Drei Erkenntnisse aus dem Müll-Gipfel 2.0: Es gibt zu viel Müll und in Berlin wird er zu langsam weggeräumt. Wedding ist neben Nord-Neukölln der Hotspot in der Hauptstadt. Erkenntnis drei: Es lohnt sich, gegen Vermüllung vorzugehen. Das und mehr wurde am vergangenen Freitag (21.11.) in der Kornelius-Gemeinde in der Dubliner Straße besprochen.

Wer war dabei?
Der Müll-Gipfel 2.0 war ein Treffen der Experten und Aktivisten. Aus der Politik waren viele Gesichter dabei, ebenso Vertreter:innen der BSR. Auch das Müll Museum aus dem Soldiner Kiez und der Nachbarschaftsverein WIRamLEO und die CleanUp-Gruppe „Saubere Sache“ aus dem Sprengelkiez mischten sich unter die Teilnehmenden. Dazu kamen Vertreter vom World CleanUp Day, das Büro für Bürger:innenbeteiligung und Menschen aus der Bezirksverwaltung.
Wer weniger stark vertreten war, waren der Bürger und die Bürgerin. Auf dem Flur wurde in einer Pause gemutmaßt, warum das so ist und warum zum Beispiel die Mitglieder der gastgebenden Kirchengemeinde nicht gekommen sind. „Ich habe öfter gehört: Das bringt doch nichts“, erzählte eine Frau einer anderen.

Maßnahmen und Erfolge bisher
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) interpretierte das fehlende Feedback anders. „Vor dem ersten Müll-Gipfel waren 80 Prozent der Beschwerden, die mich erreichten, Beschwerden über Müll. Seit dem Müll-Gipfel ist das verschwunden“, sagte Stefanie Remlinger beim Müll-Gipfel 2.0. Sie glaubt, das ist ein gutes Zeichen: „Die Leute sehen, das Thema ist uns nicht egal. Sie sehen uns kämpfen.“ Denn nach dem Müll-Gipfel im Soldiner Kiez habe es viele kostenfreie Sperrmülltage gegeben, besonders in dem Kiez an der Panke. Aber auch die bezirkliche Kampagne „Mitte macht sauber“ wurde gestartet, es gab ein Müllfest auf dem Leopoldplatz und stärkere Kontrollen – mal ging es um Zigarettenkippen, mal um Hundekot.
Die Bezirksbürgermeisterin hofft, dass die Menschen das wahrgenommen haben und sich deshalb weniger beschweren. Sich zu kümmern, so ihr persönliches Resümee, das hilft. Aber ob der normale Bürger, die normale Bürgerin deshalb nicht zum Müll-Gipfel in der Kornelius-Gemeinde gekommen sind? Weil es dort doch aktive Menschen und von Amts wegen mit Müller befasste Leute gibt, die sich schon kümmern? Eine Antwort auf die Frage gibt es nicht.

Umfrageergebnisse und Problemfelder
Die Umfragen, die vor dem zweiten Müllgipfel gemacht wurden, zeigen, dass es auf jeden Fall noch Handlungsbedarf gibt. Insbesondere Verpackungen, Sperrmüll und Zigarettenkippen stören die Teilnehmenden der Umfrage. Die Ergebnisse der Umfrage sind in Diagramme eingeflossen, die beim Müll-Gipfel 2.0. aushingen. Eine andere Grafik zeigte: Menschen beklagen überfüllte Mülltonnen, fehlende Mülltrennung und herumstehenden Sperrmüll. Das liegt, so betonen die Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne), vor allem an der gestiegenen Einwohnerzahl Berlins und der nicht mitgewachsenen Entsorgungsstruktur.

Die Sicht der Verwaltung
„Seit dem Sommer haben wir in Mitte zum Beispiel 700 Schrottfahrräder entsorgt. Aber seitdem sind immer wieder welche hinzugekommen. Vor allem die Geschwindigkeit ärgert uns doch, mit der entsorgt wird“, sagte der für den öffentlichen Raum zuständige Stadtrat. Am besten, so der Stadtrat, wäre dabei natürlich Müll, der gar nicht erst entsteht. Weil er aber doch entstehe, wolle man an verschiedenen Orten lernen. In diesem Jahr beim Müll-Gipfel im Englischen Viertel im Wedding.

Arbeitsgruppen und konkrete Hinweise
Lernen können die Verantwortlichen, wenn sie verstehen, was der Bürger oder die Bürgerin denkt, wo am dringendsten gehandelt werden sollte. Die, die von dieser seltenen Gruppe da waren, konnten ihre Meinung sagen, Anstöße geben. In mehreren Arbeitsgruppen wurde thematisch gearbeitet. Spannend war dabei die Gruppe mit dem Titel „Der Müll soll uns nicht trennen“. Bei der Runde ging es darum, dass sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen gern den Schwarzen Peter beim Herumliegenlassen von Müll zu weisen.
Die Gruppe „Müll-Hotspots in Mitte“ war zwar nicht sehr voll, dafür aber besonders effektiv. Hier wurden ganz konkrete Hinweise über Dreckecken mit Klebepunkten auf eine Karte eingetragen. So gab es nach dem Hinweis einer Nachbarin einen roten Punkt an der Ecke Kameruner Straße und Togostraße. Auch zu oft überfüllte Glascontainer in der Cornelius-Fredericks-Straße hinter dem Kaufland sind jetzt mit einem roten Punkt als Müll-Hotspot markiert.

Wedding als Müll-Hotspot
Dass der Wedding neben Nord-Neukölln das größte Müllproblem hat, sagte eine Vertreterin der BSR am Rande des Müll-Gipfels. Ein Geheimnis ist das nicht. Doch ob es trotz bestem Willen und Müll-Gipfel 2.0 besser werden wird mit dem Müllproblem im Stadtteil angesichts der Halbierung der Landesmittel für die „Saubere Stadt“ im Doppelhaushalt 2026/27? Zumindest, so sagte Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger, bleiben die beliebten BSR-Kieztage trotz der Kürzungen erhalten. Nach dem Wunsch der Workshopteilnehmerin mit den Hinweisen auf Müll-Hotspots sollte einer dringend im Afrikanischen Viertel stattfinden, am besten rund um die Kameruner/Togostraße.

Der „Müllgipfel 2.0“ war Teil der bezirklichen Kampagne „MitteMachtSauber“ und wurde in Kooperation mit der Kornelius-Kirchengemeinde im Englischen Viertel durchgeführt. Organisator war der LIFE e.V., der im Rahmen der Kampagne im September bereits das Müllfest auf dem Leopoldplatz organisiert hatte.

Hintergrund: Müll-Gipfel 1.0
Fast genau ein Jahr vor dem Müll-Gipfel 2.0 hat im vergangenen Jahr die erste Veranstaltung dieser Art stattgefunden, nämlich am 13. und 14. November. Veranstaltungsort und Organisator war das Müll Museum Soldiner Kiez. Zwei Tage lang ging es in der Prinzenallee in Diskussionen, Arbeitsgruppen, einer Ausstellung und Gesprächen um Müll im öffentlichen Raum, Gewerbemüll und Hausmüll. Nach der Veranstaltung hat Lena Reich vom Müll Museum Soldiner Kiez Bilanz gezogen. Ihr Fazit kann im Beitrag Was hat der Müll-Gipfel gebracht? nachgelesen werden.
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