossenen Gesellschaft. Die nächste große runde Sache wäre 30 Jahre Inhaberschaft gewesen. Das wäre im März nächsten Jahres gewesen.
Eine Gaststube wie ein Dorf
Il Paese ist das italienische Wort für Dorf. Kein schlechter Name für eine Gaststube in einem Stadtteil wie dem Brunnenviertel, in dem sich manche Nachbarn seit Jahrzehnten kennen – wie in einem Dorf. Alte Telefonbücher verraten, dass der Restaurantname 1983 zum ersten Mal in den Gelben Seiten auftauchte. 1994 übernahmen die Komjathis das Restaurant. Im Oktober 2013 sanierte die Degewo das Eckhaus. Nun wird sich das Stammlokal mancher Menschen aus dem Brunnenviertel kulinarisch wandeln.



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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

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