Seit fünf Jahren gibt es nun die Pflicht, Biomüll von Restmüll zu trennen. Hajo Lange ärgert sich über die mangelhafte Umsetzung dieser Maßnahme.

Seit 2019 haben Haushalte (oder Vermieter) die Pflicht, die braunen Tonnen zum Trennen von Bio- und normalem Abfall zu nutzen. Der Inhalt der Biotonnen wird in Ruhleben in der Gäranlage verarbeitet: zu Kompost, Dünger und Biogas. Damit werden unter anderem die Müllautos der Berliner Stadtreinigung (BSR) betankt. Jährlich, so gibt es die BSR online an, werden in Berlin 60.000 Gewichts-Tonnen Biomüll eingesammelt. Aber stimmt das wirklich? Meine Beobachtungen im Kiez lassen mich daran zweifeln.
Verschoben, vergessen, verduftet
So ging ich also seit 2019 mit meinem Küchenabfall (keine Fette – diese vermindern den Zersetzungsprozess des Bioabfalls) zur Biotonne. Bald aber war der Spaß vorbei: Die Behälter waren randvoll, der Geruch entsprechend – und ich konnte mit meinem Abfalleimer wieder umdrehen. Am Ende habe ich das Biogut in der normalen Mülltonne entsorgt – wo es wegen der feuchten Beschaffenheit nicht hingehört und nur schlecht von der BSR verarbeitet werden kann. Aber wohin denn sonst damit?
Müllabholung ausgefallen: Einmal ist keinmal, da wird es Gründe gegeben haben, denke ich. Weit gefehlt! Mittlerweile ist man sich im Kiez einig, dass die Abholung nur erfolgt, wenn es gerade passt und nicht – wie angekündigt – alle 14 Tage. Wir wir können also nicht sehr viel zu den eingesammelten 60.000 Tonnen Bioabfall beitragen. Vielmehr ist es laut Beobachtung im Kiezalltag die Norm, dass sich die Reste stapeln, auch in Tüten abgestellt werden und die Deckel offenstehen, weil die Behälter überfüllt sind. Der Geruch ist besonders im Sommer unerträglich.
Schlacht am stinkenden Buffett
Dabei ist eine Abholung alle 14 Tage bereits recht wenig für Feuchtabfall wie Biomüll. Was passiert eigentlich, wenn so ein Feuchtbiotop vor sich hinlagert? Appetitliche Bakterien, Hefen und Schimmelpilze sammeln sich an. Da ist also Leben in der Tonne. Wenn diese dann so voll ist, dass der Deckel offensteht, verteilen sich ihre Kleinstbewohner auch in der Umgebung – das ist ganz bestimmt nicht gesund und nicht sehr lecker. Klar ist, dass bei diesem ganzen Gewimmel und Gedufte die nächsten Gäste vor der Tür stehen: Jede Ratte weiß, das stinkende Buffet ist eröffnet! Daher gilt, mangelnde Abholung der Tonnen hin oder her, dass neben Fetten auch keine Fleischreste in die braune Tonne gehören, sodass Ratten dem Müll nicht auf die Spur kommen.
Noch aktiver werden
Natürlich haben sich Kiezbewohner bei der BSR gemeldet, haben Bedenken und Verärgerung vorgebracht – bisher ohne Ergebnis. Wir fragen uns, ob Hygiene und Gesundheit Nebensache sind. Nutzungspflicht ja, Abholungspflicht nein? Das ist Müll! Wenn das Kontaktformular ignoriert wird, wäre ein nächster Schritt vielleicht ein Bürgergespräch mit der BSR; das ist so überfällig wie die letzte Abholung. Wer hilft mit?
Text: Hajo Lange

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