Das Aufstellen eines Wellblechzauns um das leerstehende Schulgelände zwischen Putbusser und Swinemünder Straße Ende September hat im Kiez für viel Unruhe und Ärger gesorgt. Warum der Zaun dort steht, warum er viele wütend macht und wie es weitergehen soll auf dem Gelände, fasst Dominique Hensel zusammen.

Die Geschichte, die zur Aufstellung des Zaunes durch das Bezirksamt Mitte führte, begann damit, dass der Bezirk das Gymnasium an der Putbusser Straße 2011 schloss. Damals ist das Amt von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen. Auch die Bibliothek zog deshalb aus, das Gebäude steht seitdem leer, verfällt und verursacht dabei hohe Instandhaltungskosten. In diesem Jahr hat der Bezirk 700.000 Euro dafür eingeplant.
Nachdem es unmittelbar nach der Schließung zunächst keine konkreten Ideen für eine Nachnutzung seitens der öffentlichen Hand gab, meldete sich 2012 die Initiative „ps wedding“. Die Akteure stammen aus dem Kiez und hatten sich bereits bei der Entwicklung des ExRotaprint-Standorts in der Gottschedstraße verdient gemacht. Ihr Konzept vereinte günstigen Wohnraum mit gemeinwohlorientierten Nutzungen und stieß nicht nur im Brunnenviertel auf Begeisterung. Auch die Bezirksverordneten sprachen sich 2014 für das Konzept aus. Danach entstand jedoch ein zäher Streit um das Gelände, bei dem der Bezirk, das Land, ein städtisches Wohnungsunternehmen und verschiedene politische Interessen eine Rolle spielten. Unterdessen verfiel das architektonisch interessante Gebäude.
Geld für Reaktivierung fehlt
Die Kehrtwende kam 2019, als sich der Bezirk entschied, die Schule wieder zu reaktivieren. Favorisiert wurde aber einen Abriss des mit Asbest belasteten Gebäudes sowie einen Neubau. In der Investitionsplanung des Senats (Schulbauoffensive) ist der Standort aber nicht enthalten, somit gibt es mittelfristig kein Geld für eine Reaktivierung der Schule.
Der über drei Meter hohe Wellblechzaun wurde schließlich Ende September um das denkmalgeschützte Gebäude gezogen. Er soll vor Vandalismusschäden schützen und verhindern, dass das baufällige Gebäude betreten wird. So steht es in einer Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine Anfrage der Abgeordneten Franziska Brychcy und Tobias Schulze (beide Linke) vom Juli dieses Jahres. Der Wellblechzaun soll 60.000 Euro gekostet haben. Weitere Gebäudesicherungsmaßnahmen sind laut Senat geplant, etwa eine Noteindeckung des Daches und die Trockenlegung des bereits vor Jahren mit Wasser vollgelaufenen Kellers. Das bestätigte auch das bezirkliche Schulamt auf Nachfrage des Online-Portals Weddingweiser.
„Nach den Brandstiftungen in den vergangen Monaten wurde zum Schutz von Menschenleben sowie der Sicherung des denkmalgeschützten Bauwerkes ein Sicherheitszaun aufgestellt“, heißt es aus dem Bezirksamt. Auf Nachfrage betont das Schulamt, dass der Zaun jedoch nichts mit dem vorgesehenen Ersatzbau auf dem Sportplatz der ehemaligen Schule in der Putbusser Straße zu tun hat. Dazu hatte es im Kiez vorab Spekulationen gegeben. „Es besteht kein Zusammenhang zum geplanten Interimsbau für die Ernst-Reuter-Schule“, erklärt das Schulamt.

Zaun als Zeichen des Stillstands
Für die, die sich im Brunnenviertel mit dem ehemaligen Diesterweg-Standort beschäftigen, kommt der neue Zaun einer Bankrotterklärung gleich. Er steht als Symbol, dass an dem Standort auch weiterhin nichts geschehen wird: keine Wohnungen, keine neue Schule, kein Raum für die Nachbarschaft. Spricht man mit Passanten an der Schule oder mit dem Stadtteilverein, ist die Wut deutlich zu spüren.
Nicht nur an dem Zaun als solchen stoßen sich im Brunnenviertel die Gemüter. Auch die Art der Begrenzung – ein über drei Meter hoher Wellblechzaun – wird im Viertel wegen seiner Anmutung kritistiert (siehe dazu auch Seite 13). „Der Zaun soll zum Zwecke der Sicherung der Gesamtanlage dienen“, schreibt das Bezirksamt dazu. Ein einfacher Bauzaun würde dafür „in diesem Fall nicht ausreichen“. Die Zukunft des Areals bleibt weiterhin ungewiss. „An erster Stelle werden Maßnahmen zum Bauerhalt des Schulgeländes durchgeführt. Pläne darüber hinaus stehen noch nicht fest und sind in Klärung“, heißt es aus dem Bezirksamt Mitte.
Im Brunnenviertel wurde auch die Frage diskutiert, ob der Wellblechzaun durch eine farbliche Gestaltung verschönert werden könnte. Hier gibt sich das Bezirksamt offen für Neues: „Das Bezirksamt ist bereit, die Flächen für eine optische Gestaltung freizugeben.“
Unterschriftensammlung gestartet
Der Stadtteilverein Brunnenviertel e.V. will sich nun mit einer Unterschriftensammlung gegen die neuesten Entwicklungen in der Putbusser Straße wenden. „Gemeinsam wehren wir uns gegen den plötzlich aufgestellten Zaun. Er ist ein Schandfleck und manifestiert den unhaltbaren Zustand am Gelände“, heißt es auf der Unterschriftenliste des Vereins. Für zusätzlichen Ärger sorgt laut dem Stadtteilverein eine weitere Konsequenz des Wellblechzauns: „Ein Treffpunkt von Nachbarn an den Tischtennisplatten wurde einfach weggenommen und abgesperrt.“
Als zentrale Forderungen nennt der Brunnenviertel e.V.: „Der Blechzaun muss weg! 12 Jahre Leerstand sind genug! Fangt endlich an zu bauen!“ Nun hofft der Verein, dass viele Menschen die Forderung mit ihrer Unterschrift unterstützen. Laut der Vereinsvorsitzenden Beate Chudowa sollen mindestens 1000 Unterschriften gesammelt werden. Mit dieser Anzahl könnte in der Bezirksverordnetenversammlung ein Einwohnerantrag gestellt werden, über den die Bezirksverordneten dann abstimmen. Es wäre überhaupt erst der zweite Antrag dieser Art im Bezirk Mitte.
Wer das Anliegen des Brunnenviertel e.V. unterstützen möchte, kann in der Graunstraße 28 unterschreiben oder sich dort eine Unterschriftenliste geben lassen und weitere Unterschriften sammeln. Kontakt zum Stadtteilverein ist per E-Mail unter verein@brunnenviertel.de möglich.
Informationsveranstaltung mit Bezirksamt
Kurz nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe hat eine Informationsveranstaltung unter der Überschrift „12 Jahre Verfall beenden! Zu Zaun und Zukunft des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums“ stattgefunden, zu dem der Stadtteilverein, das Quartiersmanagement Brunnenstraße und die Stadtteilkoordination Brunnenstraße-Nord eingeladen haben. Auch Vertreter des Bezirksamts standen auf der Rednerliste. Ein Bericht über die Veranstaltung ist auf dem Redaktionsblog unter der Überschrift Ex-Diesterweg: Leerstand geht weiter veröffentlicht worden.
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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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