Montag: Erstmal Kaffee – Wedding früh

Coffee Star, Coffee Man, Flying Roasters, Il Milanese del Tacco und andere: Kaffeestopps gibt es im Wedding und in Gesundbrunnen viele. Und den besten Kaffee gibt es, so sagt ein jeder, natürlich dort, wo einen zufällig der tägliche Weg vorbeiführt. Hier eine Auswahl der Wege des Autors und die damit aus seiner Sicht interessantesten Kaffeestätten.

Spruch zum Kaffee ist gratis

Ein Barista mit ernster Miene, der feierlich die heilige Prozedur der Schäumung zelebriert? Das gibt es beim The Coffee Man am Leo nicht. Harun Dilek bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Und Tatsache ist, dass der Boden, auf dem er mit sich täglich in aller Frühe mit seinem knallroten Kaffeemobil einrichtet, der Leopoldplatz ist. Das heißt, dass der Kaffee durchaus gut sein darf. Aber Chichi würde sich zu weit vom guten Weddington entfernen. Da muss wie bei einem guten Kaffeemilchgetränk, die Mischung stimmen.

Zum Glück trifft The Coffee Man Harun Dilek den richtigen Ton. Und den trifft er auch, wenn er sich mit seinen Kunden die Zeit vertreibt, die ein Espresso braucht, um von der Maschine durchs Kaffeepulver gedrückt zu werden. Ein Spruch, der sitzt, gibt es von Harun Dilek von 7.30 Uhr bis 18 Uhr zum Milchkaffee gratis dazu. Schöne Beispiele für Dialoge im Harun-Style finden sich im Büchlein „Geschichten vom Leopoldplatz“, die Eva-Lena Lörzer gesammelt hat (Buchbesprechung im Beitrag Geschichten vom Leben am Leo). Ich komme, weil der Kaffee hier einen okayen Preis hat, auch wenn ich dafür auf das zum Kaffee eigentlich dazugehörende Kaffeehaus verzichten muss.

The Coffee Man, Leopoldplatz, Mo-Fr 7.30-18 Uhr, Insta: www.instagram.com/coffeemanberlin

Kaffee plus italienischer Wein

Il Milanese del Tacco. Und: Filippo Tritto. Google wirft gleich zwei Schlagzeilen mit Rezensionen, Fotos und Öffnungszeiten aus, wenn man nach dem Café in der Stettiner Straße 63 sucht. Filippo Tritto, das ist Betreiber des „Il Milanese del Tacco“. Aber offenbar ist der Fotograf selbst eine Marke. Kaffee verkauft er ab 8 Uhr. Und weil „Il Milanese des Tacco“ eine Erinnerug an Italien ist, stehen Weine im Regal. Die kann man sogar kaufen. Und sich von Filippo Tritto erklären lassen, was der Name der Bar, „Des Mailänders Ferse“ (Il Milanese des Tacco), mit all dem zu tun hat.

Für mich ist das Café interessant, weil ich Filippo Tritto vor vielen Jahren als Künstler und Fotografen kennengelernt habe. Dass der lebensfrohe Italiener im Kaufhaus des Westens gearbeitet hat und 2013 das „Il Milanese des Tacco“ eröffnet hat, habe ich erst später dazugelernt.

Il Milanese des Tacco, Stettiner Straße 63, Mo-Fr 8-12 und 14-16 Uhr

Ein Brownie wie ein Bonbon

Der Kaffeeladen Flying Roasters in der Hochstraße öffnet erst, wenn im Büro die Frage beginnt, was es heute zu Mittag geben könnte. Also um 10 Uhr. Fürs Homeoffice dagegen ist es die perfekte Uhrzeit für den zweiten Kaffee des Tages. Flying Roasters Kaffee ist in fünffacher Hinsicht bemerkenswert. Denn die Bohnen werden direkt gehandelt, der Handel ist fair, die Kaffeekirschen ökologisch angebaut, das Unternehmen macht öffentliche Buchführung und hochwertiger Spezialitätenkaffee ist auch noch im Topf. Für mich ist der Kaffeeladen auch interessant, weil es dort Brownies gibt. Aber so kleine, dass der Zuckerschock ausbleibt. Ein kleiner bitterer Espresso und ein Biss süßer Kakaokuchen sind hier das perfekte Paar.

Flying Roasters, Hochstraße 34, Mo-So 10-18 Uhr, Web: www.flyingroasters.de

Das Wunder mit dem Sitzplatz

Ironische Wendung: Die Leute haben bei den großen Ketten gelernt, dass man sich für Kaffee auf keinen Fall Zeit nehmen sollte. Dieses Verhalten kommt kleinen Läden wie dem Coffee Star zu Gute. Und das Coffee Star ist klein. Sehr klein. Miniklein geradezu. Und doch finde ich stets, wenn ich – zu zugegebener Maßen seltsamen Zeiten – vorbeischaue, einen freien Hocker. Der Grund meines Kommens ist, wenn ich ehrlich bin, der Tartufo. Das ist kein Trüffel, sondern ein kleines Stück gefüllte Schokolade. In einem großen Glas stehen die Tartufi bunt gemischt bereit. Und ich kann nicht an ihnen vorbeigehen.

Coffee Star, Müllerstraße 146, Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr, Web: www.coffeestar.net

Neuer Name, neuer Kaffee

Aus Attis Café wurde Kawa wurde nun Utopia Coffee. In der Drontheimer Straße gibt es seit 2011 Kaffeebetrieb. Vor kurzem hat Familie Czachowski das kleine Café an einen Nachfolger übergeben. Zunächst haben manche Kunden den Wechsel des Betreibers erst in dem Moment gemerkt, als die Stempelkarten wechselten. Mittlerweile aber haben sich Utopia und Kawa getrennt, es gibt jetzt in der Drontheimer Straße Bohnen aus Charlottenburg. Ich gehe heute aus nostalgischen Gründen und aus Treue ins Utopia. Denn vor vielen Jahren hatte ich im Soldiner Kiez gearbeitet und ich schöne Erinnerungen an Kawa als Ausnahme in einem sonst bodenständigen Kiez habe.

Utopia Coffee, Drontheimer Straße 1B, Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 9-17 Uhr, So 9-16 Uhr, Insta: www.instagram.com/cafeutopia030

Vorfreude auf den neue Kawa

Wie ich diese Zeile schreibe, kommt die Ankündigung: Kawa kehrt zurück. Original. In der Triftstraße wollen Kacper Czachowski und Team schon bald ein neues Café aufmachen. Am 26. Mai soll, so alles klappt, Eröffnung am neuen Standort sein. Ich bin gespannt.

Die Rösterei Kawa eröffnet in der Triftstraße ein neues Café. Foto: Hensel
Die Rösterei Kawa eröffnet in der Triftstraße ein neues Café. Foto: Hensel

Kawa Roastery, Triftstraße 2, geöffnet ab 26. Mai 2025

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