Kunst in der Schiller-Bibliothek: Der Wedding sieht rot

Die Farbe ist die Klammer für das Kunstprojekt „Eine Ausstellung sieht rot“. Zum achten Mal versammelt das Projekt Arbeiten, die eines verbindet: die Farbe Rot. In der Schiller-Bibliothek am Leopoldplatz hält das vielstimmige Rot nun zum ersten Mal Einzug. Am Dienstag, 10. März, ist Vernissage. Am Montag wurde die Ausstellung aufgebaut – ein Blick hinter die Kulissen.

Zuerst wird überlegt, wo welches Bild hängen soll. Foto: Hensel
Zuerst wird überlegt, wo welches Bild hängen soll. Foto: Hensel

Flüstern, Gesten, große Taschen

In einer Bibliothek sollte man leise sein. Für die sieben Künstlerinnen und Künstler, die am Montag ihre Gemeinschaftsausstellung aufbauten, war das eine kleine Herausforderung. Denn wie soll man sich absprechen, über Bilder und Hängung diskutieren, wenn man niemanden stören möchte, der hier liest oder konzentriert an den Computerplätzen arbeitet?

So wurde bei diesem Ausstellungsaufbau überwiegend geflüstert oder gestikuliert. Das wiederum zog die Aufmerksamkeit einiger Bibliotheksbesucher:innen an. Neugierig schauten sie zu der gedämpft agierenden Gruppe mit den großen Taschen, in denen große gerahmte Bilder steckten. „Wird das versteigert?“, fragt ein Mann ebenfalls in gedämpftem Ton. Er nickt zufrieden, als er erfährt, dass hier eine Ausstellung gehängt wird und dass die Bilder zwar nicht versteigert werden, aber käuflich sind.

Zange und Schnüre für die Hängung der Bilder. Foto: Hensel
Zange und Schnüre für die Hängung der Bilder. Foto: Hensel

Bilder rücken, Köpfe schütteln

Es war eine kleine, interessante Aufführung, die sich in der Schiller-Bibliothek abspielte. Alle sieben anwesenden Künstler:innen packten ihre Arbeiten aus, stellten sie an die Wand. Dann wurden die Plätze getauscht. Ein Bild rückte neben ein anderes, dann zurück, dann ganz nach links, dann wieder zurück. Alle traten einen Schritt zurück, betrachteten das Ergebnis – bis jemand mit dem Kopf schüttelte und der Prozess von vorn begann. Es dauerte, bis alle mit der Sortierung zufrieden waren und jedes Bild einen stimmigen Nachbarn hatte. Dann ging es ans Handwerkliche. Mit Zange, Zollstock und durchsichtigen Perlonschnüren wurden die Arbeiten an der Paneelwand befestigt.

Am Ende traten die Künstler:innen einen Schritt zurück und betrachteten die fertige Ausstellung. Aquarelle hingen nun wohlsortiert neben Ölmalereien, Abstraktes neben Konkretem, Porträts neben Stillleben. Eine stillschweigende Übereinkunft war gefunden: alles hängt dort, wo es sein soll. Die kleine Anspannung löste sich, es war geschafft. Als die Freude über das vollendete Werk hörbar wurde, legte die diensthabende Bibliothekarin den Finger an die Lippen: Psst! Doch die Arbeit war getan und die Künstlergruppe zog von dannen zum Ausklang in einem Café in der Nähe.

Von Rot zu Grün zu Rot – und in den Wedding

„Eine Ausstellung sieht rot“ war eine Idee des Galeristen und Künstlers Utz Benkel und der Künstlerin Olga Lunow. Sechsmal haben die insgesamt 14 beteiligten Künstler:innen ihre Arbeiten unter der farblichen Klammer Rot neu arrangiert. Gezeigt wurden die Gemeinschaftsausstellungen in verschiedenen Stadtbezirken Berlins. Eine siebte Ausstellung wechselte die Farbe und wurde zu „Eine Ausstellung sieht grün“.

Nun ist das Rot in der Müllerstraße angekommen. Die Weddinger Künstlerin Susanne Haun hat die Ausstellung in die Schiller-Bibliothek geholt. Sie fungiert als Gastgeberin in ihrer Nachbarschaft und wird die Ausstellung am kommenden Dienstag auch eröffnen. Wahrscheinlich wird sie dabei passend zum Thema einen roten Pullover tragen – so wie sie es bereits beim Aufbau der Schau tat.

Sieben der zwölf Künstler:innen der Gemeinschaftsausstellung "Eine Ausstellung sieht rot" in der Schiller-Bibliothek. Foto: Hensel
Sieben der zwölf Künstler:innen der Gemeinschaftsausstellung „Eine Ausstellung sieht rot“ in der Schiller-Bibliothek. Foto: Hensel

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler

Bei der Ausstellung in der Schiller-Bibliothek sind Arbeiten insgesamt zwölf Künstler:innen zu sehen. Mit dabei sind Utz Benkel, Norbert Salzwedel, Olga Lunow, Clara Lunow, Susanne Haun, Constanze Wiechert, Evelyn Bauer, Karoline Koeppel, Susanna Cardelli, Rudolf Stüssi, Friedrich Koeppel und Drago Ljub.

Wann und wo: Ausstellung und Vernissage

Vernissage für die Ausstellung „Eine Ausstellung sieht rot“ ist am Dienstag, 10. März. Die Eröffnung beginnt um 18 Uhr im Foyer der Schiller-Bibliothek in der Müllerstraße 149. Anschließend können die Besucherinnen und Besucher die Bilder im Ausstellungsbereich in der ersten Etage anschauen – wobei hier ebenfalls die nötige Bibliotheksruhe eingehalten werden muss. Die Schau ist anschließend bis zum 29. April zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo-Sa 10-19.30 Uhr, So 12-18 Uhr.

Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

📍 Kiez: ,

Kommentar

  1. Avatar von Susanne Haun

    Liebe Dominique,
    Wir hatten viel Freude am Hängen.
    Es ist interessant zu lesen, wie du unsere Arbeit wahrgenommen hast.
    Uns sind z.B. die anderen Bibliotheksbesucher*innen nicht aufgefallen. Schön, dass du mit ihnen gequatscht hast.
    Ich mag besonders deinen Satz „Alles hängt dort, wo es sein soll“.
    Danke, Dominique.
    Wir freuen uns auf euren Besuch und Gespräche,
    Susanne

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen